1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Meloni hat im rechten Lager „die Hosen an“

Erstellt:

Von: Tina Waldeck

Kommentare

Markus Lanz Talkshow 27.09.2022
Markus Lanz Talkshow © Screenshot ZDF

Bei Markus Lanz im ZDF dreht sich am Dienstag alles um die Wahlergebnisse in Italien. Wie gefährlich ist der Rechtsruck für Europa?

Hamburg – Markus Lanz wirft im ZDF einen saloppen Blick auf das Intermezzo in Italien (seinem Geburtsland), um mit seinen Gästen über Identität und Faschismus zu sprechen, denn: Italien ist „mit diesem Ton schon lange nicht mehr alleine in Europa.“ Wie gefährlich ist der Rechtsruck?

Mit dabei sind Reinhold Messner (italienischer Extrembergsteiger und ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag, FDP), Natalie Amiri (iranisch-deutsche Journalistin) sowie Andreas Postel (Leiter des ZDF-Auslandsstudios in Rom).

Talk bei Markus Lanz (ZDF): Eine Aufsplitterung Europas kommt Putin entgegen

Kann es sein, dass „nach der Wahl in Italien im Kreml die Champagner-Korken geknallt haben?“, fragt Markus Lanz gleich zu Beginn Reinhold Messner. Dieser kennt Silvio Berlusconi und Matteo Salvini durch das Europäische Parlament, – wie auch Giulio Tremonti, welcher nun wieder Finanzminister in Italien werden soll.

Noch hat es nicht geknallt, aber in dieser Gruppe empfindet Reinhold Messner Matteo Salvini als den schlimmsten Populisten. „Berlusconi ist da nichts“ dagegen, aber auch dieser ist „kein sauberer Europäer.“ Und auch Giorgia Meloni will „Europa die Leviten lesen.“ Doch gerade jetzt, wo aktuell eine „rechte Stimmung“ durch Europa geht, würde er es begrüßen, wenn Italien „zu der Europäischen Gemeinschaft“ stehen würde. Eine Aufsplitterung und damit Schwächung der EU kommt Wladimir Putin natürlich gelegen.

Die Gäste bei Markus Lanz (ZDF)
Reinhold MessnerExtrembergsteriger, ehemaliger EU-Abgeordneter
Marie-Agnes Strack-ZimmermannFDP-Politikerin
Natalie Amiri Journalistin
Andreas PostelLeiter des ZDF-Auslandsstudios in Rom

Talk bei Markus Lanz (ZDF): Giorgia Meloni hat in dem rechten Lager „die Hosen an“

Silvio Berlusconi, Matteo Salvini und Giorgia Meloni haben „alle sehr unterschiedliche Sichtweisen auf den Kreml“ und Giorgia Meloni war im Gegensatz zu den Männern durchaus für die Sanktionen gegen Russland, äußert Marie-Agnes Strack-Zimmermann differenzierter. Diese sei auch „für ein konsequentes Eingreifen, während die beiden Herren Russland-nah sind.“ Das sind „so ganz bestimmte Männertypen“, erklärt die FDP-Politikerin trocken. „Die schätzen sich.“

Aber ihrer Einschätzung nach hat Giorgia Meloni in dieser Konstellation „die Hosen an.“ 2019 wurde die Politikerin zum ersten Mal wahrgenommen, als sie sich selbst definierte, mit: „Ich bin Georgia, ich bin Mutter, ich bin Christin, ich bin Italienerin und das wird mir keiner nehmen“, wiederholt Natalie Amiri deren Worte. „Da hat sie etwas getroffen bei den Italienern“, dass „Italien wieder zur alten Größe zurückkommt“ und den eigenen „Nationalstolz“ wiederfinden kann.

Markus Lanz (ZDF): Italienischer Wahlkampf ließ kaum Zeit, eine Meinung zu bilden

Wieso wählen Menschen „diese Figuren“ voller leerer Phrasen, fragt Markus Lanz Andreas Postel. Dieser sieht das Problem darin liegen, dass die Menschen in Italien gar nicht wussten, „wem sie ihre Stimme geben sollen.“ Giorgia Meloni „war eine neue Figur“ im politischen Spiel, nachdem „mutwillig der Sturz der Partei“ von Mario Draghi im Sommer herbeigeführt worden war. Und bei so einem kurzen Wahlkampf – „so etwas haben wir hier noch nie erlebt“, – blieb „kaum Zeit, sich eine Meinung zu bilden.“

Natalie Amiri war den ganzen August in Italien und hat mit über „100 Taxifahren“ gesprochen, die alle sagten: Entweder „ich wähle nichts oder rechts.“ Und das ist „nun genau das Ergebnis, das wir jetzt haben.“ Gespräche mit der Arbeiterklasse sind „oft sehr aufschlussreich“, weil diese Menschen „den Karren ziehen in so‘nem Land“ beschreibt es Markus Lanz, der selbst aus diesem Milieu stammt.

In dieser Situation konnte „Meloni ihren Charme ausspielen“, formuliert es Reinhold Messner und bietet eine gute Plattform für Markus Lanz, das Wahlkampfvideo von Giorgia Meloni einzuspielen, bei welchem sie unter anderem gegen die LGBT-Gemeinschaft und der „Gender-Ideologie“ keift – mit einer Art, die auch in Italien als „Fischverkäuferin“ verhöhnt wurde. „Sehr charmant“, kommentiert es Marie-Agnes Strack-Zimmermann ironisch.

Markus Lanz (ZDF): Italienische Regierungen haben ein kurzes Haltbarkeitsdatum

Doch in den letzten Wochen des Wahlkampfes hatte sie „Kreide gefressen“, erklärt Andreas Postel. Sie war sanftmütig und hat sich bemüht, in alle Richtungen anschlussfähig zu sein. Diese harten Töne „hat sie tunlichst vermieden.“ „Gute Populisten wissen ganz genau, was sie wo sagen“ und „wie sie was wo sagen“, verdeutlicht es Reinhold Messner. „Sie verspricht alles und nichts“ und „das, was sie verspricht, ist ein Gefühl“: als Versuch, Sicherheit und Stabilität anhand von nationalen Strukturen neu zu rekonstruieren. Diese Politik „werden wir in der EU erleben“, dass die Menschen die Interessen ihrer Länder verstärkt vertreten und nicht im Gemeinschaftswohl der EU denken.

Aber Hoffnung besteht, erläutert Markus Lanz grinsend, denn das „Durchschnittshaltbarkeitsdatum italienischer Regierungen“ dauert meist nur 14 Monate und „das ist ein Trost!“, witzelt Reinhold Messner mit ihm: „Allzu lang wird das nicht dauern.“ Das besteht auch zu hoffen, denn es wird sich nicht sofort zeigen, „was da eigentlich gewählt worden ist“, sondern die Konsequenzen zeigen „sich viel später!“ (Tina Waldeck)

Auch interessant

Kommentare