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Markus Lanz über WM: „Und wenn die Deutschen im Finale stehen?“

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Von: Tina Waldeck

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Markus Lanz und seine Gäste im ZDF am 19. Oktober.
Markus Lanz und seine Gäste im ZDF am 19. Oktober. © Screenshot ZDF

Markus Lanz spricht im ZDF mit seinen Gästen über das „moralische Dilemma“ der Fußball-WM in Katar.

Ein seltsames Gefühl herrscht schon seit Monaten vor Beginn dieser Fußball-WM in Katar, und das nicht nur wegen der ungewohnten Spielzeit. Marcel Reif „freut sich auf den Fußball“, auch wenn er die gesellschaftlichen Diskussionen nicht ignorieren kann und es somit eine „getrübte Freude“ sein wird. Auch bei Andreas Rettig wird die „Fußballleidenschaft größer sein als die Vernunft“, denn er will zumindest die deutschen Spiele schauen. Doch bei dem Eröffnungsspiel (Katar gegen Ecuador) wird er bei der Gegenveranstaltung in Kölner Kneipen unterwegs sein. Und es gibt bundesweit viele Kneipenwirte, die sagen: „Bei mir gibt es kein Fußball zur WM“.

„Und wenn die Deutschen im Finale stehen?“, fragt Markus Lanz (ZDF). Bei dem letzten Weltmeistertitel war Andreas Rettig in Rio, aber aktuell kann er auch da „nicht über den Schatten“ springen: Selbst für ein deutsches Endspiel wird er nicht nach Katar reisen. „So weit geht die Fußballliebe dann doch nicht.“

Markus Lanz im ZDF: Die Gäste am 19. Oktober

Marcel ReifFußballkommentator
Sebastian SonsIslamwissenschaftler
Andreas RettigFußballfunktionär
Lena CasselSportjournalistin

Markus Lanz: Ein durch und durch „verkommenes System“

Katar hatte 2010 die „belegbar schlechteste Bewerbung“: Klimatische Probleme, Korruption und das „Land ist so groß wie Schleswig-Holstein“, zählt Andreas Rettig empört auf. Also ist die FIFA „der Hauptschuldige“ an dem Desaster, denn die Institution hat es auch versäumt, „Fragen der Menschenrechte in den Bewerbungsprozess mit aufzunehmen.“ 22 Männer haben das aufgrund von Schmiergeldern entschieden, „und wie viele davon haben ein Verfahren an der Hacke?“, unterbricht ihn Markus Lanz (ZDF). „Viele“, gestikuliert Andreas Rettig wild: „Deswegen kann man sie auch schlecht befragen“, weil „sie im Knast sitzen.“ Man hat schon damals gedacht „es geht nicht mehr schlimmer“ mit Herrn Blatter, „aber Herr Infantino übertrifft ja noch alles“: Dieser ist direkt nach Doha (die Hauptstadt von Katar) umgezogen, weil „da die Geschäfte besser zu leiten sind.“

Und Katar? Das Land hat direkt nach der Fußball-WM-Vergabe das Kafala System eingeführt, mit dessen Prinzip leichter „Migranten rekrutiert“ werden konnten, erklärt Sebastian Sons. „Man kann Menschen transferieren für eine gewisse Vermittlungsgebühr“, damit lässt sich gut Geld verdienen und oft sind „die Vermittler Kriminelle.“ Die Kritik im Vorfeld dieser Fußball-WM findet Sebastian Sons deshalb auch so wichtig: „Dass man sagt, wir gucken genauer hin“ auf die „Ausbeutung von Arbeitsmigranten“, denn das ist „ein globales Phänomen einer kapitalistischen Gesellschaft“: Da haben auch die Menschen im „System Sport“ eine „Verantwortung, darauf aufmerksam zu machen“ und nicht noch weiter Öl in das Feuer zu gießen.

Markus Lanz im ZDF: „Jeder Tote ist einer zu viel“

Andreas Rettig hat die „romantische Vorstellung“, dass das „nicht anschauen“ der Fußball-WM 2022 reicht – wenn„viele die Klotze schwarz lassen“ –, damit die Sponsoren hinterfragen, ob es sinnvoll ist, ihr Geld weiter in solche Veranstaltungen zu investieren, die eigentlich „gesellschaftlich abgelehnt“ werden. Jeder kann „im Kleinen dazu beitragen“ und „mangelnde Einschaltquoten sind ganz besonders hilfreich.“ Zwar ist ihm (noch) kein sportliches Ereignis bekannt, das „gesellschaftliche Missstände abgestellt hat“: Aber die Toten dort „sind nur deshalb ins Bewusstsein gerückt“, weil „viele laut waren und die Öffentlichkeit hingeschaut hat.“

Für Lena Cassel karikiert diese Fußball-WM alles, wofür der Sport in ihren Augen stehen sollte. Da ist es nur eine weitere Krönung, dass die Zahlen der Toten auch noch von dem WM-Organisationskomitee aus Katar veröffentlicht werden, regt sie sich bei Markus Lanz (ZDF) auf.

„Das ist in etwa so, als wenn die Kirche ihre eigenen Missbrauchsskandale untersuchen würde“ – „moralische Standards sind nicht dehnbar, nur weil der Preis stimmt.“ (Tina Waldeck)

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