Maybrit Illner
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Moderatorin Maybrit Illner (ZDF) spricht in ihrer Talkshow über den Umgang mit Corona.

TV-Kritik

Maybrit Illner (ZDF): Parteipolitische Scharmützel von Christian Lindner

  • vonMichael Meyns
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Maybrit Illner spricht in ihrem ZDF-Talk über das Coronavirus Deutschland und welche Verantwortung nun auf der gesamten Bevölkerung lastet, um einen zweiten Lockdown zu verhindern.

  • Maybrit Illner lässt im ZDF den bundesweiten Umgang mit dem Coronavirus diskutieren.
  • Gäste fordern ein Miteinander der Bevölkerung statt neuer Verbote und einem zweiten Lockdown.
  • Auch wird in der ZDF-Sendung die vorsichtige Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff geäußert.

Die Frage, die angesichts rasant steigender Infektionszahlen wohl ganz Deutschland beschäftigt, war auch Thema von Maybrit Illners Sendung: Zum Thema „Risikogebiet Deutschland – schaffen wir die Corona-Wende?“ wurde erstaunlich – und erfreulich – unkontrovers diskutiert, allein FDP Partei- und Fraktionsvorsitzender Christian Lindner trug ein wenig parteipolitisches Scharmützel in die Runde, vor allem wenn er versuchte, den SPD-Kollegen Peter Tschentscher, den Ersten Bürgermeister von Hamburg, für diese oder jene Entscheidung zur Rechenschaft zu ziehen.

Christian Lindner bei Maybrit Illner (ZDF): „Ein zweiter Lockdown muss ausgeschlossen werden“

Meist bemühte sich jedoch auch Christian Lindner bei Maybrit Illner um eine staatstragende Pose und verkündete: „Ein zweiter Lockdown muss ausgeschlossen werden“. Die sozialen Faktoren, die Menschen, die allein in einer kleinen Wohnung sind, die Kinder, die nicht in die Schule können, Studenten, die Semester verpassen, müssen berücksichtigt werden, man muss vorsichtig sein, aber nicht panisch werden.

Dies war nicht nur die Meinung Christian Lindners, sondern die Grundhaltung der gesamten Runde bei Maybrit Illner, angefangen von Jagoda Marinić, Schriftstellerin und Kolumnistin, die betonte, dass der permanente Alarmmodus die Menschen in den Trotz treibe, und sagte, dass ihr die „Wir-schaffen-das-Merkel“ lieber ist als die „Unheil-Merkel“. Positive Ansprache soll her, nicht immer neue, fast täglich wechselnde Verbote und neue Gesetze, sondern ein Miteinander der Bevölkerung.

Maybrit Illner (ZDF): Das Phänomen der pandemischen Erschöpfung

Ähnlich argumentierte bei Maybrit Illner auch Susanne Herold, Professorin für Infektionskrankheiten in Gießen, die betonte, dass man das Virus nicht einsperren, aber durchaus aussperren könne. Die Logik ist einfach: Findet das Virus keinen Wirt, kann es nicht überleben. Hat man also keine Kontakte, kann man sich nicht infizieren, tun dies möglichst viele Menschen, stirbt das Virus bald von selbst aus. Ob man sich allerdings auf diese Form der Selbstverantwortung verlassen kann? Auf freiwillige Einschränkungen der sozialen Kontakte, also das, was im März so erfolgreich war? Damals hatte ganz Deutschland die Bilder aus Italien im Kopf, aber inzwischen stellt sich eine zunehmende Virus-Müdigkeit ein.

Maybrit Illner: „Risikogebiet Deutschland – schaffen wir die Corona-Wende?“

Die Sendung vom 22.10.2020 in der ZDF-Mediathek

Georg Mascolo, ehemaliger Chefredakteur des Spiegels, nannte im ZDF dies „das Phänomen der pandemischen Erschöpfung“, auf gut Deutsch, es einfach Leid zu sein. Aber das Virus schert sich nicht um Emotionen und Stimmungen, auch die Irritation weiter Teile der Bevölkerung angesichts des Hickhacks um das Beherbergungsverbot, das inzwischen fast bundesweit von den Gerichten kassiert wurde, stärkt gewiss nicht das Vertrauen in die Politik. Dennoch betonte auch Mascolo, dass Prävention nicht durch Repression erzwungen werden könne. Ziehe die Bevölkerung nicht freiwillig mit, da waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig, drohe ein sehr langer Winter.

Vorsichtige Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff bei Maybrit Illners ZDF-Talk

Wie lange dieser Winter dauern wird, das steht in den Sternen, das hängt vor allem davon ab, wann der langersehnte Impfstoff kommt. Zu dieser Frage wurde kurz vor Ende der ZDF-Sendung mit Maybrit Illner noch ein Überraschungsgast präsentiert, der zwar Hoffnung machte, aber doch vorsichtiger Wissenschaftler blieb: Stefan Oschmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Wissenschafts- und Technologiekonzerns Merck, der sich als Technologiepartner der Impfstoffindustrie sieht, selbst an einem Impfstoff arbeitet, aber auch Dutzende Unternehmen bei ihrer Forschung unterstützt ließ verlauten: Die Entwicklung sei positiv, ein Impfstoff komme bald, allerdings dann doch erst nächstes Jahr.

SendungMaybrit Illner
Erstausstrahlung14. Oktober 1999
NominierungenDeutscher Fernsehpreis für die beste Information
GenresTalkshow, Politik

Doch auch dann bleibt klar: Bis weite Teile der Bevölkerung geimpft sind, wird sehr viel Zeit vergehen, die Frage, welche Bevölkerungsgruppen zuerst in den Genuss einer Impfung kommen, wird beizeiten für Kopfzerbrechen sorgen. So oder so: Dies wird nicht die letzte Maybrit-Illner-Sendung gewesen sein, die sich dieses Jahr mit dem Corona-Virus und seinen Folgen beschäftigt. Doch die Harmonie der Gesprächsrunde bewies eindrucksvoll, dass bei den entscheidenden Fragen breite Einigkeit in Politik, Wissenschaft und Bevölkerung vorherrscht. Und das darf trotz versprengter Querdenker nicht vergessen werden. (Michael Meyns)

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