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TV-Talk bei Markus Lanz im ZDF: Putin hat keinen „Roten Knopf“

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Von: Michael Meyns

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Die Talkrunde vom 4. Oktober mit Markus Lanz im ZDF.
Die Talkrunde vom 4. Oktober mit Markus Lanz im ZDF. © Screenshot (ZDF)

Was genau ist eigentlich die Rolle Deutschlands im Ukraine-Konflikt? Bei Markus Lanz wird nicht nur diese Frage nicht geklärt.

Berlin – Wendet sich gerade das Schicksal der Ukraine? Elon Musk ruft zwar zu Verhandlungen mit Putin auf, die Gäste von Markus Lanz zeigten sich jedoch optimistischer, dass der Krieg in eine neue Phase eingetreten ist.

„Die Lage in der Ukraine ist im Fluss“, sagte Christian Mölling bei Markus Lanz im ZDF. Der Sicherheitsexperte und Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik betonte aber auch, dass es kaum möglich ist, aus der Ferne genau zu sagen, wo der momentane Grenzverlauf liegt, die Situation ändere sich quasi stündlich.

Doch wie gefährlich ist die Situation, in der die Ukraine Gebiete zurückerobert, die sich innerhalb der kürzlich von Russland „offiziell“ annektierten Gebieten befinden? „Putins Raum für politische Manöver ist sehr eng“, sagte Mölling, denn die russische Verfassung würde es Putin verbieten, die gerade annektierten Gebiete wieder abzugeben, worüber sollte er da verhandeln.

Dmitry Glukhovsky bei Markus Lanz: Putin „physisch wenig beeindruckend“

Persönlich kennt der Schriftsteller Dmitry Glukhovsky Wladimir Putin, den er als „physisch wenig beeindruckend“ beschreibt. Mit seinem Roman „Metro 2033“ wurde Glukhovsky bekannt, demnächst erscheint sein neues Buch „Geschichten aus der Heimat“, in dem er seinen Ruf als süffisanter Putin-Kritiker erneut unter Beweis stellt. Die Stimmungslage in der russischen Bevölkerung beschrieb der inzwischen im Exil lebende Glukhovsky bei Markus Lanz im ZDF als „im Wandel“.

Bis zur Mobilmachung vor ein paar Tagen, spielte der Krieg in der Ukraine für die meisten Russen keine große Rolle, so Glukhovsky, doch nun ändert sich die Lage. „Die Erinnerung der Stalin-Zeit sind in jeder Familie lebendig“, was verhindert, dass die Menschen ihren Widerstand gegen den Krieg deutlich äußern. Schon Meinungsäußerungen können zu Jahren im Straflager führen, von Demonstrationen ganz zu schweigen.

Markus Lanz im ZDF vom 5. OktoberDie Gäste der Sendung
Kevin KühnertSPD-Generalsekretär
Claudia KadeJournalistin
Christian MöllingSicherheitsexperte
Dmitry GlukhovskySchriftsteller

Doch wie groß ist tatsächlich die Gefahr eines Atomkrieges, denn Putin einmal mehr androhte und diesmal sogar mit den Worten: „Dies ist kein Bluff!“ Claudia Kade, Politikexpertin bei der Welt betonte bei Markus Lanz im ZDF, dass zumindest das Gefühl der Bedrohung zunimmt. Auch Kevin Kühnert, Generalsekretär der SPD, bestätigte dieses Gefühl, dass auch der Kanzler schon früh in einem Spiegel-Interview betonte.

Haben die Deutschen übermäßig viel Panik?

Christian Mölling widersprach: In keinem anderen Land sei die gefühlte Gefahr so groß wie in Deutschland, aber woran liegt das? Warum verfängt diese Angst gerade in Deutschland so sehr? Ist es russische Propaganda? Versucht Russland bewusst, die NATO, die westliche Welt zu spalten, indem es Einfluss auf Deutschland nimmt? Mölling wies auf das besondere, durch den Zweiten Weltkrieg geprägte Verhältnis von Deutschland zu Russland hin, das auch eine besondere Verantwortung nach sich zieht. Aber reicht das als Erklärung für die oft konstatierte Russophilie von Teilen der deutschen Bevölkerung?

Zur Sendung

Markus Lanz vom 4. Oktober 2022. Über die Rolle Deutschlands im Ukraine-Konflikt, die derzeitige Stimmungslage in der russischen Bevölkerung, den Abwehrschirm der Ampel-Koalition und Putins Drohgebärden. Die Sendung in der ZDF-Mediathek.

Einen roten Knopf habe Putin allerdings nicht, erklärte Christian Mölling bei Markus Lanz im ZDF. Zwei weitere Personen, der Verteidigungsminister und der Generalstabschef, müssten auch einem Atomschlag zustimmen und dass das passiert, schien dem Sicherheitsexperten als sehr unwahrscheinlich. Eine gewisse Panikmache scheint dem deutschen Diskurs innezuwohnen, das hat sich nicht erst während der Coronakrise gezeigt und setzt sich bei den aktuellen Diskussionen über den sehr unwahrscheinlichen Fall eines Nuklearkrieges fort. Genau damit spielen wir Putins Spiel mit: Über diese Drohung zu sprechen und andere Aspekte außen vor zu lassen.

Kevin Kühnert schwer genervt

Zum Beispiel die Frage der deutschen Waffenlieferungen, über die seit Monaten gestritten wird. Kevin Kühnert betonte, dass Deutschland mehr tut als fast alle Länder und zeigte sich bei Markus Lanz im ZDF schwer genervt davon, dass die Diskussion immer wieder auf die Lieferungen bzw. nicht-Lieferungen der Leo-Panzer reduziert wird.

Vielleicht wäre es gar nicht so sinnvoll, ausgerechnet deutsche Panzer in die Ukraine zu schicken, warf Dmitry Glukhovsky ein, denn die Symbolik der Gerätschaft könnte Putins Propaganda in die Hand spielen, der von Anfang an von einem Krieg gegen den Nazismus gesprochen habe und was passt da besser als gegen deutsche Panzer zu kämpfen? So oder so: Am Ende wird der Ukraine-Krieg sicher nicht an der Lieferung einer handvoll deutscher Panzer hängen, wie es weitergeht dürfte allerdings noch oft Thema in Markus Lanz Sendung sein. (Michael Meyns)

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