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Die Gäste bei Markus Lanz.
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Die Gäste bei Markus Lanz.

TV-Kritik

Markus Lanz (ZDF): „So ein Unfug!“ Ramsauer wettert freimütig gegen die Corona-Notbremse

  • Rolf-Ruediger Hamacher
    VonRolf-Ruediger Hamacher
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In der ZDF-Talkshow Markus Lanz geht es um das Infektionsschutzgesetz und die Nacht der Entscheidung in der K-Frage.

Ehe Markus Lanz jenen Sonntagabend in der Berliner CDU-Zentrale, als die Kanzlerkandidatur entschieden wurde, noch einmal Revue passieren lassen wollte, fragte er bei Paul Ziemiak noch einmal nach, wie es solange dauern konnte, bis das Infektionsschutzgesetz in Kraft tritt. Und er erinnerte an die Aussage von Angela Merkel in der Anne-Will-Talkshow vom 28. März 2021, dass sie sich das alles keine zwei Wochen mehr mit ansehen wolle.

Aalglatt wiegelte Ziemiak ab: „Wichtig ist doch, dass wir dieses Gesetz jetzt haben.“ Das klang wie jene zum Überdruss gehörten Statements von Fußballspielern nach einem verlorenen Spiel: „Wir müssen in die Zukunft schauen und weitermachen.“

Markus Lanz (ZDF): Die Gäste und ihre Meinungen

  • Eine Partei, die unter 30% fällt befindet sich in der Todeszone (Eva Quadbeck)
  • Armin Laschet hat Kraftquellen , die richtig sprudeln können (Karl-Rudolf Korte)
  • Das rettende Ufer ist Angesichts der Impfungen in Sicht, aber die Politik dreht immer noch Pirouetten (Thorsten Lehr)

ZDF-Talkshow von Markus Lanz: Peter Ramsauer echauffiert sich

Auch Prof. Lehr zeigte sich verblüfft, dass es seit dem Beginn der Lockerungen Anfang März mehr um Wahlkampf, denn um Pandemiebekämpfung geht und die Politik das Wachstum der Infektionsfälle und Inzidenzzahlen einfach ignoriert: „Und jetzt sehen wir das Resultat des Nichtstun!“

Peter Ramsauer gestand freimütig, dass er im Bundestag als einer von 21 CDU und CSU-Kollegen gegen das Infektionsgesetz gestimmt hat. „Wenn nicht soviel massiver Druck ausgeübt worden wäre, wären es noch viel mehr geworden!“ Auf die Nachfrage von Markus Lanz, wer denn da konkret Druck auf die Abgeordneten ausgeübt habe, wollte er dann doch nicht so richtig mit der Sprache heraus und echauffierte sich über die Aussage seines Fraktionsvorsitzenden, dass man dem Infektionsschutzgesetz zustimmen müsse, damit man fürs Leben stimmt: „Mir vorzuhalten, dass ich mit meinem „Nein“ gegen das Leben stimme - so ein Unfug!“

Markus Lanz (ZDF): Gäste der Talkshow

Eva Quadbeck Journalistin vom „Redaktionsnetzwerk Deutschland“
Peter RamsauerCSU-Bundestagsabgeordneter und ehemaliger Bundesverkehrsminister und CSU-Vize
Karl-Rudolf KorteParteiforscher Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen
Thorsten LehrPharmazeut an der Universität des Saarlandes
Zugeschaltet: Paul ZiemiakCDU-Generalsekretär

Und dann erläuterte Ramsauer den Zusammenhang zwischen Tests und Inzidenzahlen an Beispielen aus oberbayrischen Landkreisen: „die lassen den Inzidenzwert ‚hinken‘, der muss irgendwie anders geschaffen werden.“ Prof. Lehr pflichtete ihm bei, dass nach dem Durchimpfen der über 80jährigen und dem Anstieg jüngerer Covid-Patienten, die eine längere Liegezeit im Krankenhaus aber auch eine höhere Überlebenschance haben, neu gedacht werden müsse.

Markus Lanz (ZDF): Ramsauer ärgert sich wieder

Eva Quadbeck begrüßte das Signal, das die Ausgangssperre des Infektionsgesetzes sende, bemängelte aber die Kommunikation der Politik: „Man muss debattieren, wie kriegen wir die Zahlen runter - und sich nicht moralische Vorhaltungen machen. Das ist echt am Thema vorbei!“

Prof. Korte würde sich wünschen, dass er abends nicht nur die Inzidenzwerte, sondern auch Freiheitswerte hören könne: „Es gibt nicht das eine Rezept. Wir haben kein Vorrecht für Gesundheit im Grundgesetz.“ Eva Quadbeck machte noch mal ihrem Ärger Luft über den Streit über die Ausgangssperre. Es sei seit Wochen bekannt, dass sie gebraucht werde, aber noch immer würde diskutiert werden: „Hätten wir sie vor fünf Wochen reingehauen, wären wir jetzt schon wieder raus.“

Ramsauer und Ziemiak beweihräuchern sich bei Markus Lanz (ZDF) gegenseitig

Als Markus Lanz dann Paul Ziemiak fragte, ob auf ihn bei der Abstimmung auch Druck ausgeübt wurde, hörte man aus dem Off Ramsauer („Er war selber Drücker“), was Ziemiak mit Humor nahm und bedauerte, das Laschets Vorschlag eines Brücken-Lockdowns abgelehnt wurde.

In diesem Zusammenhang erinnerte Ramsauer noch einmal daran, dass die Länder ja alle Möglichkeiten hatten, schon längst die Notbremse zu ziehen und ärgerte sich, dass sie ihre föderale Stärke nicht wahrgenommen haben. „Das war ein Offenbarungseid der Länder“, pflichtete ihm Quadbeck bei und Lehr erinnerte an den erfolgreichen Lockdown in Hamburg und die Konfusion in der Bevölkerung ob der unterschiedlichen Maßnahmen in den Ländern.

Auf das eingespielte Interview von Armin Laschet, in welchem er auf die Frage, ob die neue Inzidenzzahl 165 völlig aus der Luft gegriffen sei, mit einem klaren und ehrlichen „Ja“ antwortet und die Langsamkeit des Entscheidungsprozesses bedauert, gingen Ramsauer und Ziemiak genauso wenig ein wie auf Quadbecks Zwischenruf („bei der Euro-Rettung ging’s schneller“) und beweihräucherten sich lieber gegenseitig ob ihrer „Schnelligkeit“.

Prof. Lehr blickte aufgrund des Impffortschrittes verhalten optimistisch in die Zukunft, mahnte aber globale Konzepte an: „Ansonsten werden wir, wie bei der Influenza, damit leben müssen.“

Und dann spricht Markus Lanz (ZDF) auch noch über Markus Söder

Das ist für Markus Lanz die Steilvorlage für sein offensichtliches Lieblingsthema des Abends und seine Frage an Paul Ziemiak: „Braucht die CDU auch ein neues Konzept, um Markus Söder in den Griff zu bekommen?“ Der spielt wenig überzeugend das von Lanz als „Massaker“ bezeichnete Schauspiel der vergangenen neun Tage als „normales demokratisches Spiel“ herunter und bezeichnete es als transparent.

Eva Quadbeck widersprach vehement und vermisste vorher festgelegte Regeln. Sie sieht die Union in den Abgrund blickend und mit einer schweren Hypothek für den Wahlkampf belastet, für den ja weder ein Programm vorliegt, noch Personen, die man vorschieben kann. Auch für Korte ist die Union nach 16 Jahren Regieren völlig blank und steht kurz vor der Trennung der beiden Schwester-Parteien: „Die CSU kann Meuchelmord“ ist seine Erfahrung aus der Historie der Partei und ihrem Umgang mit den Vorsitzenden.

Die Frage von Markus Lanz an Ziemiak „Wenn Söder der Kanzler der Herzen ist, was ist dann Armin Laschet?“ konterte Ziemiak mit „Der Kanzler mit großem Herz“. Eva Quadbeck fand diese Aussage des CSU-Generalsekretärs Blume zu Söders Rückzug geradezu perfide, steht dieser symbolbeladene Verweis auf die ungerecht behandelte Lady D. doch diametral zu dem Versprechen, fortan Armin Laschet zu unterstützen.

Sendung verpasst?

Den TV-Talk bei Markus Lanz können Sie in der ZDF-Mediathek anschauen.

Paul Ziemiak antwortet in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz ausweichend

Da kann man wahrlich Ramsauers Einwand, das sei „die letzte Stichelei“ gewesen, nicht ernst nehmen. Genauso wenig wie Ziemiaks Herumgeeiere zur Zusammenkunft einiger CDU/CSU-Granden, zu der ausgerechnet der Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus nicht eingeladen war: „Ich war nicht zuständig für die Einladungsllste“ .

Auch auf die Inhalte des Gesprächs zwischen Schäuble, Laschet und Söder antwortet Ziemiak ausweichend, während Quadbeck aus verlässlichen Quellen gehört haben will, dass die Union da die „Folterwerkzeuge“ ausgepackt hat und klar kommuniziert hat, dass sie Söder nicht unterstützt.

Prof. Korte brachte es dann noch einmal auf den Punkt: „Die Frage ist doch, will die kleine Schwester die große Schwester praktisch erpressen, erzwingen wer Kandidat wird? Wäre man das diplomatischer angegangen und mit einem Plan, hätte man vielleicht Erfolg gehabt. In dieser Konstellation einer fast schon populistischen Erpressungssituation hatte die CDU aus Selbstachtung heraus keine andere Chance. Das war machtpolitisch falsch angelegt!“

Am Ende der ZDF-Talkshow Markus Lanz bleibt wenigstens das Foto von Merkel und Baerbock haften

Mit einem Ausblick auf die Wahlchancen der Union, die laut Eva Quadbeck ihrem Anspruch „Jünger, weiblicher und digitaler“ zu werden weit hinterherhinkt, endet die Runde. Und mit einem im Gedächtnis haften bleibenden Foto von Angela Merkel und Annalena Baerbock, auf dem die Bundeskanzlerin die frischgebackene Abgeordnete so emphatisch anschaut, als wolle sie sagen: „Die wünsche ich mir als meine Nachfolgerin.“ (Rolf-Ruediger Hamacher)

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