1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Markus Lanz (ZDF): Haseloff bleibt Erklärung zu Russland schuldig

Erstellt:

Von: Michael Meyns

Kommentare

Markus Lanz und seine Gäste im ZDF-Talk vom 18. August 2022.
Markus Lanz und seine Gäste im ZDF-Talk vom 18. August 2022. © Screenshot ZDF

Markus Lanz spricht mit seinen Gästen über die Energiekrise, die Gasumlage sowie über den weiteren Umgang mit Russland. 

Hamburg - In der dritten Sendung nach der Sommerpause war zum dritten Mal die Gasumlage Ausgangspunkt bei Markus Lanz im ZDF. Daraus entspann sich eine Diskussion, die versuchte, die großen Fragen unserer Zeit, also den Krieg in der Ukraine und die Energieversorgung Deutschlandes, zu fassen – allerdings mit geringem Erfolg.

Oft war er in den letzten Monaten per Videoschalte zu Gast, nun fand er persönlich den Gang ins Studio: Reiner Haseloff von der CDU, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalts, der bei Markus Lanz im ZDF betonte, dass Deutschland in den nächsten Monaten schwere Zeiten bevorstehen könnte. Züge mit Kohletransporten könnten Vorrang vor Personenzügen bekommen, den Mangel zu verwalten, den Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern, ist das unmittelbare Ziel von Politik und Wirtschaft.

ZDF-Talk Markus Lanz: Energiekrise und Gasumlage

Die Abhängigkeit von russischem Gas, in die sich Deutschland in den letzten Jahren begeben hat, kritisierte Anne Hähnig, Journalistin bei der Zeit, die bei Markus Lanz im ZDF sagte: „Ich vermisse bei manchen ostdeutschen Politikern den Satz ‚Ich habe mich furchtbar getäuscht‘“. Auch Haseloff habe einerseits vor einer zu großen Abhängigkeit von russischem Gas gewarnt, aber andererseits den Bau von Nordstream 2 gefördert. Die Krux des Ganzes ist und bleibt, dass der notwendige Versuch, auf erneuerbare Energien umzusteigen auch die Notwendigkeit mit sich brachte, eine Übergangsversorgung zu finden. Und das war eben das billige russische Gas.

Die Gäste bei Markus Lanz - Sendung vom 18. August 2022

Reiner HaseloffPolitiker
Anne HähnigJournalistin
Sönke NeitzelMilitärexperte
Rüdiger von FritschEx-Diplomat

Und wie Rüdiger von Fritsch, ehemaliger Botschafter in Moskau ehrlicherweise betonte: Da haben alle mitgemacht. Politiker aller Parteien, die Wirtschaft, die Bevölkerung waren geradezu begeistert von der Möglichkeit, mit billigem russischem Gas zu heizen. Die Konsequenzen wurden jedoch ausgeblendet und fallen den Menschen nun vor die Füße.

Markus Lanz im ZDF: Sönke Neitzel wirft interessante Fragen auf

So einfach wollte Sönke Neitzel, Professor für Militärgeschichte, die Sache nicht stehen lassen. Hat denn die Regierung, hat die damile Kanzlerin Angela Merkel vor den Konsequenzen einer zu engen Zusammenarbeit mit Putin gewarnt, fragte er bei Markus Lanz im ZDF? Wurde der Bevölkerung wirklich bewusst gemacht, mit wem man da Geschäfte macht? Aber wäre das wirklich möglich gewesen? Im Nachhinein ist es fraglos immer einfacher zu sagen, dass man vor Jahren ganz anders hätte handeln sollen, aber was bringen solche Diskussionen?

Sönke Neitzel warf die interessante Frage auf, ob denn im Merkelschen Kanzleramt jemals wirklich über die Möglichkeit diskutiert worden sei, dass das russische Regime unter Wladimir Putin die mit dem Krieg in Georgien und der Annexion der Krim begonnene aggressive Politik eskalieren würde.

Eine Antwort konnte oder wollte ein Beteiligter wie Rainer Haseloff bei Markus Lanz im ZDF nicht geben. Selbst eine besondere Nähe zu Russland wollte Haseloff nicht gelten lassen, im Gegenteil: Es sei eine große Freude gewesen, als Russland aus Deutschland abgezogen ist. Warum auch er und andere Politiker aus dem Osten sich freien Willens in energiepolitische Abhängigkeit von Russland begeben hat, konnte allerdings auch der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts nicht erklären.

ZDF-Talk Markus Lanz: Streitpunkt Sanktionen gegen Russland

Nun, der Krieg in der Ukraine läuft seit einem halben Jahr und scheint in einer Patt-Situation angekommen zu sein. Ein Diskussionsthema bei Markus Lanz im ZDF waren die Sanktionen gegen Russland, die in manchen Teilen der Bevölkerung und der Wirtschaft als sinnlos gelten. Rüdiger von Fritsch argumentierte, dass die gegen Russland verhängten Sanktionen durchaus ihre Wirkung haben, zwar nicht kurzfristig, aber langfristig. Sönke Neitzel dagegen sagte, dass die Sanktionen den Krieg nicht beenden werden. Doch hätte man diese Situation verhindern können?

Markus Lanz geriert sich in seiner Sendung im ZDF ja seit langem als dezidierter Russland-Gegner, der angeblich schon immer vor den Gefahren des großen Nachbarn aus dem Osten gewarnt habe. (Was es umso lustiger und absurder machte, dass der ehemalige Chefredakteur der Bild, Julian Reichelt, auf Twitter behauptete, dass mit Frank Plasberg der einzige Talkshow-Moderator der Öffentlich-Rechtlichen, der nicht linksradikal sei, bald seinen Hut nimmt!)

Rüdiger von Fritsch dagegen betonte, dass Politik und noch mehr die Diplomatie, immer im Jetzt agiert. Heute also Entscheidungen von vor einem, fünf oder gar zehn Jahren mit dem Wissen von heute zu kritisieren, sei völlig sinnlos und entbehre jeder Realität.

Markus Lanz

Der Talk vom 18. August 2022 in der ZDF-Mediathek

ZDF-Talk: Sendung von Markus Lanz endet im Unbestimmten

Wie angesichts des Themas nicht anders zu erwarten, endete auch diese Markus Lanz-Runde im Unbestimmten: Die großen Fragen des Moments lassen sich nicht in 75 Minuten zu einem befriedigenden Ende bringen, wie ein Ausweg aus dem Ukraine-Krieg aussehen könnte, wie die Energieversorgung Deutschlands auch über den Winter hinaus gesichert werden kann; all das sind Fragen, die mit Sicherheit auch noch in den nächsten Wochen und Monaten bei Markus Lanz im ZDF diskutiert werden. (Michael Meyns)

Auch interessant

Kommentare