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Maximilian Schell, hier 1968 als K. in Rudolf Noeltes Kafka-Verfilmung „Das Schloss“. 

DFF Frankfurt

Maximilian Schell im DFF Frankfurt: „Natürlich bin ich ein Macho“

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Das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt zeigt eine Ausstellung aus dem reichhaltigen Nachlass Maximilian Schells.

Viele Museen bieten um die Weihnachtszeit etwas für die Kinder. Das Deutsche Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt denkt nun auch an die ältere Generation. Das Haus am Schaumainkai zeigt eine Ausstellung über einen Helden des Kinos in dessen Blütezeit: Maximilian Schell. 1930 als Sohn eines Schweizer Schriftstellers und einer Wiener Schauspielerin geboren, war er das dritte von vier Kindern, die alle Schauspieler werden sollten, am bekanntesten wurde seine Schwester Maria. Die Familie musste 1938, nach dem sich Österreich Hitlerdeutschland angeschlossen hatte, in die Schweiz emigrieren, und Maximilian wurde neben seinem Studium von Philosophie und Kunstgeschichte Fußballspieler bei Grashoppers Zürich.

Maximilian Schell verkörperte so ziemlich alle Rollen

Als Schauspieler verkörperte er im Laufe seiner mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Karriere so ziemlich alle Rollen-Varianten, die Theater und Film zu bieten haben, vom Kämpfer für das Schöne Wahre Gute bis zum verschlagenen Schurken und gar Nazi-Schlächter, vor allem aber immer: einen Mann.

Seine markanten Züge dürften ihm dabei von Nutzen gewesen sein, sein Ausdruck war seine Stärke. Das zeigte sich schon früh in seinem Werdegang, denn mit seinem zweiten Hollywoodfilm (nach „Die jungen Löwen“ an der Seite von Marlon Brando und Montgomery Clift) errang Schell gleich einen Oscar als bester Hauptdarsteller, und das als deutscher Anwalt, der Nazis verteidigte: in Stanley Kramers Justizdrama „Urteil von Nürnberg“ von 1961.

Der Erfolg öffnete ihm die Tür zu weiteren internationalen Großproduktionen wie „Topkapi“ und „Die Akte Odessa“ und der Arbeit mit Stars wie Peter Ustinov oder Sophia Loren und Jon Voight. Aber auch in Deutschland machte er von sich reden, etwa als „Hamlet“ am Hamburger Schauspielhaus unter Gustav Gründgens.

Maximilian Schell - sein Leben war eine Erfolgsgeschichte

Die von Kuratorin Isabell Bastian und Hans-Peter Reichmann, dem hauptberuflichen Schatzheber des Hauses, geräumig inszenierte Ausstellung musste, um Schells umfangreiches Schaffen zu präsentieren, lange Vitrinen und ganze Wände mit Fotografien und den Stationen seiner Karriere nutzen. Tagebuch-Einträge, Briefe und Fotografien skizzieren die berufliche wie private Seite des Stars – und geben in diesem Fall zudem Zeugnis von der Vielseitigkeit des Künstlers, der auch als Musiker und Kunstsammler einen Ruf hatte. So habe Schell, berichtet Reichmann, einen Teil seiner Gagen auf ein Extra-Konto deponiert, um Werke etwa von Bauhaus-Lehrer Josef Albers (von dem ein Bild in der Schau hängt), Jean Dubuffet oder Mark Rothko zu erstehen.

Schell konnte sich das leisten. Sein Leben liest sich wie eine Erfolgsgeschichte. Brüche finden sich nicht, eine gescheiterte Arbeit bei der US-Produktion „Peter der Große“ in Russland kann man kaum rechnen. Und immerhin lernte er dort 1985 seine Frau kennen, die russische Schauspielerin Natalja Eduardowna Andreitschenko, mit der er eine Tochter hat, Nastassia.

Seinem Ruhm als Schauspieler fügte er bald Ansehen als Regisseur hinzu, mit Filmen wie „Der Fußgänger“ oder „Der Richter und sein Henker“ von (und mit) Friedrich Dürrenmatt, von dem auch eindrucksvolle Zeichnungen von Schells Kopf zu sehen sind.

Maximilian Schell - ein Kind des Starkults

Sein Meisterstück als Regisseur aber machte Schell mit einem Porträt ohne Bild: Die greise Marlene Dietrich verbot es ihm, sie zu filmen. So entwickelte er aus den stundenlangen Gesprächen mit der ihn bisweilen verächtlich behandelnden Diva die Dokumentation eines Scheiterns. Schells frühere Assistentin Marion Craemer berichtete vom Frust des Teams, untätig im Nebenzimmer zu sitzen. Aber für „Marlene“ (1984) erhielt der mit Preisen ohnehin gesegnete Regisseur noch eine Oscar-Nominierung. Angemessen, dass dieser Arbeit ein eigener Raum gewidmet ist: ein mit weißen Stoffbahnen abgehängter Kubus erinnert an die zugezogenen Vorhänge der Pariser Wohnung der Dietrich. Auch ihr durch den Film berühmt gewordener Satz „Ich bin zu Tode fotografiert worden“ ist zu hören.

Der Kubus wird noch zwei Mal als Element der Präsentation genutzt: Vor der eigentlichen Ausstellung sind in einer Art Terrarium Screens mit Fotos und Filmausschnitten aus Schells Werk zu sehen. Innen ist dann mit Hilfe von halbdurchlässiger Folie und einer Fotografie Schells Rückzugsort inszeniert: das Haus, eine ehemalige Jagdhütte, auf der Alm in Preitenegg in Kärnten. Hierher kehrte er aus Los Angeles immer wieder zurück, hier verbrachte er auch seinen Lebensabend, an der Seite seiner jungen Frau Iva, die er ein halbes Jahr vor seinem Tod am 1. Februar 2014 geheiratet hatte.

Wie sehr Maximilian Schell ein Kind der großen Zeit des Kinos und des Starkults war, wird auch an einer anderen Installation der Ausstellung deutlich. Da haben Bastian und Reichmann eine Wand und den Fußboden großflächig mit Ausschnitten aus Zeitungen und Illustrierten tapeziert. Und dort wird der Künstler als ein Mann erkennbar, der seinen Ruhm genießt und die Medien geschickt zu nutzen weiß – indem er etwa behauptet: „Über mein Privatleben spreche ich nicht“ und das ausgiebig tuend sich an anderer Stelle brüstet: „Natürlich bin ich ein Macho“. Das würde Maximilian Schell in Zeiten von #Metoo vermutlich nicht mehr so laut sagen.

Deutsches Filminstitut & Filmmuseum,  Frankfurt: bis 19. April 2020. Der umfangreiche Katalog (dt. oder engl.) kostet 39,80 Euro. www.dff.film

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