Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wolfgang Schäuble (CDU) beim Talk von Markus Lanz im ZDF
+
Wolfgang Schäuble (CDU) beim Talk von Markus Lanz im ZDF

TV-Talk im ZDF

Markus Lanz fordert Schäuble (CDU) heraus: „Jetzt übertreiben Sie es“

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
    schließen

Im ZDF-Talk will Markus Lanz von Wolfgang Schäuble wissen, wie zerrüttet die CDU ist. Linken-Chefin Hennig-Wellsow gerät ins Schleudern.

Hamburg/Frankfurt – „War ihre Partei jemals in einer so tiefen Krise wie im Moment?“, wollte Markus Lanz gleich zu Beginn seines ZDF-Talks gerne von Wolfgang Schäuble wissen. Der Bundestagspräsident habe nämlich angedeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen der steigenden Corona-Inzidenz und den sich im Sturzflug befindenden Umfragewerten der CDU gebe. Letztere würden ihn allerdings nicht so sehr erschrecken wie die aktuellen Fallzahlen sowie das scheinbar schwindende Vertrauen in die Demokratie.

„Wir stehen gewissermaßen in einem Systemwettbewerb“, lässt Wolfgang Schäuble verlauten und gibt zu, dass China die Krise besser gemeistert habe. Es liege nun an Deutschland, das lange um Demokratie habe kämpfen müssen, zu zeigen, dass man solch eine Pandemie besiegen kann, ohne Werte wie Rechtsstaatlichkeit zu vernachlässigen. Doch Markus Lanz wollte unbedingt weiter auf die Spannungen innerhalb der CDU zu sprechen kommen. Schäuble habe betont versucht, gelassen zu wirken und sich rhetorisch „fast schon an der Grenze zur Langeweile“ aufgehalten, befand der Moderator.

Markus Lanz (ZDF): Wolfgang Schäuble weicht Fragen um Krise in der CDU aus

Markus Lanz bohrte weiter und erkundigte sich nach dem Disput zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der seit Januar neuer Bundesvorsitzender der CDU ist. Was mache das mit dem Vertrauen, das Schäuble angesprochen hat, „wenn zwei ganz entscheidende Menschen an der Spitze so ein zerrüttetes Bild abgeben und in aller Öffentlichkeit streiten?“

Gäste bei Markus LanzMittwoch, 31. März 2021, ZDF
Wolfgang SchäubleCDU-Politiker und Bundestagspräsident
Cerstin GammelinJournalistin
Susanne Hennig-WellsowPolitikerin und Co-Vorsitzende der Linken
Stephan GrünewaldPsychologe

„Naja, mit allem Respekt“, reagierte der Bundestagspräsident etwas gereizt. „Jetzt übertreiben Sie es ja doch ziemlich, Herr Lanz.“ Differenzen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem neuen CDU-Chef Armin Laschet gebe es zwar, einen „fundamentalen Streit“ über entscheidende Fragen in der Corona-Politik aber keinesfalls. „Ich habe das jedenfalls nicht so empfunden“, so Schäuble. Hervorzuheben sei auch, dass eine CDU-Bundeskanzlerin und ein neuer CDU-Vorsitzender, der die Kanzlerschaft anstrebt, nebeneinander agieren müssen. Dies sei „keine einfache Lage“. „Sobald es da eine kleine Differenz gibt, wird es schwierig.“ Laschet hatte in der Sendung von Markus Lanz am Vorabend (30.03.2021) auf Kritik seitens Merkel reagiert.

Markus Lanz (ZDF): Schäuble bleibt gelassen – Hennig-Wellsow in Bedrängnis

Später in der ZDF-Sendung fiel das Licht auf Susanne Hennig-Wellsow, die seit Februar Co-Vorsitzende der Linken ist. Die 43-Jährige äußerte den Wunsch, den Lockdown der Bundesregierung ganz anders zu gestalten. Das Leben solle nicht nur im privaten, sondern auch im wirtschaftlichen Bereich heruntergefahren werden. Auch die derzeitige Teststrategie sei zum Scheitern verurteilt. Umgehend fordert Markus Lanz sie heraus: „Was wäre das für ein Land und ein Steuersystem, wenn Sie morgen Bundeskanzlerin oder Finanzministerin wären?“ Die Schuldenbremse würde Hennig-Wellsow sofort abschaffen, damit man in der Lage sei, großflächig zu investieren, insbesondere in die Gesundheits- und soziale Infrastruktur.

„Das nächste wäre natürlich eine Vermögenssteuer.“ „Eine Vermögenssteuer?“, unterbrach Lanz, als hätte er auf dieses Stichwort gewartet. „Wo beginnt die und wieviel Prozent?“, wollte er wissen. „Bei einer Million Euro und fünf Prozent“, erklärte Hennig-Wellsow. „Wir diskutieren auch die einmalige Vermögensabgabe.“ Den Spitzensteuersatz wolle sie gerne höher ansetzen, „50 Prozent könnte man schon machen“ – und das ab einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro.

Markus Lanz (ZDF) bringt Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow ins Schwitzen

Markus Lanz hatte es offensichtlich darauf angelegt, die Vorsitzende der Linken arg in Bedrängnis zu bringen und Schwachstellen in ihrem Programm zu offenbaren. Wie hoch eine Erbschaftssteuer sein solle, fragte er. Das habe sie allerdings gerade nicht im Kopf. „Aber das ist doch ein wichtiger, zentraler Baustein der Finanzpolitik?“, so Lanz. „Nicht, dass ich am Ende ihr Programm besser kenne als Sie.“ In der Linkspartei werde über diesen Streitpunkt allerdings noch verhandelt, erklärte die Co-Vorsitzende. Kritik kam auch von der Journalistin Cerstin Gammelin. Sie habe bei den Linken den Eindruck, „dass einer hier steht und einer dort“. Ein Spitzensteuersatz bei 80.000 Euro sei „wie ein Wählt-mich-nicht-Programm.“

Markus Lanz

Die Sendung vom Mittwoch, 31. März in der ZDF-Mediathek

Der Frage von Markus Lanz, ob sich Susanne Hennig-Wellsow dafür ausspreche, den Kapitalismus abzuschaffen, wich sie aus. „Das entscheiden die Wählerinnen und Wähler.“ Lanz war nicht zufrieden: „Ich frage Sie, Frau Hennig-Wellsow.“ Sie „kritisiere das System“, antwortete sie stattdessen, wolle aber nicht andeuten, dass man „diesen Kapitalismus innerhalb der nächsten zehn, fünfzehn Jahre abschaffen“ könne. „Was wir aber brauchen, ist eine solidarische Gesellschaft, die sozial agiert.“ (Lukas Rogalla)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare