Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Markus Söder und Markus Lanz im Gespräch in der Sendung im ZDF.
+
Markus Söder und Markus Lanz im Gespräch in der Sendung im ZDF. (Screenshot)

TV-Kritik

Markus Lanz (ZDF): Markus Söder lobt seine Corona-Strategie – Ein Konter bringt ihn zum Schweigen

  • vonTeresa Schomburg
    schließen

Bei Markus Lanz im ZDF wird lange über Corona in Österreich und Bayern und zu kurz über Alte und Jugendliche gesprochen.

  • Die Gäste bei Markus Lanz im ZDF diskutieren über die Corona-Krise.
  • Vor allem über die Situation in Bayern spricht der Moderator mit Markus Söder.
  • Dabei lässt Markus Lanz Söder eine Aussage nicht durchgehen.

Mainz – Zum Einstieg lässt Markus Lanz im ZDF Grenz-Bilder laufen und spricht vom „europäischen Geist“. Ein Geist, den er gefährdet sieht, angesichts der neuen Regelungen zu den Grenzen nach Tschechien und dem österreichischen Tirol.

Lang wird Markus Lanz über die Situation in Bayern mit Ministerpräsident Markus Söder reden. Zu lang. Denn im Studio sitzen mit Flensburgs Bürgermeisterin Simone Lange, dem Epidemiologen Gérard Krause und Kai Lanz, dem 19-jährigen Gründer des Jugend-Seelsorge-Angebots „Krisenchat“, drei Gäste, die brennende Dinge besprechen wollen. Und darauf ebenso wie die Zuschauer quälend lang warten müssen.

Markus Lanz (ZDF): „Die Grenzen sind nicht dicht“, sagt Söder

Nein, beschwichtigt Markus Söder: „Die Grenzen sind nicht dicht“. Das hatte Markus Lanz offenbar befürchtet. Man verschärfe nur die Kontrollen und die Testregeln, denn Tschechien und Tirol sind ja offiziell nun „Mutationsgebiete“. Zudem lasse sich in Europa derzeit überall derselbe Mechanismus beobachten: Zu schnell gelockert, schon gehen die Zahlen wieder hoch.

Kurz darf sich Simone Lange in das Gespräch im ZDF einschalten mit einem Vorschlag aus Flensburg und den Erfahrungen aus dem dänischen Grenzgebiet: In Dänemark stelle die Regierung ausreichend Testkapazitäten zur Verfügung, während die deutsche Strategie immer noch nachverfolgend und nicht präventiv angelegt sei. Schon schaltet Söder sich wieder ein: Diese dänische Strategie sei ja eigentlich genau die bayerische.

Schlagabtausch zwischen Markus Söder und Markus Lanz im ZDF

Es folgt ein langer Schlagabtausch zwischen Markus Lanz und Markus Söder im ZDF, in dem Lanz mal auf die Test-Pannen in Bayern aus dem Sommer anspielt, mal scharf nachfragt, wie es denn angesichts von Landkreisen wie Tirschenreuth mit einer Inzidenz von 333 jemals gelingen soll, einheitlich niedrige Zahlen wie die neue viel beschworene 35er-Marke in Bayern zu erreichen. Markus Söder pariert alles souverän, bis er an einen heiklen Punkt gerät mit der Behauptung, Deutschland habe die Pandemie bislang besser durchgestanden als andere Länder. Das lässt Markus Lanz nicht durchgehen: „Wir sollten uns angesichts der vielen Toten zurückhalten mit der Aussage, dass wir es besser machen als andere.“ Söder nickt daraufhin schweigend.

Markus Lanz (ZDF): Jedes dritte Kind durch Corona-Krise psychisch beeinträchtigt

Kurz dürfen sich endlich auch die anderen Gäste ins Gespräch bei Markus Lanz im ZDF einschalten. Kai Lanz berichtet von beunruhigenden Zahlen wie die aus einer Studie von Hamburgs Uniklinik Eppendorf, nach der aktuell jedes dritte Kind psychisch belastet sei. Allerdings gab es auch schon vor der Krise zu viele psychische Probleme unter junge Menschen, betont Kai Lanz. Epidemologe Gérard Krause dagegen nimmt die Alten und Kranken in den Heimen in Blick, die nach wie vor nicht genug geschützt würden.

Angesichts dieser Lage sei es unverständlich, warum in den Beschlüssen der Ministerpräsidenten-Konferenz ein überdimensional großer Abschnitt ausgerechnet den Friseuren gewidmet sei. Es entspinnt sich eine emotionale Debatte um die Frisur als Teil der eigenen Würde, wie Markus Söder es verteidigend formuliert. Das ist Markus Lanz „zu hoch ins Regal gegriffen“. Wichtiger sei doch die Frage, „ob Menschen in Würde sterben können. In dem Kontext über Friseure zu sprechen, damit tue ich mich schwer,“ sagt Markus Lanz.

Talk bei Markus Lanz (ZDF): Ein zweites Ischgl scheint vor der Tür zu stehen

Einen Themenschwenk zurück an den Anfang der ZDF-Sendung mit Markus Lanz bringt eine Schalte nach Wien zur Korrespondentin Corinna Milborn, die mit Pudelmütze vor dem leeren Wiener Stephansplatz steht. Klar, in Österreich gelten ja Ausgangssperren, ansonsten aber wird dort gerade gelockert, weil Kanzler Sebastians Kurz spürt, dass die Stimmung in der Bevölkerung gegen die Maßnahmen kippt.

Während sich in den Schulen die Kinder mit sogenannten Nasenbohrertests brav Wattestäbchen in die Nase stecken, herrschen an den Skihügeln im Tiroler Zillertal unglaubliche Zustände. „Vor einer Woche hätte man den Bezirk Schwaz absperren lassen, Tirol hat sich geweigert“, berichtet Corinna Milborn bei Markus Lanz. Klar, in Tirol sind ja jetzt Winterferien, viele haben hier Zweitwohnungn und wenn es ums Skifahren geht, steigt die Fantasie auch bei Ortsfremden. So haben sich schon Skilehrer-Ausbildungsrunden oder vermeintliche Arbeitssuchende als Urlauber entpuppt. Ein zweites Ischgl scheint vor der Tür zu stehen.

Moderator Markus Lanz hat sich einen Schlagabtausch mit Markus Söder (CSU) geliefert.

Markus Lanz (ZDF): Anteil an Corona-Mutationen beunruhigend hoch

Markus Lanz läuft nun die Sendezeit im ZDF davon. Schnell stellt Gérard Krause sein wichtigstes Anliegen vor: Es sei problematisch, sich mit dem Inzidenzwert nur auf eine Zahl zu konzentrieren, man müsse immer auch etwa die Krankenhauskapazitäten oder die Impflage mit einbeziehen. Das sei viel komplexer als oft dargestellt. „Als Arzt behandele ich auch keine Laborergebnisse sondern Patienten“, so Krause.

Simone Lange kann das aus Erfahrung bestätigen: In Flensburg sinkt derzeit die Inzidenz, trotzdem hat sie soeben Verschärfungen eingeführt und ist damit auf Unverständnis in der Bevölkerung gestoßen. Denn dort ist offenbar nicht ausreichend bekannt, dass aktuell die örtlichen Krankenhäuser an die Belastungs-Grenzen kommen und der Anteil an Mutationen beunruhigend hoch ist. Die Situation in Krankenhäusern und Heimen könne man auch nicht allein mit Tests und Impfungen in den Griff bekommen, ergänzt Gérard Krause im ZDF, man müsse auch für eine gute personelle und technische Ausstattung sorgen. „Das sind organisatorische Dinge, die schon vor der Pandemie ein Problem waren“, sagt Krause.

Markus Lanz (ZDF): Junge Menschen, die „kurz davor sind, sich das Leben zu nehmen“

Bezeichnend ist wohl, dass einer der wichtigsten Punkte erst ganz zum Schluss der ZDF-Sendung von Markus Lanz ausführlich besprochen wird. Kal Lanz berichtet, wie der von ihm gegründete Krisenchat funktioniert, in dem sich Kinder und Jugendliche rund um die Uhr an etwa 200 ehrenamtliche psychologische Berater wenden können. „Da geht es auch um extreme Fälle, um junge Menschen, die kurz davor sind, sich das Leben zu nehmen“, sagt Kai Lanz. Wichtig sei auch, Kinder und Jugendliche angesichts von häuslicher Gewalt über ihre Rechte zu informieren: Was dürfen ihre Eltern und was dürfen sie eben nicht?

Enttäuscht zeigt sich Kai Lanz darüber, dass bisher aus der Regierung und vor allem auch aus dem Familienministerium von Franziska Giffey eher negative Reaktionen auf den Krisenchat kamen. Simone Lange unterbreitet das tröstliche Angebot, man könne den Krisenchat mit örtlichen Angeboten vernetzen, in Flensburg gibt es etwa die Seite www.hast-du-stress.de. Und Markus Lanz ergänzt mit dem Vorschlag, das Gespräch im ZDF fortzusetzen: „Du sitzt hier so oft, bis das Familienministerium anruft.“ Das nächste Mal sollte Markus Lanz seinen Namensvetter dann aber früher zu Wort kommen lassen. (Teresa Schomburg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare