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Markus Lanz im ZDF: Wie schnell schwindet die Unterstützung für die Ukraine?

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Von: Michael Meyns

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Markus Lanz: Der Talk vom 28. Juni.
Markus Lanz: Der Talk vom 28. Juni. © Screenshot ZDF

Beim ZDF-Talk mit Markus Lanz wurde die sicherheits-, energie- und außenpolitische Haltung Deutschlands während des Ukraine-Krieges sowie der G7-Gipfel in Elmau thematisiert.

Berlin – Wer hätte das gedacht: Die Kohle macht ein Comeback, immer lauter werden sogar die Stimmen, die eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken fordern. Wie das mit den dringend notwendigen Klimazielen zusammenpasst, versuchten Markus Lanz und seine Gäste zu eruieren.

Man merkte Robert Habeck an, wie schwer es ihm als Mitglied der Grünen fiel, seiner Funktion als Wirtschaftsminister gerecht zu werden und anzukündigen, dass als Reaktion auf die Situation in der Ukraine auf absehbare Zeit mehr fossile Brennstoffe verbraucht werden müssen, als geplant. Auch beim gerade zu Ende gegangenen G7-Gipfel in Bayern wurde über das Klima geredet, vermutlich aber erst an dritter, vielleicht auch vierter Stelle.

Markus Lanz im ZDF: Klimaschutz gerät ins Hintertreffen

Viel zu wenig für die Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die beklagte, dass der Klimaschutz immer mehr ins Hintertreffen gerät, dass es keinen Masterplan fürs Klima gibt, kein grundsätzliches Umdenken einsetzt. Dass ihre Organisation „Fridays for Future“ ganz andere Schwerpunkte setzen würde ist klar, dass die G7 angesichts des Ukraine-Konflikts andere Schwerpunkte setzen ebenso. Und doch scheint sich subtil manches zu ändern, wie Yasmine M‘Barek, Politikexpertin bei Die Zeit, bei Markus Lanz im ZDF ausführte.

Es scheint, als würde sich gerade die Bundesregierung langsam auf eine veränderte Stimmung in der Bevölkerung einstellen: Wenn die Preise für Energie spätestens im Herbst steigen, könnte auch die Unterstützung für die Ukraine schnell nachlassen.

Markus Lanz im ZDFDie Gäste der Sendung vom 28. Juni
Ralf StegnerSPD-Politiker
Yasmine M'BarekJournalistin
Luisa NeubauerKlimaaktivistin
Karen PittelÖkonomin

Man muss auf Diplomatie setzen, betonte auch Ralf Stegner von der SPD, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses. „Wie lange Waffen an die Ukraine geliefert werden, entscheiden die westlichen Länder“, sagte Stegner bei Markus Lanz im ZDF: „Auf Dauer halten es westliche Länder nicht aus, einen Krieg zu unterstützen.“ Russland darf den Krieg nicht gewinnen, die Ukraine kann ihn vermutlich nicht gewinnen, am Ende muss es eine Lösung am Verhandlungstisch geben. Ein weiterer Aspekt: Das Geld, dass die westlichen Länder in Waffenlieferungen stecken, fehlt bei anderen Bereichen wie den Problemen, die aus der Flüchtlingskrise erwachsen oder eben dem Klimaschutz.

ZDF-Talkshow Markus Lanz: Eine Welt als Gegenentwurf zu Amazon Prime?

Wie kann man jedoch unterschiedliche Ziele, die sich zu widersprechen scheinen, unter einen Hut bringen? Wladimir Putin nicht mehr zu finanzieren, würde bedeuten, ein Boykott von russischem Gas einzugehen. Aber wo bekommt man dann die Energie her, die die deutsche Wirtschaft braucht? Verschiedene Studien nennen unterschiedliche Prozentpunkte, um die die Wirtschaft sinken würde, von vermutlich sehr optimistischen 3,4 Prozent, über 8 Prozent bis hin zu 12 oder 13 Prozent. Katastrophale Folgen könnte das haben, Karen Pittel, Energieökonomin vom ifo Institut, war bei Markus Lanz im ZDF dennoch der Meinung, dass ein Gas-Boykott Russlands möglich und sinnvoll wäre. Verzicht wäre dennoch notwendig, da waren sich alle Teilnehmer der Gesprächsrunde einig. Doch wie viel Verzicht kann man einer Bevölkerung zumuten, die schon beim bloßen Gedanken eines Tempolimits auf Autobahnen zu weiten Teilen Schnappatmung bekommt?

Zur Sendung

Markus Lanz vom 28. Juni 2022. Thema der Sendung: Zur sicherheits-, energie- und außenpolitischen Haltung Deutschlands während des Ukraine-Krieges sowie über den G7-Gipfel in Elmau. Die Sendung in der ZDF-Mediathek.

Wäre das sinnvolle Ziel „eine Welt als Gegenentwurf zu Amazon Prime“, wie Lanz es formulierte? Sich klarmachen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen alles immer und überall zur Verfügung steht? Das sei die Basis des Koalitionsvertrages gewesen, wand Ralf Stegner bei Markus Lanz im ZDF ein, doch dann ist der Ukraine-Krieg dazwischengekommen und hat alle möglichen Pläne obsolet gemacht.

Markus Lanz im ZDF: Politischer Wille als Antwort auf alle Fragen

Das wollte Luisa Neubauer nicht gelten lassen und steigerte sich in die Fantasie einer Welt, in der bis zum Jahresende komplett auf Gas verzichtet wird, tausende Windräder gebaut sind und viele andere Punkte. Wie das abseits von Planspielen in der Realität funktionieren soll, darauf hatte die Aktivistin eine klare Antwort: „Politischer Wille.“ Wenn es doch so einfach wäre. Vielleicht also doch die Atomkraftwerke weiterlaufen lassen, zumindest einige Monate oder Jahre? Vehement stellte sich nicht Luisa Neubauer, sondern Ralf Stegner gegen diesen Gedanken. Hunderttausend Jahre hätte man mit den Folgen der Atomenergie zu kämpfen, worauf Markus Lanz mit der hübschen Pointe konterte: „Na, dann machen zwei Jahre doch auch keinen Unterschied!“ Wie das allerdings mit dem Stichwort Generationengerechtigkeit in Einklang zu bringen ist, von der Frage nach Nachhaltigkeit ganz zu schweigen, darauf wusste in der Runde keiner einer Antwort. (Michael Meyns)

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