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Militärexperte bei Markus Lanz: „Es ist Putin, der definiert, wann wir Kriegspartei sind“

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Von: Michael Meyns

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Markus Lanz und seine Gäste vom 21.4.2022.
Markus Lanz und seine Gäste vom 21.4.2022. © Screenshot ZDF

Markus Lanz lädt zum Krieg in der Ukraine Gäste ein, die die Situation differenziert einordnen.

Marieluise Beck, ehemalige Bundestagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, inzwischen vor allem als Mitgründerin des „Zentrum Liberale Moderne“ bekannt, war Ende März selbst in der Ukraine. In Kiew hatte sich die Lage schon beruhigt, das russische Militär zurückgezogen, doch die Gefahr war jederzeit präsent. Im ZDF-Talk bei Markus Lanz berichtete sie nicht zuletzt von der bewussten sexuellen Gewalt, die im Ukraine-Krieg von den russischen Truppen ausgeübt wird, Vergewaltigungen, Missbrauch, dem Versuch, Familien zu zerstören.

Doch was tun? Beck verglich die Situation in der Ukraine mit dem Bosnien-Krieg, als die EU davor zurückschreckte, Waffen in das Kriegsgebiet zu schicken, eine Haltung, die der der aktuellen Bundesregierung entspricht. Doch soll man einfach vor Putin und seinen Aggressionen zurückschrecken?

Markus Lanz am 21. April 2022 im ZDF – die Gäste

Marieluise BeckPolitikerin
Ulrike HerrmannJournalistin
Carlo MasalaMilitärexperte
Ronja KempinPolitologin

Militärexperte warnt im ZDF-Talk von Markus Lanz vor brutalem Vernichtungskrieg

Carlo Masala, Politikwissenschaftler und Inhaber des Lehrstuhls für internationale Politik an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr in München warnte vor einer neuen Phase des Krieges, einem besonders brutalen Vernichtungskrieg. Die russischen Streitkräfte hätten nicht genug Truppen, um einen schnellen Angriff durchzuführen, die Folge: Besondere Brutalität, bloße Vernichtung, ohne Hoffnung auf Frieden. „Dieser Krieg kann nur militärisch gewonnen werden“ sagte Masala bei Markus Lanz, aber auch: „Es ist Putin, der definiert, wann wir Kriegspartei sind.“ Eine wenig hoffnungsvolle Aussage, die kaum anderes bedeutet, als das die EU Getriebene wird und nicht agiert, sondern nur reagiert.

Markus Lanz (ZDF): Schwere Waffen liefern – ja oder nein?

Hätte man wissen müssen, was Wladimir Putin plant? Ulrike Herrmann, Redakteurin bei der Tageszeitung sprach sich im ZDF-Talk bei Markus Lanz gegen die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine aus, betonte aber, dass ohne die zahlreichen Waffenlieferungen in den letzten Jahren, Kiew längst in russischer Hand wäre. Als Reaktion auf die Annexion der Krim habe der Westen in den letzten Jahren die Ukraine aufgerüstet, dies aber nicht unbedingt an die große Glocke gehängt. Hätte man mehr machen können, eventuell den Krieg sogar verhindern? Hermann verneinte und betonte statt dessen, dass Putin kaum von seinem Versuch, die russisch geprägten Regionen in der Ukraine anzugreifen, abzubringen gewesen wäre.

Doch so einfach ist das nicht: Die Bundeswehr besitzt offenbar nur gut 250 funktionsfähige Marder-Panzer, die man aber auch nicht einfach an die Ukraine liefern kann. Denn wenn die ukrainischen Truppen nicht wissen, wie ein Marder-Panzer funktioniert oder wie er im Notfall zu reparieren ist, nutzt auch der schönste Panzer nichts zur Verteidigung. Nicht jede Kritik an der scheinbaren Unwilligkeit der Bundesregierung, schweres Gerät an die Ukraine zu liefern, scheint also berechtigt. Ein Panzer ist eben doch nicht so einfach zu bedienen wie ein Fernseher.

Die ZDF-Talk-Runde verhandelt bei Markus Lanz nicht mehr als heiße Luft

Aus der Frage, ob Deutschland nun genug liefert, ob Panzer eine schwere Waffe seien, warum andere EU-Länder Kritik an der deutschen Regierung äußert, entwickelte sich im ZDF-Talk bei Markus Lanz eine etwas ermüdende Diskussion. Ganz heraus hielt sich weitestgehend Ronja Kempin von der Stiftung Wissenschaft und Politik, die zwar anwesend war, aber im Verlauf der Sendung praktisch nichts sagte. Auch eine Einstellung und nicht die Schlechteste, denn im Kern verhandelte die Runde an diesem Abend nicht mehr als heiße Luft. (Michael Meyns)

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