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Judith Rakers hält die Maske der Figur eines Kükens bei der ProSieben-Show „The Masked Singer“.
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Judith Rakers hält die Maske der Figur eines Kükens bei der ProSieben-Show „The Masked Singer“.

„The Masked Singer“

„Masked Singer“: Trend zur Ganzkörpermaske

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Allgegenwärtiger Dilettantismus, simuliertes Ethos: „The Masked Singer“ passt vorzüglich in diese Tage, allerdings lohnt es sich, zwischendurch zu „In aller Freundschaft“ umzuschalten.

Küken, Flamingo oder Dinosaurier? Wer weiß schon so genau, wer sich hinter den singenden Puppen verbirgt. Die TV-Show „The Masked Singer“ auf Pro7 bezieht aus einer einfachen Ratekonstellation und einem mit zahlreichen dramaturgischen Effekten versehenen Mummenschanz eine nur mühsam aufrecht erhaltene Spannung, bei der sich Fans des Formats natürlich auf die Schenkel klopfen.

Alles ist möglich, nichts ernst. Spielverderber müssen wegsehen. Natürlich macht es keinen Sinn, weiter vor dem Fernseher hocken zu bleiben, wenn man nur bestärkt werden möchte in seiner Einschätzung, dass man gerade einer besonders dummen Ausfertigung gehobenen Blödsinns beiwohnt. Und wer wollte den dekorativen Ehrgeiz bezweifeln, den Ausstatter und Bilddesigner Folge für Folge aufwenden, um mit immer groteskeren Puppenkostümen die Spannung aufrecht zu erhalten. Ein bisschen Manga, ein bisschen Zauberer von Oz.

„Masked Singer“: Erstaunlich hohe Einschaltquoten

Strenggenommen gehört „The Masked Singer“ zur Gattung der Casting-Shows, es geht am Ende irgendwie um die Bewertung von Gesangsleistungen, die allerdings verdeckt werden durch eine Verstellungsdramaturgie, an der sich ein Rateteam aus dem weithin bekannten Fernsehshow-Personal (Rea Garvey, Ruth Moschner und Lena Gehrke) gedanklich daran abarbeitet, wer zur Erheiterung des erstaunlich stark versammelten Fernsehpublikums (regelmäßig über 3 Millionen Zuschauer) sich hinter dem Tüllkram befinden mag.

Jetzt fielen Namen wie Iris Berben, Sasha, Ross Anthony und Jella Haase. Letztere war eben noch in eine dumme Affäre um Terrorismus und Kapitalismus verwickelt, es ging um Sympathie mit der Roten Armee Fraktion (RAF). Diesmal wurde unterstellt, Jella Haase könne sich im Kostüm des Kükens befinden, eine Rolle, die natürlich viel besser zu der Volksbühnen-Schauspielerin passen würde. Wobei es zum künstlich gesteigerten Unernst gehört, die Namen von Prominenten ins Spiel zu bringen, von denen man sich kaum vorstellen mag, dass diese für einen solch zotigen Karneval zur Verfügung stehen.

Um bis zur Auflösung des Abends durchzuhalten, bedarf es Stehvermögen, ich habe mich entschieden, zwischendurch zu „In aller Freundschaft“ zurückzuschalten. Das ist, liebe Netflix-Generation, die seit Jahrzehnten erfolgreichste Serie im deutschen Fernsehen, wenn auch nicht in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen, wo „The Masked Singer“ in der Publikumsgunst vorn liegt. Medienprofis unterscheiden da ganz genau.

Bei „Masked Singer“ sind die Figuren weitgehend sinnbefreit

„In aller Freundschaft“ ist eine Arztserie, die ihren besonderen Charme daraus bezieht, dass schlimm erkrankten Menschen von umsichtigen Professionellen geholfen wird. All das Elend eines gewöhnlichen Krankenhausbetriebs wird hier ausgeblendet oder behoben von engagierten Ärzten, die fast immer im rechten Moment zur Stelle sind. Und zu dieser Sendezeit will man den ARD-Zuschauern auch keinen zynischen Dr. House zumuten, der zwar ein medizinisches Genie ist, bei seinen Patienten aber stets den Zweifel sät, ob es sich überhaupt lohnt, das eigene kümmerliche Leben fortzusetzen. Heilung ist keine Erlösung.

Bei den maskierten Sängern ist die Konstellation eine andere. Die Figuren sind weitgehend sinnbefreit, ihre Anwesenheit hat keinen nennenswerten Grund, es geht ausdrücklich um die Abwesenheit existenzieller Not. Und während die Ärzte in der Serie professionelles Ethos simulieren, geht es bei „The Masked Singer“ um die Allgegenwart des Dilettantismus. Einige Musikanten, die ihr Geld mit der Erzeugung von Klängen erzielen, scheinen mit von der Partie zu sein. Die meiste Zeit in der von Matthias Opdenhövel moderierten Show geht es indes um Quatschen, Singen, bunt sein. Und irgendwann später am Abend, wenn wir durchhalten, erklärt uns noch Markus Lanz die Welt.

Ach, haben wir durch die vielen Werbeunterbrechungen nicht noch etwas vergessen? Im Kostüm des Kükens befand sich die Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers. Es habe ihr viel Spaß bereitet, sie werde es nie mehr vergessen.

Beim nächsten Mal geht es weiter mit Flamingo, Monstronaut und Co. Sie alle haben sich über ein Verfahren qualifiziert, das den sportlichen Ausscheidungsmodi ähnelt. Halbfinale und Finale stehen noch aus. Vielleicht ist es der exzessiv ausgelebte Trend zur Ganzkörpermaske, der in Zeiten von pandemiebedingten Kostümierungszwängen viele Zuschauer dazu bringt, um diese Uhrzeit innerlich mit Konfetti zu werfen. (Harry Nutt)

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