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Markus Söder nimmt am Corona-Talk von Markus Lanz im ZDF per Videoschalte teil.
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Markus Lanz und Söder.JPG

TV-Kritik

Bei Markus Lanz im ZDF fordert Markus Söder Demut vor Corona – und überschüttet sich mit Selbstlob

  • Teresa Vena
    vonTeresa Vena
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Langsamer Impfstart und zu wenig Impfstoff. Bei Markus Lanz im ZDF geht es darum, was Deutschland falsch gemacht hat und wo man von anderen Ländern lernen kann.

  • Bei Markus Lanz im ZDF geht es um das Thema Corona-Impfungen – und darum, dass Deutschland im Vergleich bei diesem Thema nicht besonders gut aussieht.
  • Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder muss Kritik für die Impfpolitik von Bund und Ländern einstecken.
  • Im ZDF herrscht Unverständnis darüber, warum ein in Deutschland entwickelter und produzierter Impfstoff gegen das Coronavirus im eigenen Land kaum verfügbar ist.

Hamburg – In seiner Sendung vom Mittwoch, 27. Januar 2021 lud Markus Lanz im ZDF zur Diskussion über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland ein. Zu Wort kamen Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident, Anna Clauß, Journalistin und Biografin von Söder, Prof. Eva Hummers, Medizinerin, Gabriel Felbermayr, Ökonom und Michael Bewerunge, Journalist. Insbesondere das Thema Impfungen stand im Mittelpunkt der Debatte.

Gleich zu Beginn wurde Markus Söder zugeschaltet, der sich gegen die Vorwürfe verteidigen musste, die Politik versage angesichts der erforderlichen Logistik für ein zügiges Impfen der Bevölkerung. Söder widersprach der Behauptung, dass die Altenheime immer noch auf die Impfungen warten würden, während genau dort eine Priorität eingeräumt worden sei. In Bayern beispielsweise seien bereits über 80 Prozent der Pflegeeinrichtungen für ältere Menschen durchgeimpft worden. Dass allerdings an sich ein Mangel an Impfstoff zu verzeichnen sei, der für Krankenhäuser oder Impfzentren vorgesehen wäre, gab Söder bei Markus Lanz (ZDF) zu. Anders als Israel, habe Deutschland die Gelegenheit verpasst, sich rechtzeitig genug Corona-Impfstoff zu sichern, stellte er ebenfalls fest.

Diskussion bei Markus Lanz (ZDF): Pfizer liefert den Impfstoff, Israel die Forschungsdaten

Israel sei mit Pfizer, wie es Michael Bewerunge, der Leiter des ZDF-Studios in Tel Aviv in der Videoübertragung bei Markus Lanz (ZDF) erörterte, einen Sondervertrag eingegangen. Bereits im Sommer habe sich das Land um bessere Konditionen bemüht und gelte für das Pharmaunternehmen als Modellstaat. Im Gegenzug für eine bessere Versorgung mit Impfdosen werte Pfizer statistische Daten über die israelische Bevölkerung aus. Diese seien für die Forschung sehr wertvoll, meinte Bewerunge, stimmte aber mit Markus Lanz darüber ein, dass damit auch eine gewisse Datenschutzlücke entstehen könne.

Die Gäste bei Markus Lanz
Markus SöderMinisterpräsident Bayern
Anna ClaußJournalistin
Prof. Eva HummelsMedinizerin
Gabriel FelbermayrÖkonom
Michael BewerungeJournalist

Trotz einer hohen Impfquote blieben in Israel die Infektionszahlen allerdings sehr hoch, gab Markus Lanz zu bedenken. Bewerunge meinte, dass das Problem in erster Linie in der ultraorthodoxen Gemeinschaft der Bevölkerung zu verorten sei, die sich den Bestimmungen der Regierung entziehe und gar mit gewalttätigen Ausschreitungen reagiere. Diese mache zwar ungefähr 18 Prozent der Bevölkerung aus, doch sei sie für 40 Prozent der Infektionen verantwortlich.

Markus Lanz (ZDF): Markus Söder über die Verfügbarkeit von Corona-Impfstoff

Auch andere Länder ließen sich für einen Vergleich mit Deutschland heranziehen, meinte Markus Söder im ZDF, wenn es um die physische Verfügbarkeit der Impfdosen gehe. Man habe es in Deutschland versäumt, den notwendigen Druck auf die entsprechenden Unternehmen auszuüben, um eine zureichende Produktion für den deutschen Markt zu garantieren, räumte er ein. In China beispielsweise oder auch Indien habe man, mehr oder weniger freundlich, Pharmaproduzenten gezwungen, alle Ressourcen auf die Herstellung des Impfstoffes zu konzentrieren und die anderer Produkte herunterzufahren.

Das hätte auch in Deutschland geschehen müssen. Seiner Meinung nach hat Deutschland demnach versagt, die notwendigen rechtlichen Möglichkeiten einzusetzen, um in einer derart einmaligen Situation alle verfügbaren Kapazitäten auf den Impfstoff zu bündeln. Man habe schlichtweg zu wenig bestellt, sagt Söder bei Markus Lanz. Der Impfstoff sei aber nun mal die einzige wahre Hoffnung, für die Überwindung der Krise.

Markus Söder muss bei Markus Lanz (ZDF) Kritik einstecken

Ökonom Gabriel Felbermayr bemerkte an dieser Stelle, flankiert von Markus Lanz selbst und der Journalistin Anna Clauß, die während der Diskussion Markus Söder einige Male des ungerechtfertigten Selbstlobs in Bezug auf seine Handhabe der Krise bezichtigte, dass hier ein wesentlicher Widerspruch zu vermerken sei. Deutschland habe maßgeblich in deutsche Unternehmen investiert, um die Forschung am Impfstoff zu ermöglichen, sei aber nicht fähig, sich selbst mit dem zugelassenen Impfstoff zu versorgen. Offenbar habe es an dieser Stelle gespart und es nicht geschafft, den Unternehmen die richtigen Anreize zu geben, den Impfstoff nicht auf Kosten eines Lieferengpasses in Deutschland zu exportieren.

Markus Lanz (ZDF): Diskussion um Wirksamkeit von Impfstoff von Astrazeneca

Eine ähnlich ernüchternde Bilanz zogen die Gäste bei Markus Lanz (ZDF) als die Sprache auf den neuen Impfstoff Astrazeneca kam. Die Bemühungen der Medizinerin Eva Hummers die Vorzüge dieses Präparats herauszustellen, stießen auf großen Widerstand seitens Clauß und Markus Lanz. Hummers erklärte, dass der schwedisch-britische Impfstoff eine hohe Wirksamkeit habe von 70 Prozent, was bedeute, dass bei einem Geimpften ein 70-prozentiger Schutz vor Nicht-Ansteckung erreicht werden könne. Astrazeneca sei darüber hinaus weniger schockempfindlich und könne daher besser transportiert werden, was einen Einsatz im Krankenhaus oder in Arztpraxen begünstigen würde. Doch einschränkend, gab Hummers zu, dass die Ständige Impfkommission, in der Hummers Mitglied ist, empfehle, den Impfstoff bei Menschen über 65 Jahren nicht zu verwenden.

Markus Lanz (ZDF): Der bessere Impfstoff kommt aus Deutschland

Markus Lanz und Clauß gaben sich daher nicht überzeugt, wieso Astrazeneca importiert werden solle, wenn ein deutsches Präparat, zum Beispiel von Biontech eigentlich vorhanden sei, mit dem viel bessere Resultate erzielt worden seien. Dieses habe eine Wirksamkeit von 90 Prozent und könne bei allen Altersgruppen eingesetzt werden. Felbermayr betonte bei Markus Lanz (ZDF) noch einmal, dass sich die Politik offenbar gegenüber den eigenen Produzenten nicht durchsetzen könne.

Dass eine zügige und zuverlässige Impfung als einziges Regulierungselement funktionieren könne, sei für ihn selbsterklärend. Denn an den bisherigen Maßnahmen könne man nichts ändern, wenn man keinen Jojo-Effekt für die Wirtschaft riskieren wolle. Im Frühling habe die deutsche Wirtschaft einen Einbruch von 30 Prozent erlitten, den es im dritten Quartal wieder erstaunlich, dank einer eigenen gut funktionierenden Industrie, abgeschwächt hätte. Doch in erster Linie profitiere Deutschland von anderen Akteuren der Weltwirtschaft wie China, Taiwan und Südkorea, die ihre Krise besser unter Kontrolle hätten und ihre jeweilige Wirtschaft wieder in Gang gebracht hätten.

Aus der Diskussion bei Markus Lanz (ZDF) ging hervor, dass es für die Meisterung der Krise mehr als die von Markus Söder geforderte Demut gegenüber Corona bedarf, sondern in erster Linie eine funktionierende Impfkampagne. (Teresa Vena)

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