Markus Lanz bespricht mit seinen Gästen im ZDF die Themen Corona, das Sterben und die SPD.
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Markus Lanz bespricht mit seinen Gästen im ZDF die Themen Corona, das Sterben und die SPD.

TV-Kritik

Markus Lanz (ZDF): „Virus lässt sich nicht mit Empathie bekämpfen“ - Boris Palmer prahlt mit Corona-Strategie

Markus Lanz bespricht mit seinen Gästen im ZDF die Themen Corona, das Sterben und die SPD. Das Beste kommt aber zum Schluss: Ein Exkurs ins Universum. 

  • Als Headliner hat Markus Lanz im ZDF den altgedienten SPD-Politiker Franz Müntefering eingeladen. Das Thema ist eher das Älterwerden als die Parteipolitik.
  • Der zweite Politiker in der Runde ist der Problem-Grüne Boris Palmer, der sich recht souverän durch die Sendezeit hangelt.
  • Zum Schluss entführt der Astrophysiker Heino Falcke das Publikum in die Weite des Universums – ein interessanter Vortrag.

Eine Markus Lanz-Gästeliste wie aus dem Handbuch der Redaktion: Das SPD-Urgestein Franz Müntefering als Headliner, daneben der umstrittene Grünen-Politiker Boris Palmer für die nötige Polarisierung. Von der Seitenlinie aus heizt die Hauptstadtjournalistin Anja Maier Palmer mit Zwischen-Statements ein. Und weil die Politik so belastende Gedanken hervorruft, weitet der Astrophysiker Heino Falcke den Blick im ZDF zum Schluss ins Universum.

So routiniert wie die Zusammenstellung der Gäste bei Markus Lanz fiel auch der Talk im ZDF aus. Große Highlights gab es in den ersten beiden Dritteln nicht, stattdessen eine Art Zusammenfassung bekannter Argumente zur Corona-Pandemie, Binsen über den Tod („ein Teil des Lebens“) und süffisante Spitzen in Richtung SPD

Markus Lanz (ZDF): Palmer vergleicht Lockdown mit einer „Schrotflinte“

Mit dem ehrwürdigen SPD-Mann Franz Müntefering, dessen neues Buch nur kurz eingeblendet wurde, könnte man vieles besprechen. Markus Lanz hob im ZDF aber auf das Älterwerden ab und kam von dort gleich zur Corona-Risikogruppe der Älteren und der Situation in den Pflegeheimen. Boris Palmer, der den neuerlichen Lockdown mit einer „Schrotflinte“ verglich, war im März mit seiner zugespitzten Aussage, man rette mit den Maßnahmen womöglich Menschen, die sowieso bald tot sind, negativ aufgefallen.

Vielleicht hatte die Redaktion von Markus Lanz im ZDF auf einen Showdown zwischen dem 80-jährigen Müntefering und Palmer gesetzt, aber es kam anders. Müntefering fand Palmers Äußerung zwar „inakzeptabel“, entpuppt sich insgesamt aber mehr als „Fan“ (Markus Lanz) des Tübinger Oberbürgermeisters. Dieser sei ein „sehr kluger, sehr unkalkulierbarer Typ, der immer Streit sucht“, einer, der „nicht mitten in der Truppe unterwegs ist, sondern autark“. Das klingt nicht verkehrt. Und so zeigte sich Palmer durchaus geschmeichelt. 

Palmer bei Markus Lanz (ZDF): „Das Virus lässt sich nicht mit Empathie bekämpfen“

Überhaupt gab Boris Palmer ein für seine polternden Verhältnisse ordentliches Bild bei Markus Lanz (ZDF) ab. Er rechtfertigte seinen kontroversen Einwurf vom März, bei dem es ihm um eine Abwägung von Schaden und Nutzen des Lockdowns gegangen sei. Als Palmer das mit Zahlen untermauerte, hagelte es gleich moralische Kritik von Anja Maier, die Palmers Aussage als „Tiefschlag“ empfand.

„Das Virus lässt sich nicht mit Empathie bekämpfen“, konterte Palmer und bezeichnete das Virus unter Berufung auf die Statistiken als „altenfeindlich“. Sodann prahlte Palmer bei Markus Lanz im ZDF mit seiner bürgermeisterlichen Corona-Strategie: Als erste Stadt Deutschlands führte Tübingen regelmäßige Corona-Tests für Pflegepersonal ein, ebenfalls vor allen anderen setzte man Schnelltests für Besucher:innen in Pflegeheimen ein. Und jüngst verschickte die Stadt FFP2-Masken an alle Bürger:innen über 60 Jahren, kostenlos samt Gebrauchsanleitung. Keine schlechte Maßnahme. 

Markus Lanz (ZDF): Keine frischen Argumente im Talk

Frische Argumente wurden im Talk bei Markus Lanz nicht vorgetragen. Stattdessen umriss die ruhig geführte Debatte im ZDF einmal mehr die komplexe Situation beim Abwägen der Corona-Maßnahmen. Ein paar Gemeinplätze durften da nicht fehlen. Müntefering appellierte an die Verantwortung den Mitmenschen gegenüber und konstatierte, man könne nicht alle Widersprüche der Corona-Lage auflösen. Und Maier hoffte darauf, die Pandemie könne ein Anlass sein, mehr über die tabuisierten Themen Tod und Sterben zu sprechen. Naja. 

Müntefering bei Markus Lanz (ZDF) : „Ökonomie rettet die Welt nicht.“ 

Natürlich ließ Markus Lanz es sich nicht nehmen, Müntefering zur SPD zu befragen, wobei dessen klare Unterstützung für den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz deutlich wurde. Bei der Gelegenheit spielte Markus Lanz einen „Klassiker aus unserer Sendung“ ein, jenen Clip, in dem die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken es nicht über die Lippen bringt, Scholz einen „standhaften Sozialdemokraten“ zu nennen.

An Müntefering prallte das ebenso ab wie der zweite eingespielte Ausschnitt, in dem Olaf Scholz den CDUler Friedrich Merz als „Waschlappen“ bezeichnet. Das sei wohl „der feurigste Olaf, den wir je sehen werden“, fand Anja Maier bei Markus Lanz. Müntefering trat in Richtung Merz nach und erklärte, Ökonomie werde die Welt nicht retten, eher Ökologie und Demokratie. Merz sei als Wirtschaftsminister im Kabinett Scholz geeignet, nicht als Kanzler. Die Frage nach einer möglichen Koalition der SPD mit der Linkspartei ermunterte Müntefering am Ende seiner Redezeit zu einem klaren Statement im ZDF: Die Linkspartei sei als „demokratische Partei“ im Parteiengefüge angekommen. Kanzlerin Merkel solle das öffentlich sagen, um die zementierte Aversion vieler CDU-Leute gegen die Linke aufzuweichen. 

Markus Lanz
Produktionsunternehmen: Fernsehmacher (2008–2010); Mhoch2 TV (seit 2011)
Titelmusik: Wir sind Helden – Nur ein Wort
Ausstrahlungsturnus: dienstags bis donnerstags
Sender: ZDF
Jahre:seit 2008
Nominierungen: Deutscher Fernsehpreis für das Beste Infotainment / Talksendung

Markus Lanz (ZDF): „Wie kommen wir jetzt von der schwarzen Null zum schwarzen Loch?

„Wie kommen wir jetzt von der schwarzen Null zum schwarzen Loch?“ fragte Markus Lanz im ZDF beim Übergang vom Polit-Teil zur Astrophysik. Egal wie, es war so oder so schön, da anzukommen. Als Astrophysiker und Laienprediger in Personalunion versöhnte der Professor Heino Falcke mit einem Blick in die Weite des Universums. Falcke ist einer der Wissenschaftler hinter der ersten radioteleskopischen Aufnahme eines schwarzen Lochs, die 2019 veröffentlicht wurde.

25 Jahre vergingen von der Idee zum Foto. Unterstützt von zahlreichen eingespielten Weltraum-Animationen erklärte Falcke, was bisher über schwarze Löcher bekannt ist und wie die komplizierte Aufnahme durch die Zusammenschaltung etlicher Teleskope auf der ganzen Welt möglich war. Ein interessanter Vortrag bei Markus Lanz im ZDF, bei dem auch Müntefering und co gebannt lauschten.

Am Ende vom Talk bei Markus Lanz (ZDF) dann die große Frage, was vor dem Urknall war. Bei der Suche nach dem Anfang von allem gehe es nicht nur um Zahlen, sondern um Glaube und Hoffnung, so Falcke. „Faszinierend,“ befand Lanz. Ob dem Moderator bewusst war, dass er damit Mr. Spock aus Star Trek zitierte? (Christian Horn)

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