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Markus Lanz (ZDF): Olympische Spiele der Angst - Gast hat drastische Forderung

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Von: Michael Meyns

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Markus Lanz, Sendung vom 18.01.2022.
Markus Lanz, Sendung vom 18.01.2022. © Screenshot ZDF

In Kürze beginnen die Olympischen Winterspiele in Peking. Grund genug für Markus Lanz, China in seinem ZDF-Talk zum Thema zu machen.

Hamburg - Neues Jahr, neue Krisen, doch nicht über Russland wurde bei Markus Lanz im ZDF diskutiert, sondern vor allem über die zukünftige dominierende Weltmacht China. Dort grassiert Corona und beginnt bald Olympia 2022.

In China begann dann auch die Sendung von Markus Lanz im ZDF, aus Peking war Ulf Röller zugeschaltet, Leiter des ZDF-Studios Ostasien, der mit einer Einschätzung der Corona-Lage in China begann. „Die Demokratie chinesischer Prägung“ war bislang stolz, wie gut man durch die Pandemie gekommen ist, doch nun grassiert auch dort die Omikron-Variante. Und das ein paar Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking. Bei Markus Lanz im ZDF gab Ulf Röller ein Bild der Lage, die von zunehmend repressiven Methoden geprägt ist. Selbst vor einem Lockdown in einer chinesischen Kleinstadt mit gerade einmal 13,8 Millionen Einwohnern, machen die Behörden nicht halt.

Markus Lanz (ZDF) über die Angst in China vor den olympischen Winterspielen

Angst herrscht im Reich der Mitte, bestätigte auch Johannes Hano, aktuell New-York-Korrespondent des ZDF, der von 2007 bis 2014 in Peking gearbeitet hat. „China wird von Ingenieuren“ beherrscht, wenn da jemand im politischen Zentrum eine Anordnung gibt, dann übertreffen sich die Beamten in der Provinz, um den Plan überzuerfüllen.

Wie unter diesen Umständen Olympische Spiele stattfinden sollen, fragte Markus Lanz (ZDF). Röller bestätigte, wie sehr die Regierungspartei das Sportereignis zu Propagandazwecken benutzen wird. Zudem sei es geradezu aberwitzig, in einer Stadt, die nicht für Schnee bekannt ist, Winterspiele statt finden zu lassen.

Wie sich die Bundesregierung zu China und Olympia 2022 verhält, versuchte die neue grüne Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, Steffi Lemke, zu erklären, der Markus Lanz gleich vorwarf, zu antworten, als sei sie Mitglied des diplomatischen Dienstes. Allzu ausweichend versuchte Lemke mit Allgemeinplätzen anzudeuten, dass die Bundesregierung zwar keinen Boykott der Spiele anstrebt, aber eine gewisse Distanz plant.

Markus Lanz (ZDF) - TV-Talk vom 18.01.2022Die Gäste
Steffi LemkeMinisterin für Umweltschutz (Die Grünen)
Wolfram WeimerPublizist
Ulf RöllerJournalist
Johannes HanoJournalist

Viel zu wenig sei das, monierte Wolfram Weimer, Herausgeber des The European, der der Regierung zu große Zurückhaltung vorwarf, und sagte: „Die Regierung hat es nicht geschafft, eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen.“ „Die Bundesregierung muss sich einem diplomatischen Olympia-Boykott anschließen“, forderte Weimer bei Markus Lanz im ZDF und wies auf Menschenrechtsverletzung und Umweltsünden hin, die in China an der Tagesordnung seien.

Doch die inhaftierten Uiguren zu erwähnen oder die Situation in Hongkong zu beklagen, das würden sich deutsche Industriebosse nicht trauen, denn das würde ihnen das Geschäft verhageln, erklärte Ulf Röller. Dass zudem Europa nicht mit einer Stimme spricht und lokale Interessen verhindern, dass alle Länder an einem Strang ziehen, lässt Europa in den Augen Chinas schwach wirken, und nur Stärke könnte einen Effekt haben.

Markus Lanz (ZDF): Wie verhält sich die Ampel gegenüber China?

Und als wäre das nicht genug, ist China auch noch Verursacher von rund 30 Prozent des weltweiten CO²-Ausstoßes, plant aber dennoch den Bau von sagenhaften 200 Kohlekraftwerken. Wer redet mit China, fragte Markus Lanz im ZDF die Umweltministerin, die es großartig findet, dass nicht nur sie über das Klima redet, sondern so ziemlich jedes Mitglied der Bundesregierung. Gerade hier scheinen die Verbindungen zu China größer zu sein, als in anderen Bereichen: Denn trotz allem ist auch der chinesischen Regierung bewusst, welch wichtiges Thema der Klimaschutz ist.

Dass die Methoden des autokratischen Systems nach westlichen Maßstäben gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig sind, ist die eine Seite, dass China es dennoch schneller schafft, Dinge zu ändern als viele westlichen Ländern, die andere. Sich darüber zu streiten, welches Ministerium an der Klimapolitik mitmischt, wirkt kleingeistig. Nur eine konzertierte Aktion aller Ministerien kann etwas ändern, was sicher auch für eine möglichst geschlossene Haltung gegenüber China gilt. Aber die Ampel-Koalition regiert ja erst seit fünf Wochen, für ein finales Urteil ist es also noch ein wenig zu früh. (Michael Meyns)

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