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Drei Monate Krieg in der Ukraine: Ratlosigkeit bei Markus Lanz

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Von: Michael Meyns

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Markus Lanz - der Talk vom 31. Mai.
Markus Lanz - der Talk vom 31. Mai. © Screenshot ZDF

Bei Markus Lanz geht es wieder einmal um die aktuelle Entwicklung im Ukraine-Krieg – und die Auswirkungen auf Deutschland.

Hamburg - Krieg und Inflation. Das eine Thema weit weg, das andere ganz nah. So zumindest wirkt es zunehmend in den deutschen Medien, der Krieg scheint zum Alltag zu werden, die Inflation betrifft die deutsche Bevölkerung dagegen ganz konkret. Dieser Tendenz versuchte Markus Lanz am Dienstagabend mit einer betont emotionalen Sendung entgegenzuwirken, in der allerdings nur die längst etablierten Positionen gegenüber dem Ukraine-Krieg abgehakt wurden.

Über drei Monate tobt der Krieg in der Ukraine nun schon, alltäglich sind Berichte von Truppenbewegungen, Angriffen und Gegenangriffen, Gräueltaten und Waffenlieferungen geworden. Einen hautnahen Bericht über das Leid in der Ukraine lieferte die aus Kiew zugeschaltete Lehrerin

Ukraine-Krieg bei Markus Lanz: Immer neue Ausreden beim Thema Waffenlieferung

Hanna Polonska, die zusammen mit Mann und Hund aus Butscha floh und in einen Hinterhalt geriet. Ihr Mann und ihr ungeborenes Kind starben, sie selbst überlebte schwer verletzt. Aus Kiew war sie in die Sendung von Markus Lanz im ZDF zugeschaltet und zeigte sich trotz ihres schweren Schicksals standhaft.

Als Auftritt wider der Kriegsmüdigkeit wollte Markus Lanz das Schicksal Hanna Polanskas verstanden wissen, auch der CDU-Politiker Norbert Röttgen, betonte, wie emphatisch die deutsche Bevölkerung sei, kritisierte aber die Politik. Er fordert eine Führungsrolle für Deutschland, eine klare Haltung und Waffenlieferungen. „Diplomatie hat nur eine Chance, wenn die Ukraine sich wehren kann“ meinte Röttgen bei Markus Lanz im ZDF, doch die längst versprochene Lieferung schwerer Waffen hakt seit Monaten. Immer neue Ausreden sieht Röttgen bei der Haltung der Regierung, mal habe man keine Waffen, mal seien diese zu kompliziert zu bedienen, „Fakt bleibt, wir liefern nicht“, auch wenn Waffen verfügbar seien.

Ukraine-Krieg bei Markus Lanz: Russische Millionäre müssen sanktioniert werden

Jan van Aken, Politiker bei den Linken, kritisiert dagegen den außenpolitischen Kurs Deutschlands und meinte, dass Russland durch Waffen nicht an den Handlungstisch gedrängt werden kann. Und auch die bislang beschlossenen Sanktionen seien windelweich, von Ausnahmen geprägt: „Nur wenn man Moskau wirklich wehtut, sind sie bereit zu verhandeln.“ Man müsste die russischen Millionäre sanktionieren, meinte Jan van Aken bei Markus Lanz im ZDF, ihre Konten sperren, ihre Villen am Starnberger See blockieren, das würde die russische Wirtschaft sofort unter Druck setzen.

Während van Aken die Sanktionen für lächerlich hält, betonte Marcel Fratzscher, Ökonom und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, dass die Sanktionen sehr wohl wirken, aber ebenso zwangsläufig wie bedauerlich, nicht die Oligarchen Russlands treffen. Dagegen sehr wohl die breite Masse der Bevölkerung, die durch den Einbruch der russischen Wirtschaft wirklich leiden. Auch Fratzscher bemängelte das halbgare Ölembargo, das immer noch durch zu viele Ausnahmen geprägt sei.

Doch auch ein weiteres Einbrechen der russischen Wirtschaft würde Russland nicht davon abhalten, Krieg zu führen, meinte die Politikwissenschaftlerin Liana Fix. Allein Waffenlieferungen würden Moskau an den Verhandlungstisch zwingen, ansonsten wäre die Ukraine schon längst überrannt worden. „Was Wladimir Putin stark macht, ist die Angst in den Augen westlicher Regierungschefs“ meinte Fix bei Markus Lanz im ZDF. Wie man diese Angst jedoch erzeugt, darauf konnte sich die Runde nicht einigen. Ein Problem sag etwa Norbert Röttgen in der Haltung Chinas, die den Krieg in der Ukraine gutheißen, so zumindest der CDU-Politiker. Belege für diese Behauptung hatte er zwar nicht zu bieten, ebenso wenig für eine Spekulation über eine Art doppelter Kontoführung bei Gazprom, mit der angeblich Zahlungen mit Euro in Rubel umgewandelt werden. Als Schwäche Europas wollte Röttgen dies verstanden wissen, was genau man bzw. die Regierung allerdings anders machen sollte, konnte er auch nicht sagen.

Zur Sendung

Markus Lanz (ZDF). Der Talk vom 31. Mai. Zur Sendung in der ZDF-Madiathek.

Nach drei Monaten Krieg scheint in den Diskussionen in deutschen Talkshows ein wenig Stillstand und Ratlosigkeit eingekehrt zu sein. Gegen Sanktionen ist niemand, gegen Waffenlieferungen nur wenige, dass Gas und Öl teurer werden stört zumindest Momenten, im nahenden Sommer, weniger, doch was wird in ein paar Monaten sein? Ist das schon die auch von der Außenministerin beschworene Kriegsmüdigkeit? Zumindest die Talkshow-Positionen scheinen eingefroren zu sein und wurden auch an diesem Dienstag Abend bei Markus Lanz im ZDF kaum mehr als pflichtschuldig abgehakt. (Michael Meyns)

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