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Auf dem Screenshot sind drei Menschen zu sehen.
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Waren zu Gast bei Markus Lanz: Journalistin Corinna Milborn, Experte für Osteuropa Jakob Wöllenstein sowie Spiegel-Redekteur Markus Feldenkirchen.

TV-Kritik

Sonderbarer Beigeschmack: Markus Lanz (ZDF) macht wichtige Themen zum Grundrauschen

  • Dennis Vetter
    vonDennis Vetter
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Im Talk bei Markus Lanz (ZDF) geht es um den Fall des festgenommenen Regimekritikers Roman Protassewitsch sowie die personelle und inhaltliche Aufstellung der SPD.

Hamburg – Zwischen Menschenrechtsverletzungen in Belarus, den Ermittlungen um den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, der Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz, Chinas Außenpolitik und Gerhard Schröders Verbindung mit Russland fächerten die Gäste von Markus Lanz am 25. Mai ein politisches Panorama auf und umrissen dabei immer wieder die gegenwärtige Situation der SPD im Hinblick auf den anstehenden Wahlkampf.

Zu Gast im ZDF waren die Journalistin Corinna Milborn, der Ex-Außenminister Sigmar Gabriel, der Spiegel-Redakteur Markus Feldenkirchen sowie per Schaltung aus Vilnius der Osteuropa-Experte Jakob Wöllenstein. Lanz sprang gleich bei der Vorstellung seiner Gäste auf den SPD-Zug und wies Sigmar Gabriel auf die Themen der Sendung schnippisch mit den Worten hin: „Andere haben nämlich auch Probleme.“

Gäste bei Markus Lanz (ZDF) Funktion
Corinna Milborn Österreichische Politikexpertin und Moderatorin
Markus FeldenkirchenSpiegel-Redakteur
Sigmar Gabriel Ex-Außenminister (SPD)
Jakob WöllensteinExperte für Osteuropa

Markus Lanz im ZDF: Moderator lockt Gabriel um Stellungnahme zu Schröder

Am Fokus auf den Wahlkampf ließ Lanz damit keine Zweifel und gab den weiteren Themen der Sendung den sonderbaren Beigeschmack eines Grundrauschens. Über Gabriel und SPD-Kenner Markus Feldenkirchen verband Lanz die zahlreichen Diskussionspunkte des Abends immer wieder mit Fragen und Thesen zur Partei, ihrer Geschichte und Gegenwart. Zielsichere Fragen zur Flugzeugentführung in Belarus gaben im Dialog mit dem zugeschalteten Jakob Wöllenstein zunächst den Ton an, bis die Verstrickung des ehemaligen SPD-Kanzlers Gerhard Schröder mit Russlands Energiewirtschaft zur Sprache kam und das Gespräch ins Stocken geriet.

Lanz insistierte über mehrere Minuten und versuchte Sigmar Gabriel zu einer Positionierung zu Schröder und dessen Bärendienst an der Partei zu drängen. Auch Feldenkirchen stimmte ein, als erstmals die SPD ins Zentrum der Diskussion rückte. Warum wird Gerhard Schröder derzeit nicht einbezogen in Fragen nach den russischen Reaktionen auf die Lage im Belarus? Was hat Schröders Verhältnis zu Putin heute mit der Wahrnehmung der Partei zu tun? Lanz insistierte über Minuten, obwohl Gabriel abblockte und sich Thesen zu Gerhard Schröders Entscheidungen entschieden verweigerte.

Talk von Markus Lanz im ZDF: Sigmar Gabriel spricht von unangebrachter Verniedlichung

Der ehemalige Außenminister distanzierte sich von den wiederholten Andeutungen durch Markus Lanz, die heutige SPD würde das Handeln des Ex-Kanzlers nicht ausreichend verurteilen. Um die Diskussion schließlich abzuwenden, sprach Gabriel von einer unangebrachten Verniedlichung: Gerhard Schröder als Draht zu Russland zu sehen und dessen Verwicklung mit dem russischen Regierungskonzern Gazprom über die zu diskutierende Frage von Menschenrechtsverletzungen Lukaschenkas zu stellen, könne keine Strategie sein für eine Diskussion von außenpolitischem Handeln.

Als leuchtendes Beispiel zog er Joe Biden heran, der den außenpolitischen Bedarf nach einer Kommunikation mit Putins Regierung derzeit klar erkennt – einer Kommunikation, die das politische Gleichgewicht der Welt und die politische Lage innerhalb Russlands nach und nach entspannen und Dialoge wieder ermöglichen könnte. Im Gegensatz etwa zu Sanktionen zwischen Ländern, die Gabriel üblicherweise verurteilt.

ZDF-Talk bei Markus Lanz: Journalistin Corinna Milborn bleibt nicht standhaft

Dem im Belarus inhaftierten Oppositionelle Protassewitsch, der für ein Video und nach offensichtlichen Misshandlungen ein Geständnis formulierte, ist durch die Schröder-Analyse in der Sendung jedenfalls wenig geholfen – das ließen mehrere der Gäste anklingen. Dennoch ließ sich Corinna Milborn durch Gabriels Argumentation von ihrer ursprünglichen Forderung nach härteren Saktionen durch die EU gegen Russland anscheinend abbringen. Zunächst hatte sie härteren Kurs der EU-Außenpolitik und der Länder gefordert, um Druck auf Putin aufzubauen, der Belarus und den pro-russichen Lukaschenko derzeit widerwillig, aber anhaltend unterstützt.

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Im Gespräch über die außenpolitische Positionierung der EU betonte sie, wie wenig die EU aktuell eine konsequente moralische Position im internationalen politischen Geschehen vertrete und wie wenig der Staatenverbund die eigene Machtposition für politische Verhandlung ernst nehme. Feldenkirchen unterstrich auf deutscher Seite die SPD als regelrecht konfliktscheu in internationalen Gesprächen und erwartet sich von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz für Putin zukünftig nur vornehme Komplimente.

Wer sich mit Politik auskenne, könne von Scholz darüber hinaus keine Überraschungen erwarten, war Feldenkirchens Credo für die Diskussion – obwohl er ihn als Politiker von Format sieht und für dessen Sturheit nur positive Worte fand. Was die SPD als Partei unter der Wählerschaft heute so schwächt, beschäftigte die Gruppe spätestens, als dann Österreich im Talk im ZDF zu Sprache kam. Die rund 20.000 SMS, die Sebastian Kurz mit seinem Vertrauten und ÖBAK-Chef Thomas Schmidt austauschte und die nun die Grundlage für die Ermittlung zu möglichen Falschaussage des Kanzlers darstellen, stellen ein Beispiel für einen Vorfall dar, der das Vertrauen in politische Entscheidungsprozesse aushöhlt, spekulierten Lanz, Milborn und Gabriel.

Talk von Markus Lanz beim ZDF: Sigmar Gabriel ist immer noch von Umfrage schockiert

Gabriel thematisierte im Gespräch über politisches Vertrauen eine Umfrage aus seiner Amtszeit, die ihm noch immer in Erinnerung geblieben sei und nach der der Großteil der SPD-Wählerinnen und Wähler sich von der Parteileitung verachtet fühlte. Nie habe ihn ein Ergebnis einer Umfrage mehr schockiert, meint er, und benannte als Umstände zur Entfremdung zwischen der Parteispitze und der Wählerschaft eine zunehmende Akademisierung.

Die SPD habe sich verändert, meinte er mit wehmütigem Blick und sprach auf der Seite der Abgeordneten unter anderem auch von einer schwindenden Wahrnehmung der Integrität des eigenen Berufsstands. In der Vergangenheit seien Politiker:innen teils sogar vorschnell zurückgetreten, so bald es leistete Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit gegeben hatte, beschrieb Gabriel – Sebastian Kurz erschien zu Gabriels Beschreibungen in einem eingespielten ORF Interview völlig konträr, wenn er von seinem „reinen Gewissen“ im Bezug auf die Entscheidung, einen Rücktritt gar nicht erst zu erwägen, spricht.

Talk bei Markus Lanz im ZDF: Österreich sei ein Land der politischen Korruption

Österreich umschrieb Lanz abschließend wiederholt und schmunzelnd als Land der politischen Korruption, setzte damit Klischees und fand dabei überraschenden Anklang bei Milborn, die ein mitunter sarkastisches Verhältnis zum Politmilieu ihres Landes einzunehmen scheint, über das sie in der Talkshow „Pro & Contra“ regelmäßig berichtet. Würde Markus Lanz dort gastieren, für was könnte er wohl als Experte auftreten? (Dennis Vetter)

Es gibt eine Übersicht zu den Themen der Talkshows von Markus Lanz im ZDF. Vor allem das Coronavirus bestimmt die Sendungen. In der vergangenen Talkshow mit Markus Lanz ging es im ZDF um die Wahlsendung, der gar nicht antritt.

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