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Markus Lanz und seine Gäste.
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Markus Lanz und seine Gäste.

TV-Talk im ZDF

Markus Lanz (ZDF): Greenpeace-Gleiter löst heftigen Schlagabtausch der Gäste aus

  • Tina Waldeck
    VonTina Waldeck
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Im ZDF-Talk von Markus Lanz kommt es zu einem spannungsgeladenen politischen Scharmützel zwischen der Linken und der FDP.

Berlin - Immer bewusster wird Fußball auch als politische Bühne genutzt: Beim deutschen EM-Auftakt flog ein Gleitflieger von Greenpeace in die Münchner Arena und hat bei einer Not-Landung zwei Männer schwer verletzt. Es folgte scharfe Kritik an der Aktion. Als sich Greenpeace-Aktivisten früher an Ölplattformen ketteten oder mit Schlauchbooten gegen große Walfänger unterwegs waren, brachten sie zumindest nur ihr eigenes Leben in Gefahr: Hier aber wurde das Leben von Unbeteiligten gefährdet.

Wenn er jetzt ein Terrorist wäre, erläutert Alexander Graf Lambsdorff, Diplomat und FDP-Politiker, könne er sich daran ein Beispiel nehmen, auf einen Gleiter Greenpeace schreiben und bekäme einen Freiflugschein. Eine schmale Grenze zwischen Öko-Aktivismus und Straftat sowie zwischen gemeinnützig und gemeingefährlich stimmt ihm die österreichische Juristin und Welt-Chefreporterin Anna Schneider zu. Auch Greenpeace kann sich nicht alles erlauben. Ein „Bärendienst“ war das, unterstreicht es auch Lucas Vogelsang, Journalist, Autor und Moderator eines wöchentlichen Fußball-Podcasts: eine Handlung, die in einer guten Absicht erfolgt, aber letztendlich schlechte Folgen nach sich zieht.

Markus Lanz: Grenzüberschreitungen bei Greenpeace

Greenpeace hat allerdings schon immer von Grenzüberschreitungen gelebt, um existenzielle Fragen aufzuzeigen, die auf das gefährdete Leben von allen hinweisen, versucht Katja Kipping, ehemalige Parteivorsitzende der Linken, zu analysieren. Fast schon ein Euphemismus befindet Alexander Graf Lambsdorff: So was dürfe man nicht verharmlosen und sachlich auswerten. Es führe deutlich die Verletzlichkeit eines großen Events und damit eine Bedrohung vor Augen.

Die Gäste bei Markus Lanz (ZDF)

Katja Kippingehemalige Parteivorsitzende der Linken
Alexander Graf Lambsdorff Diplomat und FDP-Politiker
Anna SchneiderChefreporterin der Welt
Lucas VogelsangAutor und Produzent eines Fußball-Podcasts

Markus Lanz möchte auch noch die Eskapade von Cristiano Ronaldo ansprechen, der bei der Pressekonferenz zwei Coca-Cola-Flaschen vom Tisch räumte und offensichtlich lieber für Wasser werben wollte. Katja Kipping versucht zunächst allgemein zu vermitteln, dass Fußball immer auch politisch sei, auch in Bezug auf den mit Blut getränkten Rasen durch die Vergabe der Fußball-WM 2022 in das Regime nach Katar.

Die Diskussion dehnt sich aus und verliert ein bisschen den Fokus auf Cristiano Ronaldo, was diesem wahrscheinlich nicht gefallen hätte. Ausnahmsweise unterbricht Markus Lanz hier nicht, sondern Lucas Vogelsang bringt den Fokus wieder zurück: „Wenn der größte kontinentale Werbeträger einen Sponsoren dieser Europameisterschaft beiseiteschiebt, dann ist das ein Worst-Case-Sze­na­rio.“ „Er hat nicht nur die ungarische Abwehrreihe zerstört, sondern auch noch den Börsenkurs von Coca-Cola.“ Wie verletzlich ist das ganze System auch durch die Kraft eines Individuums?

Talk im ZDF: Markus Lanz spricht über die Fußball-EM

Auch der Herzstillstand von Christian Eriksen ist ein sensibles Thema. Hätte die Uefa hier nicht ein Zeichen setzen müssen, um sich schützend vor die emotional angeschlagene Mannschaft zu stellen? Oder zählt nur: The show must go on? Auch beim ZDF in der Übertragung: Wie schnell hätten die Verantwortlichen aus dem voyeuristischen Blick der Kamera hinausgehen und Empathie zeigen müssen? Eine Ausnahmesituation befindet Anna Schneider. Nicht nur für die Spieler, sondern auch für das erschrockene Publikum, sowohl im Stadion als auch an den Monitoren. Ist es humaner, den Blick abzuwenden oder dabei zu bleiben und mitzuleiden?

Lucas Vogelsang ist hier ganz in seinem Diskussionsmetier. Auch das Niederknien im Fußball als Solidarisierung mit der „Black Lives Matter“-Bewegung und als Zeichen gegen Rassismus bewegt die politische Diskussion: Nicht jeder Fan unterstützt so etwas. Aber solche menschlichen Gesten bleiben intensiver im Gedächtnis und bewirken mehr als nur ein Banner, welcher unpersönlich durchs Bild getragen wird. Fußball setzt hier näher am Menschen an und der Sport wird zu einem Abbild der Gesellschaft. Die Kamera bleibt auf das Leid gerichtet und während die belgischen Spieler sich niederknien, bleiben die russischen Spieler demonstrativ stehen. So werden auch Statements gesetzt.

Putin und Biden werden im ZDF-Talk bei Markus Lanz thematisiert

Auch in den politischen Treffen jenseits vom Sport: wie in dem Treffen von Joe Biden und Wladimir Putin. Manche hätten sich hier gedacht, das Biden sich entschuldigen müsse, weil er gesagt habe, Putin sei ein Mörder, beschreibt Alexander Graf Lambsdorff die Ausgangssituation erneut klar und anschaulich. Da war Obamas Aussage 2014, Russland sei eine Regionalmacht, eine viel größere Verletzung, stimmt ihm Katja Kipping stürmisch zu. Russland ist eine Weltmacht und das Treffen etabliert das auch. Das Regime ist militärisch eine absolute größere, mit exzellenten Ingenieuren und Technikern und auf diesem Gebiet auf Augenhöhe mit den Amerikanern und den Chinesen.

Natürlich brauche es Gespräche, konkretisiert Katja Kipping, aber keine Kreml-Astrologie drum herum, in die man Dinge wieder einmal hinein interpretiere. Sie fühle sich mit Russland immer noch verbunden und in der russischen Bevölkerung gebe es eine Verhärtung in der Stimmung und die Sanktionspolitik habe nicht dazu beigetragen, das aufzulockern. Demokratische Wahlen seien kaum denkbar, stimmt auch Alexander Graf Lambsdorff ihr zu. Die Opposition fliehe oder werde eingesperrt. Eine massive Einschüchterung. Putin wolle auf keinen Fall Bilder, wie sie aus Belarus in die Welt hinaus gehen.

Ob es im Wesen der Linken liege, zu Russland ein geschmeidiges Verhältnis zu haben, hinterfragt Anna Schneider. Sofort versucht Katja Kipping klarzustellen, dass in ihrem Verständnis die EU sich weder klar zu Russland noch klar zu den USA ausrichten sollte, sondern eine eigenständige Position finden müsste. Sie wollten eine eigenständige Position der EU, eine Abrüstung bis hin zu einer Entspannungspolitik. Die Linke forderten eine Auflösung der NATO und ein eigenes Sicherheitssystem unter Beteiligung mit Russland, liest Markus Lanz von seinen Notizen vor.

Markus Lanz (ZDF): Kipping gegen Lambsdorff

Daraufhin entbrennt ein sich vertiefender Schlagabtausch zwischen Katja Kipping und Alexander Graf Lambsdorff, welcher nun erst einmal klarstellt, dass die Wertegemeinschaft des Westens viel größer sei als nur die Nato – und alle die Länder integriere, deren Verfassung auf der Grundidee der Freiheit aufbauen. Aber auch der Westen müsse die Interessen immer abwägen. Deutschland brauche Verbündete in militärischer Art. Katja Kipping zweifelt aber, ob man die Sicherheit mit einer Aufrüstung heutzutage überhaupt noch gewährleisten könne. Die Kenntnisse der eigenen Interessen, greift wieder Alexander Graf Lambsdorff ein, der europäischen Interessen, der Interessen aller anderen Akteure seien ein stetiger Abwägungsprozess.

Lambsdorff führt aus: Die Staaten hätten miteinander ein Interesse und fänden Kompromisse. Kompromisse, die auch wieder Konsequenzen hätten. So habe die Ukraine 1994 Atomwaffen an Russland abgegeben, gegen das Versprechen von Russland geschützt zu werden. Und nun werde das Land dafür bestraft, das es eine Entspannungspolitik wollte und eine Abrüstung gemacht habe. Russland betreibe eine verheerende aggressive Außenpolitik, auf die alle anderen Länder genau schauten und darüber nachdächten, welche Konsequenzen sie daraus ziehen würden. Sei die Nato daher nicht eine Absicherung, um nicht genauso angreifbar zu werden?

ZDF-Talk Markus Lanz

Die Sendung von Markus Lanz am 16. Juni 2021 in der ZDF-Mediathek zum Nachschauen

FDP und LInke kommen sich nicht näher - auch bei Markus Lanz (ZDF) nicht

Trotz aller dieser Argumente bleibt Katja Kipping hartnäckig bei ihrer Position, dass es eine Wende zur Abrüstung und zur Entspannungspolitik geben müsse, weil es die Welt nicht sicherer mache, wenn noch mehr Bomben und Waffen hergestellt würden. Das Geld werde nämlich an anderer Stelle mehr gebraucht: Deutschland habe eine soziale Spaltung, die nachhallenden Auswirkungen der Pandemie mit einer Schwächung des Gesundheitssystems sowie die Klimakatastrophe. Da brauche es einfach eine sozial-ökologische Wende.

„Radio Moskau ist auf Sendung, wenn die Leute von der Linken am Redner-Pult sind“, wirft Alexander Graf Lambsdorff lakonisch dazwischen. Die Linke und die FDP kommen sich auch heute nicht näher. Auch nicht bei anderen Fragen in dem sonstigen sozialen Voodoo. Das macht Alexander Graf Lambsdorff sehr deutlich. Die beiden Parteien werden nie miteinander koalieren. Und bei der FDP wird es keine Steuererhöhung geben. Punkt und Abpfiff. (Tina Waldeck)

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