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Die Runde beim ZDF (vl.n.r.): Manuela Schwesig (SPD), Tobias Hans (CDU), Maybritt Illner, Harald Lesch, Sophie Passmann und Wolfram Weiner.

„Maybrit Illner“, ZDF

„Maybrit Illner“ im ZDF: Vom schlechten Image der Volksparteien

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Bei Maybrit Illner frönt man ausgiebig der Personaldiskussion, dafür kamen politische Inhalte zu kurz.

Eigentlich ist doch erstmal die Luft raus. Die unmittelbar Beteiligten werden sich nicht die Blöße geben, vor der Sommerpause noch irgend etwas Entscheidendes zu äußern. Es gibt natürlich die notorischen Brandstifter wie Alexander Dobrindt. Der CSU-Lautsprecher mahnt erst die Sozialdemokraten, sich ihrer „Verantwortung“ zu stellen, also in der Groko zu bleiben, um im beinahe gleichen Atemzug gegen Arbeitsminister Heil als „Besserwisser“ beim Thema Grundrente zu polemisieren und einen angeblichen „Linksruck“ der SPD zu geißeln.

Aber die Frage nach dem oder der geeigneten Parteivorsitzenden und nach der oder dem geeigneten Kanzlerkandidaten wird bei SPD und CDU niemand beantworten, der auch nur ein wenig politisches Gespür hat. Unisono predigen die Spitzen der beiden (noch) etwas größeren Parteien, dass nun keine Personaldiskussion zu führen sei. Maybrit Illner versuchte es trotzdem unverdrossen. Ihrer Redaktion war eben wohl auch nichts Besseres eingefallen als das Thema „SPD kopflos, CDU planlos – GroKo grün vor Neid?“

Manuela Schwesig will den Parteivorsitz nicht, Tobias Hans steht hinter AKK

Und so musste dann Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und derzeit kommissarische Parteivorsitzende der SPD, sich fragen lassen, ob sie deren Chefin werden wolle. Sie brauchte etwas länger, um, ihre Verantwortung für das Bundesland betonend, zu sagen, dass die Parteiführung eine „große Ehre“ und eine ebensolche Verantwortung sei, ihr aber doch zuviel wäre.

Und so musste sich dann Tobias Hans, CDU, Ministerpräsident im Saarland, fragen lassen, ob er für Annegret Kramp-Karrenbauer als Kanzlerkandidatin der CDU eintrete. Er brauchte etwas länger, um einer direkten Antwort auszuweichen, aber schließlich zu sagen, dass er seine Vorgängerin ganz toll findet. Überraschung.

Maybrit Illner

Einer beteiligte sich trotzdem am ermüdenden Ritual: Wolfram Weimer. Der konservative Publizist wird immer dann eingeladen, wenn Robin Alexander nicht verfügbar ist (und umgekehrt) und man einen konservativen Journalisten braucht. Weimer fantasierte von einer kommenden SPD-Doppelspitze mit Schwesig und Sigmar Gabriel – was ihm den ersten spöttischen Zwischenruf von Sophie Passmann einbrachte.

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Die Autorin („Alte weiße Männer“) mischte die Runde bisweilen mit knackigen Formulierungen auf. Weimers Erklärung, Wahlen würden in der Mitte gewonnen, nannte sie „fantasielos“. Volksparteien lebten von einem Image, das nicht mehr relevant sei in ihrer Generation. CDU und SPD vermittelten kein „festes Bild“.

Aber es ist ja schlimmer. Seine Partei habe junge Leute auch deshalb verloren, weil man etwa beim Thema Urheberrecht der Nation vermittelt habe, „wir wollen den Kindern ihr YouTube wegnehmen“. Wollten sie auch, wie Kramp-Karrenbauers Reaktion auf das Rezo-Video zeigte. Was Tobias Hans natürlich bestritt. Was Sophie Passmann dagegen betonte: AKK habe „reaktionäre Sachen gesagt, die ich verwerflich finde“, meinte sie in Bezug auf Kramp-Karrenbauers seltsame Aussage über Intersexualität.

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Manuela Schwesig sprang der ehemaligen Kollegin bei; sie habe lange erfolgreich im Saarland gearbeitet; heute aber gehe es nur noch um Held oder Versager, um schwarz oder weiß. Kämen die Grünen an die Regierung, „wird das Soufflé zusammenfallen“. Weimer malte sich gar eine „Blaue Republik“ nach den Landtagswahlen im Herbst aus; und wenn die Wirtschaft in eine Krise gerate, werde Friedrich Merz Favorit bei der CDU sein, der habe „Wirtschaftskompetenz“. Was Harald Lesch empörte. Der Astrophysiker, Naturphilosoph und ZDF-Moderator monierte, man erfahre doch nichts von Merz.

Am Ende dann die große Einigkeit

Lesch war eingeladen, weil es doch noch um Inhalte gehen sollte, namentlich um den Umweltschutz. Während CDU-Mann Hans das alte Lied vom geringen Anteil Deutschlands am Weltklima sang, immerhin aber für eine „Bepreisung“ des CO2-Verbrauchs eintrat, machte Lesch deutlich, dass es vor allem um eins gehen werde: den Abschied vom Wachstum: „Es wird von allem weniger geben.“ Und auf das Thema Arbeitsplatzverlust eingehend, verwies Lesch auf die weitgehend verschwiegene Tatsache, dass bei der Zerstörung der Solarindustrie mehr Stellen weggefallen seien als bei der Braunkohle.

Am Ende brach die große Einigkeit bei den Politikern aus. Schwesig würde beim Klimaschutz mit den Grünen zusammen gehen, Hans wollte einen „breiten Schulterschluss“. Klimaneutrale Produktion müsse Deutschlands Standortvorteil werden. Als dann Illner, eben fixiert auf Personen, Lesch nach einem grünen Kanzler fragte, lobte der Wissenschaftler, dass die Grünen die Naturgesetze ernst nähmen. Da musste Weimer doch sein schwarzes Weltbild retten: Es gebe weder in Süd- noch in Osteuropa grüne Parteien und keine grüne Bewegung außerhalb Deutschlands. Wenn er darin Trost findet …

Zur Sendung

„Maybrit Illner“, ZDF, von Donnerstag, 13. Juni, 22.15 Uhr.
Im Netz: „Maybrit Illner“, ZDF

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