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Markus Lanz (ZDF): „Es wird deutlich schlechter, bevor es wieder besser wird“

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Von: Tina Waldeck

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Markus Lanz und seine Gäste diskutieren über die Folgen des Ukraine-Krieges
Markus Lanz (ZDF) © Markus Hertrich/dpa

Bei Markus Lanz zeigen sich Experten angesichts des Ukraine-Krieges besorgt um die Zukunft des Landes. Für so manchen werde es „richtig teuer“ und „richtig eng“.

Hamburg - Bei Markus Lanz (ZDF) schwankt Peer Steinbrück (SPD-Bundesfinanzminister von 2005 bis 2009), zusammen mit Sarah Pagung (Russland-Expertin der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik) und Michael Bröcker (Chefredakteur von „Media Pioneer“) zwischen positiven und negativen Ausblicken zur deutschen Entwicklungslage.

Markus Lanz: Krisen als produktive Umschwünge?

Peer Steinbrück blickt bei Markus Lanz auf die Finanzkrise 2009 zurück, die 2008 durch Investitionsspekulationen von Banken in den USA ausgelöst wurde. Das deutsche Wirtschaftswachstum ging zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg massiv zurück. Viele verloren ihre Jobs und „Finanzexperten“ rieten der deutschen Bevölkerung, ihr Geld von den Banken abzuheben und sich vorsichtshalber Lebensmittelvorräte anzulegen. Wo andere Panik schürten in dieser damals schon so empfundenen „einmaligen“ Krisensituation, vermittelte die Regierung von Angela Merkel Einigkeit und Sicherheit. Die Regierung verkündete damals geschlossen, dass die Sparanlagen in den deutschen Banken sicher seien.

Markus Lanz: Steinbrück sieht Amtierende „hochgradig im Stress“

Somit kann der heute 75-Jährige ein positives Fazit seiner Arbeit ziehen, denn: In diese Krise habe es in der damaligen Großen Koalition keine offensichtlichen Parteistreitigkeiten und Unstimmigkeiten wie aktuell gegeben. Trotzdem zeigt er für die Ampel-Regierung Verständnis, denn in Situationen, die in dieser Art von den Menschen in Handlungsmacht noch nicht erlebt worden seien, passieren auch Irrtümer. Aktuell ist es vielleicht sogar die größte Krise seit der Wiedervereinigung und die Amtierenden seien „hochgradig im Stress.“ Die Ruhe von Bundeskanzler Olaf Scholz empfindet er dazwischen erleichternd. Er ist schon froh, „wenn im Bundeskanzleramt kein Hitzkopf, kein Cowboy, kein Mann sitzt, der sich besonders aufspielt, und keiner, der nationale Alleingänge macht“, erklärt Peer Steinbrück bei Markus Lanz.

Markus Lanz: Demokratischer Zusammenhalt als Ziel

Das von Olaf Scholz geprägte Wort der „Zeitenwende“ sieht er trotzdem kritisch und würde lieber von einem „Zeitenbruch“ sprechen: In einer Umbruchphase, in der Wladimir Putin versucht, die Grenzen der Demokratie neu zu setzen. Da müsse von der Regierung doch deutlicher erklärt werden, was die „Zeitenwende“ denn bringen soll und dass „auch wir Staatsbürger unseren Beitrag dazu leisten müssen“, verdeutlicht Peer Steinbrück bei Markus Lanz. Ist uns die demokratische Freiheit so viel wert, dass „wir aus einer langen gepflegten Bequemlichkeit langsam mal aufwachen“? Natürlich sei der Staat dafür da, die Menschen zu fördern, die unverschuldet in eine existenzielle Not geraten, aber ein Staat kann die Bevölkerung auch mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit fordern.

Markus Lanz: Putin wird keine Niederlage akzeptieren

Peer Steinbrück sieht an vielen Stellen die Erpressungsversuche von Wladimir Putin, denen es zu widerstehen gilt: Das sei die aktuelle Aufgabe der demokratischen Zivilgesellschaft. Auch wenn es das deutsche System damit zerbrechlicher macht. Wo die russische Verhandlungsbereitschaft förmlich nicht existent ist, wird Wladimir Putin unter keinen Umständen eine Niederlage akzeptieren. Da möchte der Ex-Finanzminister bei Markus Lanz keine Situation beschwören, „wo der Mann in seiner Eskalation noch höher in den Baum hinein krabbelt als ohnehin, weil er keine Möglichkeit mehr sieht, auf den realen Boden der Verhältnisse zurückzukommen.“

Markus Lanz: Für so manchen wird es richtig teuer und richtig eng

Die Fragilität der Situation wird weiterhin stark von den Entscheidungen der einzelnen Parteien abhängig sein, stimmt Sarah Pagung ihm bei Markus Lanz zu, auch wenn sie einen Sieg der Ukraine nicht für ausgeschlossen hält: „Russland kann nicht erobern, nicht halten, nicht kontrollieren.“ Nur eskalieren, möchte man hinzufügen, und die Frage bleibt, ob es in Deutschland auch eskalieren wird. Michael Bröcker sieht da ebenfalls die Parallelen zu 2009: Deutschland wird „in eine Situation hineinkommen, wo es dramatische Verlierer geben wird.“ Für so manchen wird es „richtig teuer“ und „richtig eng“. Da sei es wichtig, dass die Regierung nichts verspricht, was sie nicht halten kann, um den Unmut in der Bevölkerung nicht weiter zu schüren. „Es wird deutlich schlechter, bevor es wieder besser wird.“ Und dass es auch wieder besser werden kann, das zeigt (hoffentlich) die Geschichte. (Tina Waldeck)

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