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Moderator Markus Lanz im Gespräch mit Ralph Brinkhaus.
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Moderator Markus Lanz im Gespräch mit Ralph Brinkhaus.

TV-Kritik

„Versagen“ in der Corona-Krise: Markus Lanz nimmt sich Bundesregierung vor

  • Teresa Vena
    VonTeresa Vena
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Die Corona-Pandemie dominiert die Debatte bei Markus Lanz im ZDF. Sascha Lobo und der Moderator wettern beide gegen die Bundesregierung.

  • Bei Markus Lanz wurde erneut über die Corona-Pandemie gesprochen.
  • Beim Talk im ZDF wird die Politik der Bundesregierung scharf kritisiert.
  • Das Wort „Versagen“ stand im Verlauf des Abends mehrfach im Raum.

Hamburg/Frankfurt – In Markus Lanz‘ Sendung vom 9. März 2021 ging es darum, zu diskutieren, wie sich die deutsche Politik in der Bewältigung der Corona-Pandemie bisher hervorgetan hat und was als Nächstes in diesem Punkt zu erwarten sei. Zu Gast waren Ralph Brinkhaus, CDU/CSU-Bundestagsfraktionschef, Sascha Lobo, Autor und Blogger, Dr. Tankred Stöbe, Intensivmediziner und Prof. Mariam Klouche, Laborärztin.

Markus Lanz (ZDF): Der „harte Stand“ im Corona-Krisenmanagement

Von Anfang an sah sich Ralph Brinkhaus bei Markus Lanz (ZDF) mit schweren Vorwürfen in Bezug auf das aktuelle Krisenmanagement der Bundesregierung konfrontiert und hatte bis zuletzt einen „harten Stand“, wie es Lanz ausdrückte. Insbesondere der Journalist Sascha Lobo warf ihm wiederholt vor, dass die Union zum jetzigen Zeitpunkt Probleme erkenne, die bereits in den letzten 15 Jahren hätten angegangen werden müssen. Darunter falle vor allem die mangelnde Digitalisierung des Landes und eine Verschlankung der Bürokratie und damit eine Anpassung des föderalistischen Systems.

Unter Beschuss war Brinkhaus bei Markus Lanz anfänglich wegen der Korruptionsvorwürfe gegenüber zwei seiner Parteimitglieder, Georg Nüsslein und Nikolas Löber, die sich erhebliche finanzielle Vorteile mit dem privaten Handel von Hygienemasken verschafft hätten. Um solche Szenarien in Zukunft zu vermeiden, dränge Brinkhaus nun auf die Verabschiedung eines strengeren Transparenzgesetzes. In den Augen von Sascha Lobo kämen solche Maßnahmen sehr spät und seien ein eindeutiger Hinweis für politisches Versagen.

Die Gäste bei Markus Lanz
Ralph Brinkhaus (CDU)Politiker
Sascha Lobo Autor, Blogger, Journalist
Dr. Tankred StöbeIntensivmediziner
Prof. Mariam KloucheLaborärztin

ZDF-Talk bei Markus Lanz: Keine Erfahrungswerte mit Corona

Im Laufe des Abends fiel das Wort „versagen“ mehrfach und Brinkhaus störte sich zunehmen daran. Auch wenn Markus Lanz klarstellte, dass die Diskussion nicht darauf hinauslaufe, einzelne Menschen persönlich Fehlverhalten zu unterstellen, sah sich Brinkhaus verpflichtet, in die Verteidigungshaltung zu gehen. Für ihn stehe fest, dass die Hauptschwierigkeit im Umgang mit Corona darin bestehe, dass keine Erfahrungswerte bestünden, nach denen gehandelt werden könne. Entscheidungen müssten auf der Basis unsicherer und weniger Informationen getroffen werden und in Anbetracht der Lage, habe man es in Deutschland auch recht gut gemeistert.

Hier hakten sowohl Lobo, aber vor allem die beiden Mediziner in der Runde ein. Prof. Mariam Klouche bemängelte, dass der politische Apparat viele Prozesse schlichtweg verkompliziert und verlangsamt habe. Statt die Kompetenz an den Stellen zu belassen, die sich mit Expertise hätten hervortun können, seien seitens der Politik unnötige Verfahren zwischengeschaltet worden.

Markus Lanz (ZDF): Kommt die dritte Welle?

Ihr gab Dr. Tankred Stöbe bei Markus Lanz (ZDF) vollumfänglich recht. Betrachte man die Infektions- und Todeszahlen in Deutschland, stehe es überhaupt nicht besonders gut. Es sei unsinnig sich mit den Ländern zu vergleichen, denen es schlechter gehe, statt sich an denen zu messen, denen es eben besser gelungen sei, mit der Pandemie umzugehen. Europa stehe insgesamt schlecht da. Seiner Meinung nach stehe man vor einer dritten Welle und um das Ruder herumreißen zu können, brauche es jetzt vor allem eine gute Regierung, eine starke Regierung, die sich durch hohe Kompetenz, Transparenz und Glaubwürdigkeit auszeichne.

Dass die Politik nicht mutig sei, bemängelt auch Lobo. Gemeinsam mit Markus Lanz fühlte er Brinkhaus auf den Zahn, woran die deutsche Politik denn genau lahme. Nachdem Brinkhaus sich vehement gegen den Eindruck wehrte, in Deutschland sei alles nur „Schrott“ und den bemerkenswerten Einsatz vieler seiner Kollegen herausstellte, gab er zu, dass Deutschland ein gewisses systemisches Problem aufweise, das gerade in der Krise in vielerlei Hinsicht hemmend sei. Er setze sich für klare Zuständigkeiten, klare Verantwortlichkeiten und eine strenge Überwachung von klaren Zielsetzungen ein, sagte Brinkhaus.

Talk bei Markus Lanz (ZDF): Zu zähe Prozesse im Umgang mit Coronavirus

Die aktuelle föderalistische Struktur habe zur Konsequenz, dass man viel zu langsam in den Entscheidungen und ihre Umsetzung sei. Dies sei in der Krise klar geworden, aber es betreffe viele andere Bereich der Verwaltung. Beispielsweise stehe längst Geld für eine breitere Digitalisierungskampagne bereit, doch sei dieses nicht zugesprochen und abgerufen worden, weil es an Kapazitäten fehle. Gemäß Brinkhaus brauche es eine Jahrhundertreform, eine regelrechte „Revolution“, die Mechanismen schaffe, um als Regierung schneller zu werden. Verantwortung muss zugeordnet und damit Entscheidungsabläufe optimiert werden.

In diesem Punkt waren sich die Anwesenden bei Markus Lanz (ZDF) weitgehend einig. Klouche stelle fest, dass die Prozesse aktuell zu zäh seien. Dafür führte sie das Beispiel des Meldewesens der Gesundheitsämter an. Bisher war dieses analog organisiert, für Corona habe man eine digitale Lösung gefunden, doch das betreffe alle anderen Krankheiten nicht. Statt die Pandemie als Anlass zu nehmen, um grundsätzlich etwas zu verbessern, bleibe man beim alten, umständlichen Weg, bemerkte sie resigniert. Stöbe bestätigte ebenfalls, dass er kein problemorientiertes Verhalten feststellen könne, sondern ein von Langsamkeit bestimmtes Handeln, das in der Krise jede Hilfemaßnahme behindere.

Markus Lanz (ZDF) Wie steht es mit den Corona-Schnelltests?

Als sich bei Markus Lanz (ZDF) schließlich die Frage über die Sinnhaftigkeit der in größerer Menge zu erwartenden Corona-Schnelltests stellte, mit der sich in Zukunft die Menschen selbst testen könnten, warnte Klouche eindringlich. Die Tests hätten den Vorteil, dass die Menschen das Gefühl bekämen, sich aktiv an der Bekämpfung der Pandemie beteiligen zu können, doch seien die Tests ausschließlich als Hinweise zu nehmen. Sie seien im Vergleich zu im Labor ausgewerteten und von Fachpersonal durchgeführten Tests, weit weniger zuverlässig.

Ein positiver Test, könne falsch positiv und ein negativer, falsch negativ sein. Ein Schnelltest sei nur ein Verdacht und müsse, egal bei welchem Resultat, von einem Arzt bestätigt werden. Diese Aussage relativierte im Grunde den Nutzen dieser Tests und auch die damit verbundene Hoffnung, damit ein effektives Mittel zur Eindämmung der Infektionen zur Hand zu haben.

Um den Talk bei Markus Lanz (ZDF) mit einem noch weniger optimistischeren Gefühl zu schließen, berichtete Stöbe von der Corona-Situation in Malawi, das zu einem der ärmsten Ländern in Afrika und der Welt gehört. Dort habe eine intensive zweite Welle die sehr junge Bevölkerung, die ein Durchschnittsalter von 17 Jahren aufweist, massiv gebeutelt. Die Toten wegen Corona seien durchschnittlich 30 Jahre alt und betreffe Menschen mit kaum Vorerkrankungen. Während in Malawi zwei Ärzte auf 10‘000 Menschen fallen, seien es in Deutschland 42 Ärzte, führte Stöbe zudem an. Damit unterstrich er die grundsätzlich privilegierte Lage in Deutschland, machte aber auch einmal mehr klar, wie unberechenbar der Virus in Verlauf, Symptomen und Mutationen sei. (Teresa Vena) 

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