Statt Corona diesmal die US-Wahlen Thema bei Markus Lanz (ZDF).
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Statt Corona diesmal die US-Wahlen Thema bei Markus Lanz (ZDF).

Markus Lanz, ZDF

Markus Lanz (ZDF): Claus Kleber überrascht mit Aussage über Donald Trump alle

  • vonMichael Meyns
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Bei Markus Lanz im ZDF wird heiß über die US-Wahl 2020 diskutiert. Dabei überrascht Claus Kleber mit einer Aussage zu einer möglichen Wiederwahl von Donald Trump.

  • Bei Markus Lanz (ZDF) diesmal Thema: Die US-Wahl. Was wenig überraschend ist.
  • Donald Trump oder Joe Biden? In der Talkrunde bei Markus Lanz (ZDF) ist man sich weitestgehend einig.
  • Alle Informationen rund um die US-Wahl am 3. November finden Sie in den News zur Wahl 2020.

Während auf der anderen Seite des Atlantiks die ersten Wahllokale schlossen, fragte man sich im Alten Europa bei Markus Lanz im ZDF, was da ab im besten Fall morgen auf Deutschland zukommt.

Alles außer Donald Trump war die (fast) einhellige Meinung der Gesprächspartner, die zum Teil keinen Hehl aus ihrer Aversion gegenüber Trump machten.

Markus Lanz (ZDF): Donald Trump ist für die Covid-Toten verantwortlich

Ralf Stegner etwa, SPD-Politiker und Amerika-Experte, der 1992 mit der Dissertation „Theatralische Politik made in USA“ promovierte. Mit dauergrimmiger Miene macht er Trump allein für die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft und jeden einzelnen der bislang rund 230.000 Covid-Toten in Amerika verantwortlich.

So einfach kann man es sich natürlich auch machen, was den Mann, der am heutigen Abend für das Neutralitätsgebot des Öffentlich rechtlichen Fernsehens steht, zu heftigem Widerspruch verleitet: Ralph Freund, Unternehmensberater und Vizepräsident der „Republicans Abroad Germany“ hofft bei Markus Lanz im ZDF, dass Trump eine zweite Amtszeit bekommt. Denn im Gegensatz zu Barack Obama, habe Trump viele seiner Wahlkampfversprechen erfüllt: Die Wirtschaft boomt (zumindest vor Covid), die illegale Migration wurde eingedämmt, drei konservative Richter für das Verfassungsgericht wurden benannt, auch außenpolitisch gab es Erfolge zu verzeichnen.

Bei Markus Lanz (ZDF) gibt‘s den Tip: Donald Trump nicht immer ernst nehmen

Leicht hat es Freund mit dieser Haltung naturgemäß nicht. Immer wieder zu raten doch nicht alles, was dieser Präsident von sich gibt, so ernst zu nehmen, ist allerdings auch kein besonders überzeugender Hinweis.

Die Spaltung der Gesellschaft hat Donald Trump ausgenutzt, um in Amt zu kommen und anschließend noch verstärkt, ein Erbe, das auch lange nach ihm zu spüren sein wird und auch zunehmend in die Alte Welt zu schwappen scheint. Klaus Brinkbäumer, ehemaliger Spiegel-Chefredakteur und zuletzt Autor von „Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe“ bemerkt dazu: „Die Amerikaner sind nicht mehr in der Lage, sich auf eine Realität zu einigen.“ Der Vormarsch des Talkradios, der auf Krawall ausgerichteten Radiosendungen, die dann auch zur Blaupause von Fernsehsendern wie Fox News, auf der rechten, aber auch CNN, auf der eher liberalen Seite wurde, lebt von Konflikt, von scheinbar einfachen Wahrheiten. Eine Mitte, eine ausgewogene Meinung ist hier gar nicht mehr vorgesehen.

Claus Kleber bei Markus Lanz (ZDF): Hoffen auf die Amerikaner

Claus Kleber, Moderator des heute-journals im ZDF, hatte diesbezüglich hoffnungsvolle Worte: Jeder Trend habe ein Ende und so darf man hoffen, dass die amerikanische Bevölkerung bald genug von der gegenseitigen Anfeindung der politischen Blöcke hat. Woher er diesen Optimismus nahm, blieb im Dunkeln, kurz vorher sprach Kleber noch davon, dass die Wiederwahl von Trump nicht das Schlimmste wäre, was Amerika passieren könnte. Denn das der Übergang der Macht friedlich vonstatten geht ist vielleicht zum ersten Mal nicht mehr gewährleistet. Trump habe Milizen in der Hinterhand, die ihre Waffen schon geladen haben und nur auf ein Kommando warten. Während die Gefahr eines Bürgerkrieges vielleicht doch etwas apokalyptisch anmutet, hörte sich ein anderer Einwand deutlich realistischer an: Normalerweise ist die US-Wahl für die Bevölkerung erst dann vorbei, wenn der Verlierer seine Niederlage eingestanden und dem Sieger gratuliert hat. Dass Trump zu so einer Rede in der Lage ist bezweifelt Kleber.

Vielleicht irrt sich hier Kleber bei Markus Lanz im ZDF jedoch, wie zwei der letzten Auftritte Trumps vor Ende des Wahlkampfes andeuten: Zum einen sprach er bei einer seiner letzten Wahlkampfreden mit erstaunlich bedächtigen Worten von der Schwierigkeit, eine Niederlage einzugestehen, was man durchaus auch so verstehen kann, dass Trump diese Möglichkeit nicht ausschließt. Auch ein Auftritt bei seinem Lieblingssender Fox News irritiert: Müde hört sich Trump da an, als ihm die Frage gestellt wird, wann er den Sieg für sich reklamieren würde. Es gäbe keinen Grund Spielchen zu spielen, gebetsmühlenartig wiederholt er mit heiserer Stimme, dass die Chancen für einen erneuten Wahlsieg gut aussehen, aber wirklich überzeugt hört sich selbst Trump nicht an.

Andrea Römmele bei Markus Lanz im ZDF: Vielleicht lässt man Trump einfach fallen

Vielleicht behält also Andrea Römmele recht, Politologin und Professorin an der „Hertie School of Governance“, die die republikanische Partei für zutiefst opportunistisch hält: Sobald sich ein Sieg für Biden abzeichnet, werden die Partei-Granden Trump fallen lassen. Keine besonders gewagte Kaffeesatzleserei, doch was in den USA in den nächsten Tagen passieren wird, ob das Verbarrikadieren von Geschäften in den Metropolen übervorsichtig oder doch notwendig war, und vor allem, ob die USA unter einem Präsidenten Joe Biden wieder am Tisch der westlichen Wertegemeinschaft Platz nehmen wird, all das und mehr werden wir bald erfahren. (Michael Meyns)

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