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Markus Lanz (ZDF): Eine halbe Generation glaubt, dass „die Menschheit verloren sei“

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Von: Teresa Vena

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Beim TV-Talk mit Markus Lanz im ZDF geht es um die psychologischen Folgen des Ukraine-Konflikts.
Beim TV-Talk mit Markus Lanz im ZDF geht es um die psychologischen Folgen des Ukraine-Konflikts. © Screenshot ZDF

Neurowissenschaftlerin Maren Urner spricht bei „Markus Lanz“ über die junge Generation der „Dauerkrise“. Diana Kinnert (CDU) fürchtet eine Ikonisierung Selenskyis.

Berlin – Es war schwer auszumachen, worauf Markus Lanz in seiner Sendung vom 12. Mai im ZDF eigentlich genau hinauswollte. Die geladene Runde hangelte sich von Stichwort zu Stichwort, wenn auch immer im Kontext des Kriegs in der Ukraine. Einmal ging es mehr in Richtung politische Verantwortung und konkrete Strategie, einmal diskutierten die Anwesenden über die psychologischen Folgen der aktuellen Situation.

Zu letzterem Punkt tat sich im Gespräch vor allem die Neurowissenschaftlerin Maren Urner hervor. Auf durchaus kompetente Weise vertrat sie an diesem Abend ihre Position, obwohl in ihrer Argumentation zum Teil auch einige Gemeinplätze und arge Wiederholungen sichtbar wurden.

Sie machte aber auf jeden Fall großen Eindruck auf Markus Lanz, als sie ausführte, dass zu beobachten sei, dass über 50% der Jungen glaubten, dass „die Menschheit verloren sei“. „Die Generation der 14- bis 29-Jährigen hat massive Ängste“, sagte sie weiter, sie sei keineswegs die „Generation Krisenlosigkeit“, sondern ganz im Gegenteil vielmehr die Generation „Dauerkrise“.

Neurowissenschaftlerin Maren Urner spricht bei Markus Lanz im ZDF über die Ängste der jungen Generation.
Neurowissenschaftlerin Maren Urner spricht bei Markus Lanz im ZDF über die Ängste der jungen Generation. © Oliver Berg

Angst um die junge Generation bei „Markus Lanz“: Medien und Politik stehen in der Verantwortung

Es sei doch erschreckend, wenn man erfahre, dass die junge Generation lieber in der Vergangenheit leben würde als in der Zukunft, meinte Urner. Die Menschen seien von einer Hilflosigkeit befallen. „Das ist eine Bankrotterklärung“, stieß Markus Lanz im ZDF hervor, „ein moralischer Bankrott, wenn wir Ältere es nicht schaffen, den Jüngeren ein optimistischeres Weltbild zu geben“. Urner nimmt die Medien und die Politik hier gezielt in die Verantwortung. Die Art und Weise der Informationsvermittlung spiele eine wesentliche Rolle für diesen Zustand.

Die mediale Berichterstattung, beispielsweise, befördere die Schaffung eines Gefühls der Angst. Angst sei die stärkste Emotion, die unser Überleben lenke. „Angst blockiert aber überlegte, kluge Entscheidungen“, erklärte Urner. Deswegen sei es notwendig, dass man gezielt entgegensteuere. Es brauche eine Differenzierung im Diskurs. „In Krisensituationen sehnt sich unser Körper nach Eindeutigkeit, weil wir sehr kurzfristig Entscheidungen treffen müssen“, doch die führten in eine emotionale Sackgasse, die wiederum Druck auf politische Aktionen ausüben könne.

„Markus Lanz“ (ZDF) – Sendung vom 12. Mai 2022Die Gäste der Sendung
Jürgen TrittinPolitiker (Grüne)
Julian Nida-RümelinPhilosoph
Diana KinnertPolitikerin (CDU)
Maren UrnerNeurowissenschaftlerin

Einen Ausweg aus dieser Eindimensionalität wünschte sich auch die CDU-Politikerin und Autorin Diana Kinnert, die als zweite Frau Gast bei Markus Lanz im ZDF zu Gast war. Ihr bereite es Sorgen, das Pathos und den Überschwang zu beobachten, die, nicht nur von jungen Menschen, als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine zur Schau getragen würden. „Auf dem kulturellen Parkett sind wir längst beteiligt, man zeigt sich sehr ergriffen und eingenommen“, sagte Kinnert, „das ist gefährlich, weil man darf das Eigene nicht aufgeben.“

CDU-Politikerin Diana Kinnert sprach bei „Markus Lanz“ im ZDF über die Folgen des Ukraine-Krieges.
CDU-Politikerin Diana Kinnert sprach bei „Markus Lanz“ im ZDF über die Folgen des Ukraine-Krieges. © Teutopress GmbH/Imago

CDU-Politikerin Diana Kinnert zum Ukraine-Konflikt: Opferbereitschaft werde „zelebriert“

Damit meinte sie, dass eine Parteilichkeit und gefühlte Solidarität mit der Ukraine bestehe, die sich auch darin ausdrücke, dass Menschen beispielsweise Selenskyis Sprache und Sprachformeln übernähmen. „Man zelebriert Konzepte wie Mannesmut und Opferbereitschaft, man hat nicht die weiße Flagge gehievt, sondern die ukrainische“. Erst kürzlich sorgte ein Jurist bei „Markus Lanz“ mit seiner Meinung zur Ukraine für Entsetzen.

Dies sei das Resultat einer allgemeinen Tendenz zur Verkürzung von Argumenten. „Was mir auffällt in den Sozialen Medien, ist die Sehnsucht nach einer Eindeutigkeit“, meinte Kinnert im ZDF weiter. „Wir setzen Zögern und Zaudern mit Nichtstun gleich“, das sei aber ein Akt, der eine Haltung ausdrücke. Es brauche die Differenzierung, es brauche eine Politik, „die auf ein triumphalistische Gebaren verzichtet, um mit Ehrlichkeit auftritt.“

Zur Sendung

„Markus Lanz“ vom 12. Mai 2022 im ZDF. Die ganze Sendung in der ZDF-Mediathek.

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin, der ebenfalls bei Markus Lanz im ZDF zu Gast war, zeigte sich zwar mit dieser Forderung theoretisch einverstanden, seine Worte wiesen aber eher in eine andere Richtung. Für ihn spiegle sich im aktuellen Handeln der Regierung bereits diese Differenziertheit wider. Ähnlich wie der letzte geladene Diskussionsgast, der Philosoph Julian Nida-Rümelin, blieb sein Beitrag in der Sendung unkonkret und ausweichend.

Man versteht die „Jugend“, die am Gedanken an die Zukunft verzweifelt, wenn man den Ausführungen von Nida-Rümelin folgt, der verzweifelt irgendwelche Parallelen zwischen der DDR damals und Russland heute zieht oder Mahatma Ghandis-Pazifismus vergleichend heranzieht. (Teresa Vena)

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