1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Markus Lanz im ZDF: Bringen westliche Waffen die Wende im Ukraine-Krieg?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Meyns

Kommentare

Die Gäste bei Markus Lanz am 15. September:
Die Gäste bei Markus Lanz am 15. September: „Machen wir uns als Deutsche schuldig, wenn wir keine Waffen liefern?“ © Screenshot ZDF

Gibt es wirklich einen Wendepunkt im Ukraine-Krieg? So richtig einig sind sich die Gäste bei Markus Lanz da nicht.

Hamburg – Manche sehen schon die Niederlage Russlands kommen, hoffen auf einen Aufstand gegen Putin, andere Stimmen mahnen zur Vorsicht. Doch bevor es um wirklich Wichtiges ging, wurde nach London geschaltet, wo die Trauerfeiern für die vor einer Woche verstorbene Queen andauern und ihrem Höhepunkt, der Beerdigung am Montag, entgegenstreben.

Diana Zimmermann, langjährige Leiterin des ZDF-Studios London versuchte bei Markus Lanz im ZDF die Stimmung im Vereinigten Königreich einzufangen: Warum die Trauer der Bevölkerung so groß ist, sei leicht zu beantworten: „Die Queen das ganze Leben begleitet“, kaum jemand erinnert sich an ihren Vater, ihr Profil ziert Münzen und Briefmarken, selbst bei den unter 24-Jährigen sind es nur 40 Prozent, die die Monarchie ablehnen. Dennoch werden unter dem nun regierenden King Charles „Sinn und Unsinn der Monarchie neu betrachtet werden“ so Diana Zimmermann bei Markus Lanz im ZDF.

Ukraine-Krieg bei Markus Lanz: Ukraine zeigt, wie schwach die russische Armee ist

Während in England die Räder still stehen, um einer Monarchin zu huldigen, die auch für das Empire, Imperialismus, Sklaverei und Ausbeutung steht, scheint im inzwischen über einem halben Jahr tobenden Ukraine-Krieg eine Wende erreicht zu sein. Doch kann eine Lösung auf dem Kriegsschauplatz erzielt werden oder braucht es am Ende doch die Diplomatie?

Liana Fix, Russland- und Osteuropa-Expertin, zeigte sich bei Markus Lanz im ZDF beeindruckt vom Vormarsch der ukrainischen Truppen, die einen Angriff im Süden des Landes vortäuschten, statt dessen aber im Nordosten angriffen. Und dabei riesige Geländegewinne erzielten, militärisches Gerät eroberten und zeigten, wie schwach die russische Armee tatsächlich ist. „Westliche Waffen spielen dabei eine riesige Rolle“, so Fix, die betonte, wie wichtig auch zukünftig ausgiebige Waffenlieferung sein werden, damit der Vormarsch der Ukraine nicht nur ein kleines Scharmützel bleibt.

Markus Lanz am 15.09.2022 im ZDFDie Gäste der Sendung
Alexander Graf LambsdorffFDP-Außenpolitiker
Ralf StegnerSPD-Politiker
Liana FixPolitologin
Diana ZimmermannJournalistin

Doch wie weit ist Deutschland bereit, schwere Waffen zu liefern? „Machen wir uns als Deutsche schuldig, wenn wir keine Waffen liefern?“, fragte FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff bei Markus Lanz im ZDF. „Die Unterstützung für die Ukraine muss verstärkt werden“, sagte Lambsdorff, während SPD-Politiker Ralf Stegner, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, die Position seines Parteikollegen Olaf Scholz verteidigte. „Am Ende muss eine diplomatische Lösung stehen“, sagte er und verwehrte sich gegen Markus Lanz’ Anschuldigungen, dass die SPD-Fraktion im Bundestag zu vorsichtig agiert. „Jeder Tag bringt Tod und Verderben“, meinte Stegner, doch wie ihm Liana Fix entgegenhielt, ist dennoch eine breite Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung dafür, den Krieg mit all seinen Folgen weiterzuführen.

Was kann Diplomatie ohne Waffen erreichen?

„Die öffentliche Diskussion in Deutschland geht nur über Waffen“ kritisierte Stegner ein ums andere Mal, doch was kann Diplomatie ohne Waffen erreichen? Liana Fix wies bei Markus Lanz im ZDF darauf hin, dass es vonseiten des Kremls keinerlei Hinweise darauf gibt, dass die russische Regierung willens ist, in ernsthafte Verhandlungen über einen Friedensschluss einzutreten.

Zur Sendung

Markus Lanz vom 15. September 2022. Die ganze Sendung in der ZDF-Mediathek.

Kann man Putin aber mit Waffen an den Verhandlungstisch drängen, schien Ralf Stegner zu fragen und betonte ein ums andere Mal, dass ein Krieg nicht mit Waffen zu beenden sei. „Der Mythos eines unbesiegbaren Russlands“ sei dies, meinte Liana Fix, der durch glückliche Fügungen entstanden sei. Die russischen Siege in Georgien oder der Krim hätten zu dieser Fehleinschätzung geführt, die nun dazu führen, dass die im Westen zum Teil vorherrschende Sorge vor der militärischen Stärke Russlands viel zu groß sei.

„Die russische Nuklearmacht ist eine theoretische Geschichte“ meinte Markus Lanz, was sich im warmen Studio natürlich leicht behaupten lässt. Will man es tatsächlich darauf ankommen lassen? Daran hängt wohl die Frage, wie intensiv der Westen die Ukraine in den nächsten Tagen und Wochen mit Munition und Gerät unterstützt, um den schon viel zu lange andauernden Krieg möglichst bald zu beenden – ob mit oder ohne Diplomatie. (Michael Meyns)

Auch interessant

Kommentare