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TV-Talk bei Markus Lanz am 4. Januar 2022.
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TV-Talk bei Markus Lanz am 4. Januar 2022.

TV-Talk

Markus Lanz (ZDF) blickt in die USA und sieht die „Dämmerung der Demokratie“

  • VonMichael Meyns
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Kurz vor dem Jahrestag des Sturms aufs Kapitol spricht Markus Lanz im ersten ZDF-Talk des Jahres mit Außenpolitikexperten über den Zustand der USA. Die TV-Kritik.

Hamburg – So rosig wie er oft geschildert wurde, war der amerikanische Traum nie, ganz gewiss nicht für Menschen, die der Norm nicht entsprachen. Annika Brockschmidt, Historikerin und Autorin des einflussreichen Buches „Amerikas Gotteskrieger: Wie die religiöse Rechte die Demokratie gefährdet“, betonte bei Markus Lanz im ZDF, dass der amerikanische Traum meist nur für weiße Amerikaner und lange Jahre auch eher für Männer eine realistische Möglichkeit war, sich aus der Armut zu befreien und das viel beschworene vom Tellerwäscher zum Millionär zu leben. Als Schwarzer, nicht heterosexueller Mensch sieht die Situation dagegen deutlich anders aus.

Dass sich daran langsam etwas ändert, ist schon zu viel für viele weiße Amerikaner, die fürchten, von Minoritäten verdrängt zu werden. Einige von ihnen machten sich am 6. Januar 2021 auf den Weg nach Washington DC. Doch darunter befanden sich nicht nur Fanatiker und Rassisten, wie Brockschmidt erklärte. Viele ältere Amerikaner waren unter den Protestierenden, Menschen, die sich eine Reise in die Hauptstadt leisten konnten und Zeit hatten, ihren Unmut zu zeigen.

TV-Talk mit Markus Lanz (ZDF): USA erleben „Dämmerung der Demokratie“

Eine Konsequenz der zunehmenden Polarisierung sei das gewesen, meinte Brockschmidt, die zwei Lager – Demokraten und Republikaner – haben sich in den letzten Jahren zunehmend aus der Mitte an die Ränder entwickelt, was konstruktive Diskussionen und eine Einigung auf Kompromisse zunehmend schwer macht. „Die USA erlebt eine Dämmerung der Demokratie und die Hinwendung zu einem autoritären Staat“, befürchtet die Historikerin.

Markus Lanz vom 4. Januar 2022 (ZDF)Die Gäste
Sigmar GabrielAußenminister a.D.
Annika BrockschmidtHistorikerin
Johannes HanoJournalist

Auch Sigmar Gabriel, ehemaliger Außenminister und Vizekanzler, äußerte sich bei Markus Lanz im ZDF skeptisch über den Zustand der amerikanischen Demokratie und Gesellschaft. „Seit Jahrzehnten wächst die Unzufriedenheit mit der Art, wie das Land regiert wird“ meinte Gabriel, der Eindruck, dass man kaum noch Chancen hat, aufzusteigen, sich über seine Herkunft zu erheben, sorgt für ein Gefühl der Hilflosigkeit, das sich zunehmend in Radikalität äußert. „Ein Jahrzehnt voller außenpolitischer Zumutungen“ stehe Europa und damit auch Deutschland bevor, sagte Gabriel, ein Umdenken sei nötig, vielleicht auch die Erkenntnis, dass die USA nicht mehr das Leitbild des Westens sein kann, zumindest für den Moment.

Markus Lanz (ZDF): Spaltung der USA wächst durch Corona

Johannes Hano, Journalist und New-York-Korrespondent des ZDF, beobachtet die Lage vor Ort, allerdings von einer der Küsten aus, die alles andere als repräsentativ für das Land sei. In New York leben noch viele Einwanderer, die an den amerikanischen Traum glauben, die hart arbeiten, unter für Europäer oft schwer vorstellbaren Umständen, doch das ist nur ein Aspekt der USA. „Die Spaltung des Landes ist durch Corona noch größer geworden. Wer für und wer gegen das Impfen ist, verläuft klar entlang der Parteilinien“ sagte Hano bei Markus Lanz im ZDF.

Zur Sendung

Markus Lanz vom 04. Januar 2022 im ZDF, 23.30 bis 00.30 Uhr. Die Sendung in der Mediathek.

Ist deshalb die amerikanische Demokratie gefährdet? Während Johannes Hano an die Selbstheilungskräfte des Landes glaubt, zeigte sich Annika Brockschmidt skeptischer. Die Schere zwischen Reich und Arm werde immer größer, in San Francisco gelten Menschen mit einem Jahreseinkommen von knapp über 100.000 US-Dollar schon als nah an der Armut, eine wahnwitzige Entwicklung, die auch mit den Exzessen von Konzernen wie Facebook, Google und Apple zu tun hat.

Sigmar Gabriel zeigte bei Markus Lanz im ZDF Hoffnung, dass Joe Biden am neoliberalen Kurs der letzten Jahrzehnte etwas ändern kann, doch die Zeit läuft dem alten Mann davon: Anfang November stehen die sogenannten Midterm-Wahlen an, bei den die Demokraten aller Wahrscheinlichkeit ihre Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus verlieren werden und damit die zumindest theoretische Möglichkeit, Gesetzespakete durchzubekommen. Wohin der Weg der amerikanischen Demokratie gehen wird, steht in den Sternen. Allzu hell leuchten sie allerdings nicht mehr. (Michael Meyns)

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