Moderator Markus Lanz ist bei seiner Sendung im ZDF von den Aussagen einer Trump-Anhängerin „emotional überfordert“.
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Moderator Markus Lanz ist bei seiner Sendung im ZDF von den Aussagen einer Trump-Anhängerin „emotional überfordert“.

TV-Kritik

ZDF-Talkshow: Markus Lanz ist von Trump-Anhängerin „emotional überfordert“

  • Teresa Vena
    vonTeresa Vena
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Markus Lanz tut sich in seiner ZDF-Talkshow mit den Aussagen einer Trump-Anhängerin schwer. Diese bringt auch die anderen Gäste an ihre Schmerzgrenzen.

  • Markus Lanz (ZDF) nimmt sich Donald Trump und die Corona-Krise zum Thema
  • Trump-Anhängerin bringt Gäste und Moderator an ihre Schmerzgrenzen
  • Markus Lanz ist bei seiner Sendung im ZDF „emotional überfordert“

Markus Lanz hat auch am Mittwoch, 07.10.2020, zur Talkrunde geladen. Thema der Sendung im ZDF war das aktuelle Verhalten des US-Präsidenten Trump in Bezug auf seine Coronaerkrankung und seinen damit verbundenen Chancen auf eine Wiederwahl im November. Auch um Corona in Deutschland sollte es im weiteren Verlauf gehen. Seine Gäste waren der Schauspieler und Autor Christian Berkel, der Physiker und Digital-Epidemologe Prof. Dirk Brockmann, die Juristin und USA-Expertin Sandra Navidi und die US-Bürgerin und Trump-Anhängerin Tina Chittom.

Markus Lanz macht im ZDF die US-Wahl 2020 und Donald Trump zum Thema

Direkt aus New York wurde zu Beginn der Sendung „Markus Lanz“ im ZDF Korrespondent Elmar Theveßen zugeschaltet, der Bilder von einem augenscheinlich körperlich weitgehend unversehrten Trump, der öffentlich auftritt und sich die Maske vom Gesicht reißt, kommentierte. Seine Aktivität auf Twitter habe mit 50 Tweets innerhalb von zwei Stunden wieder die übliche Intensität angenommen. Vehement vertritt Trump, wie bereits vor seiner eigenen Erkrankung, die Meinung, dass Corona einer gewöhnlichen Grippe gleiche. Für Sicherheit sorgt er nicht einmal in seinem unmittelbaren Umfeld, obwohl der Presseflügel des Weißen Hauses, gemäß Theveßen, weitgehend lahm liege, da dort mehrere Fälle aufgetreten seien. Mit seinen engsten Beratern lässt er sich im Innern wie im Außenbereich des Regierungsgebäudes ohne Maske und ohne Mindestabstand fotografieren.

Ob dieses Verhalten Trumps Ansehen in der Bevölkerung beschädige, wollte Markus Lanz im ZDF wissen. Der Journalist Theveßen räumt ein, dass die Lager wohl weiterhin gespalten seien. Trumps Anhänger würden einerseits in ihren Überzeugungen befeuert, während sich andererseits die Gegner in ihrer empörten Ablehnung bestätigt sähen. Um Trump habe sich, erläutert Sandra Navidi, ein regelrechter Personenkult geformt, dessen Vertreter im Wesentlichen gemeinsam hätten, dass sie offen die Auseinandersetzung mit Wissenschaft ablehnten, einer eigenen Version des Sozialdarwinismus anhingen und sich dadurch als von Gott auserwählte Gruppe sähen, die dank der eigenen „guten“ Gene unverwundbar sei.

„Markus Lanz“ (ZDF): Trump-Anhängerin bringt andere Gäste an ihre Schmerzgrenzen

Diese Einschätzung bekräftigten die Aussagen von Tina Chittom, US-Bürgerin und Übersetzerin, in vollem Maße. Sie haben genauso keine Angst vor Covid wie Trump, meinte sie bei der Sendung „Markus Lanz“ im ZDF und führte alle bekannten Argumente vor, die die Fallzahlen von Corona mit denen der Spanischen Grippe oder mit den Werten einer normalen Sterblichkeit vergleichen. Für sie handle es sich im Umgang mit Corona um ein unverhältnismäßiges Aufbauschen und eine rein politisierte Angelegenheit, die von Menschen angeführt werde, deren Hauptmerkmal es sei, dass sie säkular und daher nur auf das Jetzt gerichtet lebten. Diese „wissenschaftlichen“ Menschen seien diejenigen, die Corona als neue Pest bezeichneten und einer neuen Pseudo-Religion anhingen, die auf dem Maskenkult basiere.

Markus Lanz in der ZDF-Mediathek

Sendung verpasst? Die Folge vom Mittwoch, 07.10.2020, ist in der Mediathek des ZDF zu finden.

Die Trump-Anhängerin Chittom ließ sich nicht nur angesichts des Themas Corona von den Einwänden der Mitanwesenden nicht beirren. Als die Diskussion auf das Thema Kriminalität und schwarze Bevölkerung in den USA schwenkte, stieß sie die anderen, allen voran den Schauspieler Christian Berkel, der die USA schätzt und seit Jahrzehnten regelmäßig besucht, und Moderator Markus Lanz, der sich von der Argumentation als „emotional überfordert“ bezeichnete, vor den Kopf.

Ihre Äußerungen, die die „Black Lives Matter“-Bewegung als anarcho-faschistische Gruppierung und als rassistische Bewegung gegen Weiße qualifizierten, und schließlich ihre Meinung, dass Schwarze sich von den Weißen durch viele soziokulturelle Elemente unterschieden, wobei sie eine genetische Ursache nicht ausschließe, sorgten dafür, dass bei den Anwesenden der Sendung „Markus Lanz“ im ZDF eine Schmerzgrenze erreicht wurde. Bevor die Diskussion über die Natur und Definition von Rassismus weitere Ausmaße annahm, konzentrierte man sich auf Deutschland und die aktuelle Coronasituation.

„Markus Lanz“ im ZDF: Stärker von Corona betroffene Regionen isolieren bringt nichts

Prof. Dirk Brockmanns stellte entschieden klar, dass die einzige effiziente und sinnvolle Maßnahme gegen eine weitere Verbreitung des Virus in der Reduzierung von engen körperlichen Kontakten bestehe. Eindeutig sprach er sich in der Sendung „Markus Lanz“ im ZDF gegen die in der aktuellen Diskussion aufflammenden Überlegungen und Maßnahmen aus, einzelne innerdeutsche – oder ausländische – stärker betroffene Regionen zu isolieren. Dies hätte nur dann einen Sinn, wenn außerhalb dieser Zonen der Virus nicht vorhanden wäre. Da der Virus bereits überall sei, bringe dies nichts. Allein die physische Distanzierung sei sinnvoll, denn auf diese Weise nehme man dem Virus das Futter. Im Übrigen spiele es keine Rolle, ob man sich drinnen oder draußen befinde. Stehe man eng zusammen, sei das Risiko in beiden Situationen weitgehend gleich groß.

Zum Ende der Sendung „Markus Lanz“ im ZDF präsentierte Christian Berkel seinen aktuellen Roman „Ada“, in dem er von autobiografischen Motiven ausgeht und sich auf eine Art Identitätssuche begibt, die seine sowohl jüdische als auch deutsche Herkunft ergründet. Der Schauspieler zeigte sich besorgt über die Zunahme einer rassistischen und vor allem anti-semitischen Haltung, die in Deutschland seit den letzten zehn Jahren zu beobachten sei. Wie Lanz selbst wünsche er sich eine Gesellschaft, in der Zynismus weniger selbstverständlich nach außen getragen werde und in der man, so hoffen die beiden, nicht mehr vor verhärteten Fronten wie in den USA stehe. (Von Teresa Vena)

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