Markus Lanz, ZDF

Markus Lanz im ZDF: Zwischen Polit-Talk und boulevardeskem Palaver

Die Talkshow von Markus Lanz hat seit vielen Jahren einen festen Platz im TV-Programm des ZDF. Die Sendung sorgt jedoch auch immer wieder für Kritik.

  • Markus Lanz hat seit vielen Jahren einen festen Platz im Programm des ZDF
  • Immer wieder gibt es auch Kritik an der Talkshow
  • Emotionale Momente kommen bei „Markus Lanz“ nicht zu kurz

Die Talkshow „Markus Lanz“ hat mittlerweile ihren festen Platz im Programm des ZDF. Die Talkshow gibt es in diesem Format seit dem Jahr 2010, zuvor vertrat Markus Lanz mit seiner Sendung den Moderator Johannes B. Kerner. 

Geladen sind meist vier Gäste, denen Markus Lanz sich in der 75-minütigen Sendung widmet. Zwar steht die Sendung selbst nicht unter einem generellen Thema, abhängig von den geladenen Gästen werden aber aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen, Neuigkeiten aus der Unterhaltungsbranche, Sportveranstaltungen oder die individuelle Lebensgeschichte des Gesprächspartners diskutiert. Der Fokus der Sendung liegt weniger auf komplexer politischer Berichterstattung, als auf dem Unterhaltungsfaktor. Nichtsdestotrotz werden die geladenen Gäste von Markus Lanz durchaus beharrlich befragt, insbesondere dann, wenn sie ausweichend antworten.

Dienstag bis Donnerstag wird die Sendung am späten Abend ausgestrahlt. Eine feste Sendezeit gibt es nicht, der Beginn der Talkshow schwankt zwischen 22.45 Uhr und Mitternacht. Wer eine Sendung verpasst hat, kann sie online in der Mediathek des ZDF ansehen.

Die Gäste der Talkshow „Markus Lanz“ im ZDF

Die Gäste von Markus Lanz kommen zumeist aus der Politik, der Unterhaltungsbranche und dem Sport. Vor allem in Sendungen im Anschluss an Fußball-Übertragungen, sind oftmals Personen aus diesem Bereich zu Gast. Bei bestimmten Anlässen werden auch Expert*innen eingeladen, um einen Sachverhalt fachlich einzuordnen und verständlich darzustellen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Journalist*innen, Wissenschaftler*innen oder Mediziner*innen.

Gäste aus der Musikbranche spielen am Ende der Sendung häufig ein aktuelles Lied, wobei sie der ZDF-Moderator auf dem Klavier begleitet.

Auch nicht-prominente Personen werden in die Talkshow eingeladen. Dies geschieht dann, wenn sie eine besondere Lebensgeschichte haben oder etwas Außergewöhnliches erlebt, erfunden oder entwickelt haben. Die Schilderung persönlicher Schicksale ist ein ebenso zentraler Bestandteil von „Markus Lanz“, wie die Gespräche über politische Ereignisse.

ZDF-Talkshow „Markus Lanz“: Einschaltquoten und Produktion

Die erste Staffel der Talkshow von Markus Lanz - damals noch in Vertretung für Johannes B. Kerner - wurde von Juni bis September 2008 ausgestrahlt und erreichte einen Marktanteil von 11 Prozent. Die Quoten sind seit der ersten Staffel gestiegen und lagen im Jahr 2018 bei 13 Prozent. Damit liegt die Talkshow über dem ZDF-Senderschnitt. Besonderes hohe Einschaltquoten sind nach Übertragungen der Champions League zu verzeichnen.

Produziert wurde die Sendung zu Beginn von der Firma „Fernsehmacher“. An dieser Produktionsfirma waren Johannes B. Kerner und Markus Heidemanns jeweils zur Hälfte beteiligt. Mit Beginn des Jahres 2011 wurde die Produktion der Talkshow von der Firma „Mhoch2 TV“ übernommen, an der Markus Lanz zur Hälfte beteiligt ist.

Die Sendung wird aus Rundfunkgebühren finanziert, die Kosten der Talkshow werden nicht veröffentlicht.

Kritik an der Talkshow „Markus Lanz“ im ZDF

Immer wieder gibt es Kritik am Moderationsstil von Markus Lanz. Ihm wird vorgeworfen, dass er selbst zu viel rede und seine Gäste häufig unterbrechen würde. So wurde der ZDF-Moderator als „Möchtegern-Inquisitor“ bezeichnet, „der nicht moderiert, sondern Fragen abschießt“ und es „fast nie schafft, seine Gäste ausreden zu lassen“. 

Auch seine Versuche, sich mit Talkshows zu politischen Fragen und Ereignissen als seriöse Politik-Talkshow zu präsentieren, wurden kritisiert. Die Auswahl der Gäste und nicht zuletzt die banalen Fragen von Markus Lanz, würden solche Sendungen zum Scheitern verurteilen.

Eine Internetseite nimmt das investigative Talent von Markus Lanz auf die Schippe und fragt „Hat Markus Lanz etwas aufgedeckt?

Petition ans ZDF: Ärger um Markus Lanz

Für besondere Aufregung sorgte Markus Lanz nach einer Talkshow im Jahr 2014, in der Sahra Wagenknecht zu Gast war. Im Gespräch mit der damaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion, stellte Lanz viele Suggestivfragen und unterbrach Wagenknecht immer wieder. Als Reaktion darauf wurde eine Petition online gestellt, in der das ZDF aufgefordert wird, sich von Markus Lanz zu trennen. In der Begründung hieß es: „Ein Moderator, der nicht fähig ist ohne Entgleisungen zu moderieren, den Offenheit und der Umgang mit abweichenden Meinungen offenbar überfordern, der Fragen stellt und die Antworten nicht hören will und der seine eigene Meinung stets über die seiner Gäste stellt, sollte nicht vom Beitragszahler alimentiert werden.“ Die Petition erreichte insgesamt mehr als 230.000 Unterschriften.

Als Reaktion auf die breite Kritik an seiner Gesprächsführung, räumte Markus Lanz Fehler ein: „Wenn das energische Nachfragen zu rustikal und sogar persönlich war, dann bedaure ich das“, erläuterte er im Nachhinein.

„Markus Lanz“ im ZDF: Comedian entschuldigt sich bei Holocaust-Überlebender

Eine besonders emotionale Talkshow fand im ZDF im Februar 2020 statt. Geladen waren unter anderem der Comedian Atze Schröder und die Holocaust-Überlebende Eva Szepsi. Als der Moderator Markus Lanz den Comedian auf seinen Vater ansprach, musste dieser seine Tränen unterdrücken. Er und sein Vater seien sich sehr nah gewesen, bevor dieser im Jahr 2011 starb, so Schröder. Sein Vater musste im Zweiten Weltkrieg dienen und habe als Soldat „die schlimmsten Sachen gemacht.“ Nach dem Krieg habe er sich entschieden, diese Tür erstmal zuzumachen und ein gutes Leben zu führen. Doch das war nicht allen Familienmitgliedern möglich.

Mit Tränen in den Augen erzählte er: „Ich habe damals erfahren, dass meine Oma sich erhängt hatte. Und mehrere Brüder meines Vaters sich auch erhängt hatten.“ Auch die Brüder seines Vaters wurden in den Krieg eingezogen. Sie haben sich umgebracht, um sich von der Last zu befreien, so Schröder.

Bei der ebenfalls in der ZDF-Sendung anwesenden Holocaust-Überlebenden Eva Szepsi entschuldigte sich Atze Schröder daraufhin für die Taten seines Vaters mit den Worten „Wir dürfen nie vergessen!“. Eva Szepsi soll nach den Worten Atze Schröders in der Talkshow sehr ergriffen gewesen sein, wie die Welt berichtet. „Das ist absolut außergewöhnlich. Eine Entschuldigung dieser Art erlebe ich nur ganz selten.“

Markus Lanz: Zur Person

Der Talkshow-Moderator und Produzent Markus Lanz wurde 1969 in Südtirol geboren. Nach der Matura - das italienische Äquivalent zum Abitur - und einer Ausbildung beim italienischen Heer, begann er im Jahr 1991/92 in München eine schulische Ausbildung zum Kommunikationswirt. Im Jahr darauf begann Markus Lanz ein Volontariat beim Radio Hamburg. Hier wurde er jedoch drei Jahre später entlassen, nachdem er ohne Genehmigung das Lied „F…! Chirac“ im Radio sendete. Markus Lanz protestierte mit dem Lied gegen die französischen Kernwaffentests. Die Kündigung stellte sich für Lanz jedoch als Glücksfall heraus.

Denn im selben Jahr wechselte er zum Fernsehen, wo ihm sein Durchbruch gelang. Ab 1998 moderierte er im RTL regelmäßig Sendungen. Hier etablierte Lanz bereits seinen charakteristischen, ungewöhnlich aktiven Moderationsstil mit vielen Wortspielen. Im Jahr 2008 wechselte er dann zum ZDF und moderiert dort seitdem unter anderem die nach ihm benannte Talkshow „Markus Lanz“. Neben seiner Tätigkeit als Moderator ist Lanz auch als Fotograf und Autor tätig.

Markus Lanz hat drei Kinder. Aus der Beziehung mit der Moderatorin Birgit Schrowange hat er einen Sohn, der bereits volljährig ist. Zwei weitere Kinder hat er mit seiner Frau Angela Gessmann, die er im Jahr 2011 heiratete.

Von Josephine von der Haar

Das Land steht vor einer Epidemie, und Maybrit Illners Talkshow im ZDF ließ vor allem erkennen, wie ungewohnt und allseits verunsichernd die Lage ist, wie fr.de* berichtet.

Rubriklistenbild: © Malte Christians/dpa

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