Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bei Markus Lanz im ZDF wurde über die K-Frage der Union diskutiert.
+
Bei Markus Lanz im ZDF wurde über die K-Frage der Union diskutiert.

TV-Kritik

Journalist scherzt bei Markus Lanz im ZDF: Söder oder Laschet - „Opportunist“ oder „Lusche“?

  • Marc Hairapetian
    VonMarc Hairapetian
    schließen

Auch bei Markus Lanz im ZDF wird der Streit bei der Union zum Thema. Ministerpräsident Weil wird kurzerhand ausgeladen, die Union muss einstecken.

Hamburg-Altona – Manchmal ist ein altgedientes Fernsehformat wie Markus Lanz im ZDF tatsächlich noch für die eine oder andere Überraschung gut. Zum ersten Mal seit mehr als über einem Jahr, wenn man von dem Interview des deutsch-italienischen Moderators mit Ex-US-Präsident Barack Obama einmal absieht, stand Corona nicht im Mittelpunkt der Talkshow.

Dabei war das Dauerthema eigentlich vorgesehen, zu dem sich im Studio auf dem Phoenixhof in Hamburg-Altona auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vor allem in Bezug auf die umstrittene Neugestaltung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG), den Streit zwischen Bund und Ländern darüber und seinem eigenen Kurs äußern sollte. Der SPD-Politiker wurde kurzerhand wieder ausgeladen.

Markus Lanz (ZDF): Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wird ausgeladen

Während Markus Lanz dies zu Beginn der Sendung einfach unterschlug, twitterte Weil zuvor: „Nicht wundern: Anders als angekündigt, werde ich nun heute Abend doch nicht in der Talkshow bei Markus Lanz zu Gast sein. Der Themenschwerpunkt der Sendung wurde aus aktuellen Gründen geändert - sie beschäftigt sich nun mit der Frage nach dem Unionskanzlerkandidaten.“

Zu Gast bei Markus Lanz (ZDF)
Prof. Ursula MünchDirektorin der Akademie für politische Bildung
Eva Quadbeckstellv. Chefredakteurin des RedaktionsNetzwerk Deutschland
Robin Alexanderstellv. Chefredakteur von Welt
Heiner Bremern-tv-Politikexperte
Markus BlumeCSU-Generalsekretär (zugeschaltet)
Roderich KiesewetterBundestagsabgeordneter (CDU) (zugeschaltet)

Das ist für das ZDF schon etwas peinlich, wenn ein Gast bei Markus Lanz die Erklärung dafür selbst liefern muss, warum man auf ihn verzichtet. Noch schlimmer: Auf der Webseite der ZDF-Mediathek wird Weil nach Erstausstrahlung der Sendung unterhalb des eingebetteten Videos immer noch als Gesprächsteilnehmer aufgeführt.

Markus Lanz: Hitzige Diskussion der Gäste im ZDF

Unabhängig von diesem Fauxpas, kommen wir zur zweiten Überraschung im ZDF am späten Dienstagabend: Ebenfalls seit einer gefühlten Ewigkeit wurde unter den Studiogästen von Markus Lanz in Gestalt der Politologin Prof. Ursula Münch (Direktorin in der Akademie für politische Bildung) und den Journalisten Eva Quadbeck (stellvertretende Chefredakteurin des „RedaktionsNetzwerk Deutschland“), Robin Alexander (stellvertretender Chefredakteur „Die Welt“) sowie Heiner Bremer (n-tv-Politikexperte) mit den zugeschalteten Politkern Markus Blume (CSU-Generalsekretär) und Roderich Kiesewetter (Bundestagsabgeordneter der CDU) über das fraktionsinterne Ministerpräsidentenduell Duell zwischen Armin Laschet (CDU, Nordrhein-Westphalen) und Markus Söder (CSU, Bayern) richtig hitzig diskutiert! Dazu präsentierte sich Markus Lanz gut vorbereitet und angriffslustig, so dass auch der Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz kam.

Gleich zu Beginn fragt Markus Lanz Markus Blume ohne Umschweife*: „Wie gefällt Ihnen das Chaos, dass Sie und Markus Söder angerichtet haben?“ Dieser wirkt erst etwas irritiert, gibt sich aber cool: „Ich bin zufrieden… Es gab überhaupt kein Chaos.“ Es sei eine ehrliche Aussprache „zweier herausragender Kandidaten“ in der Fraktionssitzung gewesen, von einem unterstellten „brutalen Machtkampf“ könne keine Rede sein.

Markus Lanz (ZDF): Laschets Persönlichkeitswerte seien „verheerend“

Dies sehen viele, nicht nur Markus Lanz und die anwesenden Journalisten, aber anders, sagte der an Geschlossenheit und Einigkeit appellierende Laschet doch beim Besuch der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion tagsüber Richtung Söder: „Wir brauchen keine One-Man-Show“, worauf dieser entgegnete, die Union benötige für einen Wahlsieg in dieser Phase die „maximal beste Aufstellung, um erfolgreich zu sein - nicht nur die angenehmste“. Da werden Erinnerungen an den Wahlkampf 1979 wach, wo sich CDU-Chef Franz Josef Strauß gegen seinen CDU-Konkurrenten Ernst Albrecht als Kanzlerkandidat der Union durchsetzte, mit seinem polarisierenden Stil aber keine Chance hatte, die Sozialliberale Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zu entmachten.

Ob Blume das „gemeinsam an einem Strang ziehen“ von Laschet und Söder nicht einfach schönrede, hakt Markus Lanz im ZDF nach. Bei den Grünen und ihrem zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck zu ermittelnden Kanzlerkandidaten würde niemand von „Brutalitäten“ sprechen, weicht der Abgeordnete im Bayerischen Landtag aus, dem die von Markus Lanz beim Namen genannte ausgelöste „große Heiterkeit“ im Studio sichtlich unangenehm ist.

Markus Lanz (ZDF): Söder soll „nicht abgewertet“ werden

Eva Quadbeck legt noch nach und meint Söder habe sich „verzockt“: „Die Union ist auf der gleichen Rutschbahn Richtung Abgrund wie die SPD!“ So würde man Wähler verprellen. Sie zitiert einen CDU-Politiker, der anonym bleiben möchte. Für ihn sei Söders markiges Auftreten ruchlos: „So hat es einst bei Trump auch angefangen.“ Laschets Persönlichkeitswerte bei Umfragen seien allerdings wiederum „verheerend“. Für Prof. Ursula Münch könnte es in ihrer Analyse Söder zum Verhängnis werden, wenn er einen „zu laschen Wahlkampf führt“. Markus Lanz witzelt: „Vorsicht! Wortspiele liegen in der Luft…“

Der ehemalige Generalstabsoffizier Roderich Kiesewetter hat sich als CDU-Politiker aus dem Bundestagswahlkreis Aalen-Heidenheim bei der Frage nach der Kanzlerkandidatur für Armin Laschet positioniert, will aber Söder „nicht abwerten“. Laschet sehe er in der Tradition vom ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD), der für „versöhnen statt spalten“ gestanden habe. Von 38 CDU-Bundestags-Fraktionskollegen aus Baden-Württemberg sei er nur einer von Vieren, die auf Laschet setzen, weiß Markus Lanz: „Sie versuchen hier, schönes Wetter zu machen.“ Dieser schlagfertig: „Erst mal heiße ich ‚Kiesewetter‘, nicht ‚Schönes Wetter‘.“ Ihm komme es darauf an, dass nicht kurzfristig auf Umfragen geschielt würde.

Talk bei Markus Lanz (ZDF): Söder als „Gegenentwurf zu Merkel“

Außerdem: „Es muss sich nicht jeder äußern.“ Er habe es getan, aber von den besagten 38 Kollegen seien es insgesamt nur 20 gewesen. Der mittlerweile 79-jährige Heiner Bremer, selbst früher FDP-Politiker und immer noch respektiert für das von ihm entwickelte „RTL Nachtjournal“, das er von 1993 bis 2004 auch moderierte, empfindet die Debatte der CDU als „unehrlich“ („Der Wähler wird das merken!“). Für ihn könnte sich Söder von der Bewerbung als Kanzlerkandidat zurückziehen, ohne Gesichtsverlust, während es für Laschet eine „persönliche Niederlage“ wäre.

Deshalb fordert er Blume und Kiesewetter, deren Credo „Wir hören in das Volk hinein oder in die Parteibasis“ typischer CDU-/CSU-Populismus sei, auf: „Machen Sie eine Mitgliederbefragung!“ Auch Alexander Robin kauft Blume und Kiesewetter nicht ab, dass die Bewerbungen von Laschet und Söder bei der CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine „tolle demokratische Show“ gewesen seien. Er verweist auf die Stellungnahme eines Unions-Mitglieds, ohne dessen Namen zu nennen: „Löst es beim Mikado oder Russischen Roulette!“ Söder sei „sein ganzes Leben lang ein Gegenentwurf zu Merkel“ gewesen, die immer nur „auf Zeitgeist gemacht“ habe, und lange der „unbeliebteste Ministerpräsident“, bis man ihn in seiner Rolle als „Corona-Knappe der Bundeskanzlerin“ allgemein anerkannt habe.

Markus Lanz gibt sich süffisant: „Sie sind von der dunklen Seite der Macht auf die helle gewechselt“

Bei Markus Lanz (ZDF) wird ein Ausschnitt gezeigt, indem Söder sagt: „Ich habe mich vorher nicht an Umfragen orientiert. (… ). Im zweiten Lockdown haben wir 1000 Leben in der Prognose gerettet. Armin Laschet und ich haben ein gutes Miteinander.“ Der „populistischen Ausfallschritt“, den Lanz dem tendenziell rechtsorientierten Söder unterstellt, weil diesem Umfragen jetzt wichtiger seien, als noch im Februar, weist stellvertretend Blume „entschieden zurück“: „2018 ging es nicht um Umfragen, sondern Kursfragen.“ Er gesteht immerhin; „Der Streit zwischen CDU und CSU war ein Fehler.“ Erst vergangene Woche äußerte sich Söder bei Markus Lanz (ZDF) zur deutschen Corona-Strategie.

„2021 geht es um etwas anderes: Welchen Indikator haben wir beim Volk?“, so Blume. Markus Lanz süffisant: „Sie sind von der dunklen Seite der Macht auf die helle gewechselt…“ Während Söder vor drei Jahren noch den Slogan „Kruzifixe statt Kopftücher“ bevorzugt habe, würde er nun betonen, dass niemand mehr aufgrund seiner Hautfarbe diskriminiert werden dürfe. Es fehle noch, dass er sich „den Imker-Hut aufsetzen“ würde. Für welchen Teil des Erbes von Angela Merkel stehe Markus Söder wirklich? „Jede Zeit hat ihre Antworten.“, gibt Blume viel- und zugleich nichts sagend von sich, um dann doch noch den „Glauben an die Kräfte der sozialen Marktwirtschaft“ zu preisen. Heiner Bremer ist dieses „Nützlichkeitsdenken“ zuwider.

Sendung verpasst?

Den TV-Talk bei Markus Lanz können Sie in der ZDF-Mediathek anschauen.

Eva Quadbeck setzt bei Markus Lanz (ZDF) einen drauf: „Bei Söder weiß man nicht: Wer ist der echte Söder? Wenn er etwas will, bekommt er diesen Tunnelblick. Meine Fantasie reicht nicht aus, wie man das in den nächsten fünf Monaten kitten soll, gemeinsam Politik zu machen.“ Blume wird dagegen leidenschaftlich: „Es steht jeden Tag derselbe Markus Söder vor mir, der - es klingt vielleicht ein bißchen pathetisch - das Feuer spürt. Als CSU-Generalsekretär sehe ich das wohl durch meine rosarote Brille.“ Lanz bleibt giftig: „Eher dunkelschwarz mit grünen Sprenkeln. Wie geht es Ihnen damit, Herr Kiesewetter?“ Dieser holt ganz weit aus: „Es geht hier nicht um kurzfristige strategische Überlegungen vor Kameras. Wir müssen doch alles dafür tun, dass Europa gemeinsam aus der Krise kommt.“ Dann macht er Reklame für Laschet, der für ihn für „Verlässlichkeit und Vertrauen“ steht: „Er polarisiert nicht. Er spricht Mängel an, aber verletzt nicht.“ Erst müssten alle hierzulande geimpft werden, dann könne man auch im europäischen Vergleich den Vorteil für Deutschland in anderen Fragen suchen.

Talk bei Markus Lanz: „Was ist das für ein Gespräch?“

„Herr Kiesewetter, Sie haben nicht ansatzweise auf meine Frage geantwortet“, mahnt Markus Lanz im ZDF. „Was ist das für ein Gespräch?“, entfährt es ihm dann angefressen, „Ich habe Sie gefragt, ob es ein Missverständnis war.“ Kiesewetter im philosophischen Eifer, denkt gar nicht daran, nochmal in die Debatte Söder versus Laschet einzusteigen.Viel wichtiger seien ihm, „die großen Fragen“. Doch Lanz lässt nicht locker: „War alles fair, alles in Ordnung, was Söder gemacht hat?“ Sonntagabend habe man noch etwas anderes erwartet, lässt sich Kiesewetter entlocken.

„Sie sagen also, von Sonntag habe man ein anderes Signal erwartet“, wiederholt Lanz und meint damit, dass Söder am Wochenende zuerst davon sprach, einen Entscheid für Laschet, wenn es dazu kommen sollte, bedingungslos anzunehmen, Dienstag durch seine Worte und sein Verhalten aber einen anderen Eindruck erweckt habe. Journalisten fragen, Politier antworten - was sie wollen. Mehr, als das sich einer der beiden Kandidaten am Ende zurückziehen wird, lässt sich von Blume und Kiesewetter dazu an jenem Abend nicht entnehmen. Zu einer „Doppelspitze, wo sich doch alle so toll verstehen“ (Lanz) wird es also nicht kommen. Auch nicht zu einem „klassischen Duell auf der Wiese, wo einer den anderen totschießt“, wie Bremer schwarzhumorig bemerkt. Allerdings habe der Methusalem unter den Journalisten in der launigen Runde auch nicht erwartet, dass er „komplett veräppelt“ werde.

Markus Lanz (ZDF): „Du bist ein Opportunist!“– „Und du bist eine Lusche!“

Markus Lanz gibt nicht auf: Der 54-jährige Söder, der „den großen Bruder CDU vor sich hertreibt, als gibt es kein Morgen“, trete dem 60-jährigen Laschet doch vors Schienbein, wenn er von sich gibt, dass zwischen ihnen eine Generation liegen würde. Für Kiesewetter lässt sich ein Laschet „nicht provozieren“. „Im Gegensatz zu Merkel denkt er nicht von hinterher“, schaltet sich die lange zurückhaltende Politologin Münch zu Söder ein. „Hinterher denken“ sei aber „immer besser“. „Haben wir doch ein Luxusproblem?“, wendet sich Lanz vorerst zum letzten Mal Robin zu.

Dieser sarkastisch zur K-Frage: „‚Du bist ein Opportunist!‘-‚Und du bist eine Lusche!‘, ist heute bei Markus Lanz zu hören und morgen in der ‚Welt‘ zu lesen.“ Bremer zeigt sich zu Recht darüber enttäuscht, dass trotz Ankündigung über die Schwächen des verschärften Infektionsschutgesetztes mit seinen Ausgangssperren bei Inzidenzen über 100, von denen laut FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner irrsinniger Weise auch verheiratete, geimpfte Paare betroffen seien, gar nicht diskutiert würde. „Darüber reden wir morgen“, vertröstet ihn Markus Lanz im ZDF. „Wetten dass..?“ der smarte Südtiroler weder Söder noch Laschet zum Kanzler wählen würde? (Marc Hairapetian) *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare