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Markus Lanz (ZDF): Robert Habeck will Wassertemperatur bei Schwimmbädern senken

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Von: Daland Segler

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Robert Habeck zu Gast bei Markus Lanz.
Robert Habeck zu Gast bei Markus Lanz. © Screenshot ZDF

Markus Lanz ließ diesmal seinen Gast beim ZDF-Talk ausreden und Robert Habeck zeigte sich erneut als so ehrlicher wie nachdenklicher Politiker.

Hamburg – Es begann noch mit diesem typischen Alarmismus: „Was braut sich da zusammen“, fragte Markus Lanz im ZDF seinen Gast. Der aber hatte eine andere Perspektive. Es müsse nicht zappenduster werden, beruhigte Robert Habeck den Moderator (und die Zuschauer). Der Wirtschaftsminister war zugeschaltet an diesem Abend und einer von nur zwei Gesprächspartnern bei Lanz.

Der andere war Elmar Theveßen, derzeit USA-Korrespondent und womöglich – so sind für gewöhnlich die Karriere-Wege – irgendwann Intendant in Mainz oder anderswo. Während aber Theveßen nur ausführlicher darlegte, worüber er im heute journal schon berichtet hatte – die Erosion der US-amerikanischen Demokratie – konnte Habeck die verschiedenen Facetten der aktuellen oder auch drohenden Energiekrise beleuchten.

Robert Habeck versichert bei Markus Lanz (ZDF) Unterstützung für Energie-Unternehmen

Dabei bemühte sich der Politiker ein ums andere Mal, nicht nur die möglichen Gefahren nüchtern darzustellen, sondern hob immer auch darauf ab, dass der Staat Handlungsmöglichkeiten habe – und diese notfalls auch nutzen werde. Zum Beispiel Uniper. Der Konzern droht in die Schieflage zu geraten, wenn er keine staatliche Unterstützung bekommt. Markus Lanz bezifferte den monatlichen Verlust auf 900 Millionen Euro.

Der Minister machte klar, man werde nicht riskieren, dass solche Unternehmen bankrottgehen, sondern verhindern, dass der gesamte Energiemarkt „infiziert“ werde. Als Lanz eine Summe nannte, mit der Uniper geholfen werden solle, wehrte sich Habeck gegen das Wort „Hilfe“, denn es gehe um Versorgungssicherheit.

Die ist einstweilen nicht gefährdet, aber was, wenn Wladimir Putin das Gas durch Nordstream 1 nach dessen Sanierung nicht wieder fließen lässt, wollte Lanz wissen. „Wir sind nicht nur passiv“, versicherte Habeck und nutzte die Gelegenheit, seine „demokratische Begeisterung“ über das Verhalten der Bevölkerung auszudrücken. Er lobte den Willen zu Einsparungen, und verwies auf weitere Möglichkeiten, weniger Energie zu verbrauchen, etwa wenn Schwimmbäder statt 28 nur noch 22 Grad warmes Wasser vorhielten. „Und wenn uns kalt wird, dann schwimmen wir eben.“ Gewiss, es werde alles anstrengender, aber es zeige sich doch eine große Solidarität: „Das Land steht demokratisch zusammen.“

Markus Lanz (ZDF): Die Gäste der Sendung vom 6. Juni

Das versuchte Lanz zwar mit er Szene einer Demonstration zu konterkarieren, bei der gegen Habeck gepöbelt wurde: Es werde doch ungemütlicher? Der Minister aber erkennte lediglich eine „normative Verwirrung“ der Protestler, die nur einen Teil ausmachten. Lanz wollte wissen, warum Politiker:innen so durchgängig das Wort „Verzicht“ mieden. Da war er bei Habeck an den Falschen geraten.

Markus Lanz zitiert im ZDF Wolfgang Kubicki: Werden wir Pullover stricken müssen?

Wie konkret der Mann sich mit der Materie beschäftigt, gab er am Beispiel von Bäckereien zu erkennen, die nicht bis abends um 20 Uhr alle Brötchensorten vorhalten müssten. Vielleicht ließe sich aus der Krise auch lernen, unsere Selbstvergessenheit zu hinterfragen, formulierte da der Philosoph im Politiker. Und der Realist bekannte auf die Frage des Moderators nach den LNG-Schiffen, die statt den Philippinen nun den Europäern ihr Gas verkauften, „dass wir Profiteure des globalen Handels sind“. Das müsse sich ändern.

Zur Sendung

Markus Lanz im ZDF. Die Sendung vom 6. Juni 2022 in der ZDF-Mediathek.

Und weil Lanz nun mal Lanz ist und der Abend so wenig an Schlagzeilen-trächtigem Stoff hergab, musste er noch den oft irrlichternden FDP-Mann Kubicki zitieren, dem schon davor graute, dass wir im Winter Pullover stricken müssten. Habeck gab sich unbesorgt: Kubicki werde es auch im Pullover überleben. (Daland Segler)

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