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Putin bringt den Krieg zu Ende – zur Not mit Massenvernichtungswaffen

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Von: Tina Waldeck

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Im Polit-Talk von Markus Lanz (ZDF) geht es einmal mehr um den Krieg in der Ukraine: „Können wir oder wollen wir nicht?“, fragt der Moderator.

Hamburg – Markus Lanz (ZDF) beginnt kühn mit einem Zitat aus der Bild: „Können wir nicht oder wollen wir nicht?“ Aber es sollte tatsächlich noch inhaltsreicher werden.

Am Dienstagabend fordert er im Studio von Roderich Kiesewetter (CDU-Politiker und Bundeswehroberst a.D.), Kristina Dunz (Journalistin und stellvertretende Leiterin von „Redaktionsnetzwerk Deutschland“) sowie Olivia Kortas (freie Journalistin für „Die Zeit“ und „The Economist“) eine Einschätzung zu der Positionierung Deutschlands in der Ukraine. Zugeschaltet berichtet Ulf Röller (Leiter des ZDF-Studios Ostasien) über die aktuellen Eskalationen der Null-Covid-Politik in China.

Markus Lanz (ZDF): Wie wirkt das eigene Verhalten über den Tellerrand hinaus?

Die polnische Regierung hatte schon lange angekündigt, bis Ende des Jahres aus russischen Gas- und Öl-Verträgen auszusteigen: Hier gab es keine langen Diskussionen wie in Deutschland, weitet Olivia Kortas den Blick auf die Nachbarländer. Schon seit Jahren hat Polen Angst, dass auch sie die Aggression von Russland abbekommen. Bei den stetig zögerlichen Handlungen aus Deutschland machen sich die Menschen aktuell keine große Hoffnung, dass für sie dann schneller Hilfe kommen würde. Aber aus vielen Staaten kommen verständnislose Blicke, warum die Entscheidungen in Deutschland so zögernd und langsam kommen, versucht sie bei Markus Lanz (ZDF) die Enttäuschung aufzuzeigen: Denn in den letzten Jahren wurde das Land doch „als moralischer Anführer Europas wahrgenommen.“

Markus Lanz im ZDF: Deutschland hat im Ukraine-Krieg an Glaubwürdigkeit verloren

Bei Markus Lanz im ZDF wird über den Krieg in der Ukraine diskutiert.
Bei Markus Lanz im ZDF wird über den Krieg in der Ukraine diskutiert. (Screenshot) © ZDF

Schon 2014 hat die deutsche Regierung in der Ukraine keine harten Geräte aufgefahren: Damals stellten sich Angela Merkel und François Hollande dagegen, weil sie Russland nicht provozieren wollten, und haben lieber auf Diplomatie gesetzt. Doch das Einzige, womit sich Wladimir Putin beeindrucken lässt, ist Stärke, erklärt Roderich Kiesewetter bei Markus Lanz (ZDF). Daher wären zur Diplomatie auch starke Signale und ein klares Setzen von Grenzen und roten Linien richtig gewesen.

Gäste bei Markus Lanz (ZDF)
Roderich KiesewetterCDU-Politiker
Olivia KortasJournalistin
Kristina DunzPolitikexpertin
Ulf RöllerJournalist

Mit ihrem Verhalten haben sie da schon den Weg geebnet zu den Zweifeln in der Ukraine, dass sie keine Unterstützung von Deutschland bekommen werden, und Wladimir Putins Sicherheit verstärkt, dass kein Widerstand für ihn zu befürchten sei. „Die Bedrohung ist schon lange da, sie wurde nur nicht gesehen, oder sie wurde schöngeredet“, unter anderem mit Argumenten wie: „Wandel durch Handel.“ Die tatsächliche Wirklichkeit hat schon Gerhard Schröder nicht interessiert. Denn „hätte es ihn interessiert, wäre er nie in die Dienste von Gazprom gegangen.“

Ukraine-Krieg bei Markus Lanz (ZDF): Anstatt eines Miteinanders hat Russland den Westen ausgenutzt

Ein großer Fehlglaube war, dass, wenn man nur mit der russischen Führung im Dialog bleibt, „sich Russland an uns anpassen wird“, führt Roderich Kiesewetter weiter aus. Russland soll nun pro Tag 1,1 Milliarden Euro an den Energielieferungen weltweit verdienen: Trotz westlich eingefrorener Devisenreserven spült dies genug Geld in die russische Kasse für weiteres Säbelrasseln. Wie weit können sie ohne Konsequenzen die Grenzen erweitern?

Wladimir Putin werde „alles tun, um diesen Krieg zu einem Ende zu bringen, bis hin zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen, wenn er glaubt, dass es nötig ist.“ Das Ziel sei die Auflösung der Ukraine, erklärt der General a. D. bei Markus Lanz (ZDF) weiter. Und hat er Erfolg, „dann kommt als nächstes Moldau.“ Das Ziel muss daher sein, dass die Ukraine unter keinen Umständen diesen Krieg verlieren darf und dafür müsse geschlossen zusammengehalten werden, um energisch zu symbolisieren: „Wir stehen auf der Seite der Ukraine.“ Und „keine Halbherzigkeit“, wie es Roderich Kiesewetter der deutschen Regierung vorwirft.

Talk im ZDF bei Markus Lanz: Überlastete, überforderte und angeknackste Psychen weltweit

Vielleicht war es auch ein Problem, dass durch Corona keine persönlichen Kontakte mehr mit Wladimir Putin möglich waren: Kein Zusammentreffen mit den anderen Ländern und so abgeschottet in den eigenen Vorstellungen, kann das Gefühl für die Realität um sich herum verloren gehen. Vielleicht hätten Gespräche geholfen, aber jetzt hat man keinen Zugang und „kein Gespür mehr für Putin“, überlegt Kristina Dunz bei Markus Lanz (ZDF).

Eine angeschlagene Zeit mit einer psychisch angeschlagenen Weltbevölkerung, egal, wohin man schaut: Ulf Röller, der aus China zugeschaltet wird, bezeichnet auch hier das Verhalten von Xi Jinping als schizophren. „Um es vereinfacht auszudrücken: auf der einen Seite die Freien, die Demokratien und auf der anderen Seite die autoritären Länder“, die aber alle voneinander abhängig sind. So auch China.

Markus Lanz (ZDF): Kein Gesprür mehr für Wladimir Putin?

Die wirtschaftliche Lage hat Omikron hier erheblich verschlimmert: In Shanghai sind Millionen Menschen seit mehr als einem Monat eingesperrt, viele Arbeitskräfte fallen aus. Plötzlich gibt es Schwierigkeiten bei der Versorgung und die Bevölkerung wird zunehmend unruhig. Und wenn es am Ende noch härter kommen sollte, dann wird sich der Nationalstolz Chinas für die Bruderschaft mit Russland und gegen die eigenen Wirtschaftsinteressen richten, da sind sich die Stimmen in der kleinen Runde bei Markus Lanz (ZDF) einig. Damit scheint das Zusammenrücken einer Realität von demokratischen Werten noch notwendiger zu sein. (Tina Waldeck)

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