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Markus Lanz begrüßt am Donnerstag (05.08.) die Gäste seiner ZDF-Sendung.
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Markus Lanz begrüßt am Donnerstag (05.08.) die Gäste seiner ZDF-Sendung.

Corona-Talk im Zweiten

Karl Lauterbach gegen Markus Lanz (ZDF): „Das ist banal, das ist eine Binse!“

Markus Lanz lädt sich einmal mehr seinen Lieblingsgast Karl Lauterbach ein. Doch diesmal läuft das Gespräch im ZDF anders als sonst üblich.

Hamburg – In der letzten Ausgabe der Talkshow mit Markus Lanz im ZDF vor der Sommerpause darf der Stammgast der Saison natürlich nicht fehlen: Karl Lauterbach, der SPD-Gesundheitspolitiker für Notfälle aller Art. Lauterbach sitzt auf dem begehrten Stuhl neben Lanz und erhält das Privileg der ersten Frage, doch das Gespräch verläuft anders als sonst zwischen dem eingespielten Team.

Zu Beginn der lebhaften Debatte bei Markus Lanz (ZDF) geht es um die Sinnhaftigkeit der Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche und die diesbezügliche politische Kommunikation. Lauterbach legt mit einer Mahnung vor und verweist darauf, dass eine ganze Generation das Risiko durchlaufe, mit der „nicht ungefährlichen Delta-Variante durchseucht zu werden.“

ZDF-Talk: Markus Lanz will es von Karl Lauterbach genauer wissen

Da ist es, das Schreckgespenst der Durchseuchung, schon vom Wording her ein Graus. Was fehlt: Eine klare faktenbasierte Erklärung, warum Delta für Kinder gefährlicher sein soll. „Könnte gefährlicher sein“ reicht offensichtlich für die Verabschiedung diverser Maßnahmen.

Markus Lanz will es genauer wissen und verweist auf den Widerspruch zwischen der Stiko-Empfehlung, die eine Kinder-Impfung bislang nur bei relevanten Vorerkrankungen empfiehlt, und der Politik, die ebenjene Impfung nachdrücklich feilbietet. Die Ethikerin Christiane Woopen greift die Frage auf und schießt nach, warum es die Politiker nun plötzlich besser wissen als die Wissenschaft. Lauterbach erklärt es so, dass die Politik „wissenschaftsbasiert fremdgegangen“ sei und diesmal eben auf andere Wissenschaftlerinnen und Studien gehört habe. Und weil doppelt besser hält, schiebt der SPDler noch einmal hinterher, dass die Delta-Variante für Kinder und Jugendliche gefährlicher als „Alpha oder gar der Wildtyp“ sei.

Corona-Pandemie: Delta-Variante interessiert Markus Lanz in dieser ZDF-Sendung nicht

Doch Delta interessiert Lanz in dieser Sendung nicht, ihm geht es um den „katastrophalen Eindruck“, den die Corona-Politik der Bundesregierung entstehen lässt. Nämlich den, dass sich die Politiker jeweils die Wissenschaftler heraussuchen, die ihnen gerade passen – das gelte auch für die dritte Covid-Impfung, die seitens der Politik bereits als sinnvoll gilt, obwohl bislang eine Positionierung der Stiko fehlt.

Karl Lauterbach erklärt bei Markus Lanz daraufhin, dass Politiker eigene Wissenschaftler haben, die sie beraten. So habe Jens Spahn einen „Experten-Trupp“, der sich „teilweise mit den Leuten überschneidet, die Angela Merkel beraten haben“ – wer auch immer das sein soll. Weiterhin ist Lauterbach sicher, dass auch die Stiko bald wieder „zu voller Blüte“ reife (Lanz: „Wer beurteilt das?“). Eine Kernfrage wirft dann Woopen auf: „Wovor sollen die Kinder eigentlich beschützt werden?“

NameBeruf
Karl LauterbachSPD-Gesundheitspolitiker
Prof. Christiane WoopenEthikerin
Marco WanderwitzOstbeauftragter der Bundesregierung
Lukas RietzschelAutor

Mit schweren Verläufen hätten Jüngere kaum zu rechnen, für Kinder unter 12 Jahren sei ohnehin kein Impfstoff verfügbar. Vielmehr schulde die Politik den Eltern eine Antwort oder Perspektive, wie der herbstliche Schulbetrieb konkret laufen soll. Auch Markus Lanz verweist im ZDF darauf, dass die Kinder „in Wahrheit ein unglaublich geringes Risiko“ schwerer Covid-Krankheitsverläufe hätten. Lauterbach sieht es anders und mahnt zur Vorsicht bei dieser Einschätzung.

Markus Lanz will über das „Chaos“ in der Corona-Politik sprechen

Markus Lanz ist immer noch nicht an Delta interessiert und bleibt beim „kommunikativen Chaos“ der Corona-Politik. Der Autor Lukas Rietzschel berichtet quasi als Stimme des Volkes, dass er „unglaublich müde“ sei, die Corona-Diskussion zu verfolgen. Rietzschel zeigt sich enttäuscht von der politischen Kommunikation, von Maskenaffären und anderweitiger Bereicherung, und wirft die Frage auf, ob die Forcierung der Impf-Debatten vielleicht ein Testballon sei, um die Reaktionen der Bevölkerung auszukundschaften.

Marco Wanderwitz, Ostbeauftragter der Bundesregierung, hat die übliche Floskel parat, dass es keine Blaupause für die Politik gab. Lanz bleibt dran: Natürlich sollen harte politische Äußerungen zur Impfung und dem Corona-Umgang im Herbst Reaktionen austesten, meint der Moderator: „Wir müssen doch jetzt hier keine Märchen erzählen.“ Gefühlt sei Impfpflicht, und das nach monatelangen gegenteiligen Ehrenworten seitens der Regierung.

Markus Lanz (ZDF): Karl Lauterbach findet Heiko Maas „großartig“

Auf die viel diskutierte Aussage des Außenministers Heiko Maas angesprochen, dass die Maßnahmen enden sollen, sobald alle Erwachsenen ein Impfangebot haben, weiß Lauterbach: „Heiko ist großartig“ – aber dessen Einschätzung teilt er nicht. Man müsse weiter vorsichtig sein und im Herbst „selbstverständlich Unterschiede zwischen Ungeimpften und Geimpften machen.“

Markus Lanz fragt nach, was „andere Regeln“ konkret bedeuten solle, Lauterbach erklärt abseits der Fragestellung, das Risiko für Nicht-Geimpfte im Club sei „superhoch“. Lanz demaskiert die Nicht-Antwort („Das ist banal, das ist ne Binse“) und will herausfinden, wie der Eintritt für Ungeimpfte in Restaurants und ähnliches ablaufen soll, warum der Gesundheitscheck per Test keine Option bleiben sollen. „Sollen denn die Geimpften den Test der Ungeimpften zahlen?“ polemisiert Lauterbach. Lanz kontert, ob es sich dann nur Reiche leisten können, sich nicht zu impfen. Die Ethikerin Woopen empfindet die „Diskriminierungen, die hier eingeführt werden“, als unnötig, und wirft hinterher: „Genesene werden auch noch nicht anständig behandelt.“ Ein schönes Hin und Her.

Markus Lanz macht zum Schluss der ZDF-Sendung einen kurzen Abstecher

Zum Schluss macht die Sendung noch einen Abstecher in den Osten, da bei der Impfbereitschaft ein Ost/West-Gefälle auffällt (Nord/Süd übrigens auch). Im Kontrast zu den zuvor kritischen Einlassungen geht es den Ungeimpften nun hinterrücks an den Kragen. Die Rechnung geht so: Im Osten wird viel AfD gewählt, also „rechtsradikal“ und „undemokratisch“ (Wanderwitz), was im Umkehrschluss wohl heißt, dass Nicht-Geimpfte vermehrt Rechtsextreme sind.

Als Erklärung für die kleinere Impfbereitschaft in Ostdeutschland halten zudem Klassiker wie die „Umbrucherfahrung“ (Wanderwitz) nach 1989 oder die „enttäuschte Demokratieerfahrung“ (Lauterbach) der Diktatur-Gebeutelten her. Der Erkenntnisgewinn des letzten Drittels hält sich in Grenzen, der Anfang dieser letzten Lanz-Show vor der Sommerpause ist aber allein schon deshalb sehenswert, weil Lanz sein Pandemie-Tandem Lauterbach inzwischen ganz anders befragt – schade nur, dass er trotzdem dieselben Antworten bekommt. (Christian Horn)

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