1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Markus Lanz (ZDF): Debatte um das Ende der grünen „Pipi-Langstrumpf-Politik“

Erstellt:

Von: Tina Waldeck

Kommentare

Markus Lanz diskutiert im ZDF über grüne Energiepolitik.
Markus Lanz diskutiert im ZDF über grüne Energiepolitik. © Screenshot_Lanz_ZDF

Wie utopisch ist die grüne Energiewende in Deutschland? Markus Lanz debattiert im ZDF.

Hamburg - Bei Markus Lanz (ZDF) prallt die grüne „Wünsch-Dir-was“-Welt auf die Realität, in der ein „Utopie-Überschuss“ laut Sönke Neitzel (Professor für Militärgeschichte) vorbei ist. Zusammen mit Jürgen Trittin (außenpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag), Kathrin Witsch (Journalistin „Handelsblatt“) und Michael Bröcker (Chefredakteur „The Pioneer“) wird über ambitionierte (Energie-)Ziele in Deutschland und das Ende einer „Pippi-Langstrumpf-Politik“ diskutiert.

Es kann alles „jämmerlich scheitern“. So beschreibt es Sönke Neitzel bei Markus Lanz (ZDF) und „nur die Diversifizierung der Autokraten schreitet voran“, kommentiert Jürgen Trittin trocken. Den Deal mit dem neuen deutschen Gaslieferanten hat nicht Robert Habeck oder die deutsche Bundesregierung eingefädelt, sondern Quatar Energy und ConocoPhillips (US-Firma) haben den dicken Fisch an Land gezogen, stimmt Kathrin Witsch den beiden zu. Drei Prozent Gas-Lieferung mit einer Laufzeit von 15 Jahren sollen nun ab 2026 von Katar kommen. Ist das super?

Markus Lanz (ZDF): „Der Staat ist in einer Krise“

Nein, es ist „ein ganz kleiner Deal“, wiegelt auch Michael Bröcker ab. Viel Tamtam für nichts. Zum Vergleich: Niedersachsen liefert gut 10 Prozent des deutschen Gasverbrauches. „Der Staat ist in einer Krise“, da kann die Politik viel diskutieren, aber „am Ende des Tages“ muss die Industrie aufrecht gehalten werden, führt Sönke Neitzel auf. Aktuell läuft in seinen Augen nur eine „Notstand-Politik.“ Die Ziele des Wirtschaftsministers sind einfach „zu ambitioniert“, versucht Michael Bröcker eine Erklärung: „Wir wollen alle in diese grüne Welt“ hinein, aber „auf dem Weg dahin verlieren wir sowohl die Bevölkerung als auch die Technologien“.

Ohne Ziele „in eine depressive Gesellschaft“, die die Energiewende nicht hinbekommt? Ein „sehr deutsches“ Szenario, schmunzelt Jürgen Trittin. Die Frage nach der Energie ist eben „nicht von heute auf morgen zu lösen“, erläutert der Grünen-Politiker bei Markus Lanz Dazu sind zu viele Wege mit zu vielen Möglichkeiten noch offen. Und „Ideologie kostet Geld“.

Gäste bei Markus Lanz
Sönke NeitzelProfessor für Militärgeschichte
Jürgen Trittinaußenpolitischer Sprecher der Grünen
Kathrin WitschJournalistin Handelsblatt
Michael BröckerChefredakteur The Pioneer

Michael Bröcker ist sich bei Markus Lanz (ZDF) sicher, dass Robert Habeck Anfang 2023 auch zu CCS (Carbon Capture and Storage) eine Strategie vorstellen wird. Diese Methode der Speicherung von Kohlendioxid ist ebenfalls umstritten, da es zu schädlichen Wirkungen auf das Grundwasser kommen kann. Aber Jürgen Trittin erklärt: „Wir werden das 1,5 Grad Ziel nicht erreichen“, ohne Techniken wie CCS, bei der CO₂ aktiv aus der Atmosphäre hinausgenommen wird. Er würde generell gerne „ein bisschen Gehirnschmalz“ mehr einsetzen, für die Entwicklung von noch weiteren Technologien und Alternativen.

Weniger deutsche Bürokratie würde hier bei einer schnelleren Weiterentwicklung nicht schaden, kommentiert Kathrin Witsch kritisch. Bei Solarenergie und Windkraft gab es da viele Hindernisse. Doch die Umschwünge sind gerade „gigantisch“. Eine Krise kann immer auch eine Chance sein, findet Sönke Neitzel bei Markus Lanz (ZDF): Jetzt sind „Dinge möglich, die vorher gar nicht denkbar waren.“ Da müssten sich jetzt eigentlich alle an einen Tisch setzen, um einer gezielten „Schwächung des Westens“ entgegenzuwirken. Und um eine realistische Politik zu betreiben: Bräuchte es dazu nicht auch einen „Bruch mit China“?

Markus Lanz (ZDF): Viel Wind für wenig Energie

Eine Abnabelung der deutschen Wirtschaft und „eine knallhart interessengeleitete Politik“? Sönke Neitzel würde gerne die europäischen Regierungschefs bei „Rotwein und Käse einschließen“, damit diese die strategischen Probleme diskutieren, denn es fehlt auch hier „völlig an einer Gesamtstrategie“. Der Militärexperte führt Franklin D. Roosevelt als politisches Vorbild auf, der es schaffte, eine Gesellschaft „von oben nach unten zu drehen.“ Für Deutschland sieht er da eher ein „Hornberger Schießen“: Es werden viele Ereignisse mit großem Getöse angekündigt, aber am Ende kommt nicht viel dabei heraus. Viel Wind für wenig Energie. (Tina Waldeck)

Auch interessant

Kommentare