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Markus Söder äußert sich in der Sendung von Markus Lanz im ZDF zu neuen Formen des Antisemitismus in Deutschland.
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Markus Söder äußert sich in der Sendung von Markus Lanz im ZDF zu neuen Formen des Antisemitismus in Deutschland. (Screenshot)

TV-Kritik

Markus Söder bei Lanz im ZDF: Wahlsendung für einen Mann, der gar nicht antritt

  • vonMichael Meyns
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Markus Lanz spricht im ZDF mit seinen Gästen, allen voran Markus Söder, über den Antisemitismus in Deutschland aus neuen Kreisen und den Nahost-Konflikt.

Hamburg/Frankfurt – In der ersten Markus Lanz-Sendung der neuen Woche im ZDF war der bayerische Ministerpräsident und Nicht-Kanzlerkandidat Markus Söder von der CSU der Stargast. Die politische Lage erlaubte es dem aus München zugeschalteten Machtpolitiker, nicht ausführlich über seinen Verzicht – oder seine Ausbootung – sprechen zu müssen, sondern über den Nahost-Konflikt.

Markus Söder versuchte den wieder aufkochenden Konflikt einzuordnen: Kritik an der israelischen Politik muss auch in Deutschland möglich sein, aber auf die Art und Weise kommt es an. Was bisweilen bei Demonstrationen skandiert oder im Internet gepostet wird ist unsäglich, gegen solche Exzesse stellt sich auch die deutsche Politik, doch momentan erlebt Deutschland neue Formen des Antisemitismus, aus neuen Kreisen.

Markus Söder bei Markus Lanz (ZDF): Neue Formen des Antisemitismus

Doch was tun? Abschieben! fordern manche Innenminister, doch ist das mehr als eine punktuelle Erregung? Solche Empörung, so Söder, flacht schnell ab, viel wichtiger seien Initiativen in der Zivilgesellschaft, Erziehungsmaßnahmen, Stärkung der Bildung. Gegen so genannte importierten Antisemitismus vorzugehen, sei in Bayern ein wichtiges Thema nach der Corona-Pandemie.

Bevor der Ministerpräsident sich aus der Runde verabschieden musste, kam das Gespräch doch noch kurz auf die angeschlagene CDU. Ob das mit Kanzlerkandidat Armin Laschet besser wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen, ihn direkt zu kritisieren, dazu ließ sich Söder selbstverständlich nicht herab. Heftige Kritik an Themen und Personen der Schwesterpartei CDU übte Söder dennoch, die Grabenkämpfe, Maaßen, es gibt viel zu kritisieren an der CDU und wer kann das besser als der kleine Bruder, der ohne Rücksicht auf Verluste, frei von der bayerischen Leber reden kann. Am Ende behaupte er gar, dass er sich stets aus den internen Konflikten der CDU heraushält. „Der war gut!“, konnte Lanz dazu nur sagen, aber er kennt ja das Spiel.

Markus Lanz (ZDF) – Markus Söder mit heftiger Kritik an CDU

Nach gut der Hälfte einer Sendung, die fast wie eine Wahlsendung für einen Mann wirkte, der gar keinen Wahlkampf betreibt (und vielleicht gerade deswegen so entspannt agierte), durften auch die anderen Gäste dran.

Der Politologe Prof. Thomas Biebricher sieht die CDU in einer geradezu historisch schwierigen Situation, gerade was Kernkompetenzen wie Krisenmanagement angeht. Nicht nur das Verhalten während der Corona-Pandemie war hier gemeint, sondern gerade auch die mehr als holprige Kür des Kanzlerkandidaten. Hat Söder möglicherweise doch recht gehabt, als er immer wieder betonte, dass seine Umfrageergebnisse deutlich besser sind als die von Laschet? Spielen Personen heutzutage eine größere Rolle als Inhalte? Erleben wir gerade das Ende der CDU als letzter großer Volkspartei?

Gäste bei Markus Lanz (ZDF)Funktion
Markus Söder Bayrischer Ministerpräsident (CSU)
Prof. Thomas Biebricher Politologe
Ahmad Mansour Deutsch-Israelischer Psychologe
Kristin Helberg Journalistin

Markus Lanz (ZDF): Keine Kritik wagen

Zurück zum Eingangsthema Antisemitismus. Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour beklagte eine Tendenz, die Dinge nicht beim Namen zu nennen, nicht zu wagen, diese oder jene Gruppe zu kritisieren, Probleme anzusprechen, in diesem Fall klar zu sagen, dass es zum Teil muslimische Flüchtlinge und Migranten sind, die antisemitische Parolen skandieren.

Doch man darf es sich nicht zu leicht machen, betonte die Journalistin Kristin Helberg: Keineswegs alle Migranten seien antisemitisch, das Problem, das Begriffe verwischt werden, ist in den letzten Jahren gravierender geworden. Auch die israelische Regierung trägt erfolgreich dazu bei, dass jegliche legitime Kritik an ihrer Politik automatisch als antisemitisch diskreditiert wird. Die Komplexität des Konflikts wird oft nicht wahrgenommen. Ja, so Helberg, die Hamas ist für die aktuelle Eskalation verantwortlich, aber die gesamte Vorgeschichte, die jahrzehntelange andauernde Besetzung des Westjordanland inklusive völkerrechtswidrigem Siedlungsbau, die Vertreibung der Palästinenser, die gerade abgesagten Wahlen im Gaza-Streifen und vieles mehr, wird dabei außer Acht gelassen.

Keine Überraschung und keine Einigung am Ende der Markus Lanz-Sendung im ZDF

Einspruch! rief Mansour, der betonte, sich für eine Zweistaatenlösung einzusetzen, aber doch die aktuelle Reaktion auf den deutschen Straßen verurteilte und immer wieder die Anschläge der Hamas anmerkte, die oft mitten in Friedensverhandlungen einschlagen.

Mit großem Engagement versuchte Kristin Helberg die Komplexität des Konflikts zu erklären, während Mansour betonte, dass die Palästinenser immer wieder Chancen verpasst habe. Das es am Ende dieser Lanz-Sendung keine Einigung über einen der am längsten schwellenden Konflikte der Welt gab, das konnte nicht überraschen. Wie hieß es doch früher so schön im ZDF: Der Vorhang zu und alle Fragen offen. (Michael Meyns)

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