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Markus Lanz (ZDF): Joachim Gauck nennt Wladimir Putin einen „Killer“

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Von: Tina Waldeck

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Beim Talkformat von Markus Lanz im ZDF äußerte Bundespräsident a.D. Joachim Gauck auch Kritik an der Perspektive der Intellektuellen.
Beim Talkformat von Markus Lanz im ZDF äußerte Bundespräsident a.D. Joachim Gauck auch Kritik an der Perspektive der Intellektuellen. © Cornelia Lehmann/ZDF

Joachim Gauck formuliert mit sanfter Stimme kraftvolle politische Worte, die zu einer menschlichen Haltung animieren sollen. Da wird auch Markus Lanz persönlich.

Berlin – Der Bundespräsident a. D. war schon immer kritisch gegenüber Russland und hatte ein klares Bild von Wladimir Putin, „aber, dass er es so weit treiben würde: Dass er in diesem Europa nach einer langen Zeit des Friedens“ und „einem gedeihlichen Miteinanders auch zwischen dem Westen und Russland“ seinen „imperialen Traum“ mit diesem Angriffskrieg umsetzt, das ist für Joachim Gauck „doch einigermaßen erstaunlich“. In seinen Augen ist dieser aktuell „besessen von einer Ideologie“, bei der eine individuelle „kritische Selbstwahrnehmung“ verschwindet.

„Man schraubt das Firmenschild Kommunismus ab“ und montiert ein neues, für welches das neue nationale Interesse der Größe Russlands nun stehen soll und wie der Herrscher es sehen möchte, so Gauck im Gespräch mit TV-Journalist Markus Lanz im ZDF. So leben auch an vielen anderen Orten in der Welt „Übergangsgesellschaften“ auf, deren Bevölkerungen den „Restbestand an Vertrauen“ in „Führer“ stecken. „Wir tauschen (…) den Verlust unserer eigenen Freiheit ein, gegen die Freude an der Größe des Ganzen“ und „der eigentliche Feind dabei ist das liberale Denken“, das diesem Wunschbild von „konservativen Denken unerträglich scheint.“

Markus Lanz und Joachim Gauck mit Gespräch über Putin: „Defizit an Kopf und Herz“

In den demokratischen Gesprächen wurde nie offen gesagt, „das ist ein Lügner oder ein Killer.“ Der ehemalige Bundespräsident mochte es aber noch nie, so zu tun, „als wüsste er nicht, wer ihn da besucht“ oder als wüsste er nicht, was Kommunismus bedeutet: Subtile verbale Spitzen in den Gesprächen, die die Verhältnisse aller Beteiligten gerade rücken „das geht, das kann man schon machen“, um damit eine bestimmte Haltung zum Ausdruck zu bringen. Dazu nicht fähig zu sein, „ist ein Defizit an Kopf und Herz.“

Grünen-Vizekanzler Robert Habeck erfüllt ihn da aktuell mit Freude. „Politik machen heißt nicht nur Ziele zu definieren und Inhalte zu beschreiben“, sondern auch Werte zu vermitteln, „die wir für richtig halten“ und diese auch zu kommunizieren. Zu oft verlasse sich die Politik da auf die Medien, „deshalb gibt es ja die Talkshows“: Medien sind „vermittelnde Instanzen“ und die Politik „kann in einer Medienlandschaft wie der unsrigen sich darauf verlassen, dass man nicht durchgängig missverstanden wird.“

Robert Habeck ist dazwischen „der Typus an Politiker“, der imstande ist, eigenständig „zu erklären, warum wir was machen.“ Dadurch kann die deutsche Bevölkerung hier stärker und aktiver in einen Dialog treten, um die Handlungen und damit die Position in der weltweiten Wahrnehmung zu hinterfragen.

TV-Kritik zu Markus Lanz: Über den pazifistischen Ansatz und das richtige Verhalten im Krieg

Markus Lanz hat im italienischen Militär gedient und war für sich immer der Meinung, „wenn es drauf ankommt, nehme ich die Beine in die Hand und sehe zu, dass ich so schnell wie möglich wegkomme.“ Auf jemanden schießen, „das will ich in meinem Leben nicht tun müssen.“ Der Krieg hat nun diese Haltung verändert. Was wäre, wenn Berlin angegriffen werden würde? Auch Joachim Gauck würde sich wünschen, nie zur Waffe greifen zu müssen, aber in einem solchen Fall würde er es tun.

Der pazifistische Ansatz, „so ehrenvoll er im persönlichen Leben ist“, ist ein Ansatz, „der nicht zum Guten führt“, denn er fördert die „Dominanz der Bösen.“ Wir brauchen in dieser Welt „nicht die Kapitulation vor dem Gewissenlosen.“ „Freiheit gibt es auch als Freiheit FÜR etwas. Verantwortung für etwas.“

Markus Lanz und Joachim Gauck im ZDF: Intellektuellen fehlt die „Perspektive der Opfer“

Ist die veröffentlichte Meinung der Medien dabei eine ganz andere, als die öffentliche Meinung der breiten Masse, fragt Markus Lanz in Bezug auf sein letztes Gespräch mit dem Philosophen Richard David Precht. Die Dinge mögen „Herrn Precht gefallen oder nicht“, aber „wir wollen nicht so tun, als wären wir schon wieder vor der Flucht vor der Realität.“ Den „Appell der Intellektuellen“ sieht Joachim Gauck kritisch, denn ihnen fehlt „die Perspektive der Opfer“: Sie tun so, als säßen sie in „einer Himmelshöhe“ und schauten sich von dort die unmündige Welt an.

Aber wie kann „man auf Verhandlung setzen“ und dabei dem „einen Verhandlungspartner (…) nicht weiter aufhelfen?“ So eine Ansicht missfällt dem ehemaligen Bundespräsidenten enorm. Ein „Verzicht auf Waffenlieferungen“ wäre für ihn „eine Begünstigung des Aggressors.“ Und sollte Wladimir Putin Erfolg in der Ukraine haben, währen alle anderen kleinen Länder drumherum in den Augen des ehemaligen Bundespräsidenten „Verführungsmasse“, für den, dem die Herrschaft dann ja anscheinend gebührt: „Wenn du so anfängst zu denken, dann kannst du dir das ganze Völkerrecht ja irgendwie sonst wo Hinstecken.“ (Tina Waldeck)

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