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Friedrich Merz bei Markus Lanz – Da hört der Humor auf

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Von: Tina Waldeck

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Markus Lanz im ZDF: Die Sendung vom 13. September 2022.
Markus Lanz im ZDF: Die Sendung vom 13. September 2022. © Screenshot ZDF

„Es gibt Regeln, an die sich alle halten müssen“ erklärt Friedrich Merz bei Markus Lanz (ZDF) und spielt die konservative Karte.

Hamburg – „Sie sind ja gut drauf heute Abend“, stellt Friedrich Merz (Bundesvorsitzender der CDU) fest, als Markus Lanz (ZDF) diesen ironisch als Frauenrechtler bezeichnet und sich fragt „ob er überhaupt noch gendern darf“, wenn der CDU-Alpha-Mann neben ihm sitzt. Der beklagt sich über den „deutschen Humor“ und muss feststellen, dass es gar nicht mehr so leicht ist zu kontrollieren, was Menschen tun, – auch Robin Alexander (stellvertretender Chefredakteur der Welt) und Karen Pittel (Ökonomin) lassen sich nicht so leicht von ihm beeinflussen.

Wenn die Frauenquote eine gute Idee ist, dann ist die CDU sehr spät dran, denn das, was sie „jetzt beschlossen hat, das hat die SPD schon vor 34 Jahren“ umgesetzt, erklärt Robin Alexander bei Markus Lanz (ZDF) wie immer sachlich. Auf diesem Parteitag hat Friedrich Merz auch ein Kinderbuch von Robert Habeck ins Lächerliche gezogen: „Wir brauchen hier Menschen in den Ämtern, die was verstehen von den Aufgaben“ hat er in Richtung des Wirtschaftsministers getreten. Doch wenn Robin Alexander an die letzten 16 Jahre der CDU-Regierung denkt, dann saßen da ziemlich oft Menschen mit wenig Ahnung in den Ämtern.

Markus Lanz (ZDF): Robin Alexander war auch wieder da

Robert Habeck hat zusammen mit seiner Frau Kinderbücher geschrieben, als die beiden sich parallel um ihre vier Kinder sowie um ihre Dissertationen kümmerten: „Das ist für ein Paar nicht das schlechteste Arbeitspensum“ und wenn sie fleißig sind und arbeiten, spricht das „noch nicht gegen die Menschen“, findet Robin Alexander bei Markus Lanz (ZDF). Auch Friedrich Merz hat mit seiner Frau drei Kinder und zusammen haben sie vier Staatsexamen, wirft sich dieser gleich in Position: „Trotzdem darf man doch so was humorvoll mal sagen.“ Das ist „ein Stück der Humorlosigkeit in Deutschland“ ärgert er sich. Doch zur Seite zu treten und sich über andere Menschen stellen ist eine niedrige Art des Humors (auch in anderen Ländern). „Ist das das neue Niveau der CDU?“, fragt da Markus Lanz, denn auch die öffentlich-rechtlichen Sender sind Teil des von oben herab schauenden Blickes von Friedrich Merz.

Friedrich Merz bei Markus Lanz (ZDF): Da hört der Humor auf

„Es gibt Regeln, an die sich alle halten müssen“, spielt Friedrich Merz die konservative Karte und verweist auf die Gebühren, die „die Bürger zwangsweise bezahlen müssen.“ Das sollte einen Unterschied machen, in dem, was berichtet und wie gesprochen – gegendert oder nicht gegendert – wird. Immerhin sind die Regeln „verbindlich festgelegt worden, für die Verwendung der deutschen Sprache.“ Da hört bei ihm der Humor offensichtlich auf. Im privaten Bereich sowie bei privaten Fernsehsendern können „diese machen, was sie wollen.“ Aber wenn Markus Lanz im ZDF schon von den Rundfunkgebühren bezahlt wird, „die ja alle bezahlen müssen in Deutschland“, da sollten „die Fernsehzuschauer einen Anspruch darauf haben“, dass sich „Moderatoren an die Regeln halten.“

Mit dieser Argumentation hat Markus Lanz ein Problem: Warum soll er im ZDF eingeschränkter sein, als er es bei RTL wäre, – auch wenn er gar nicht gendert? Die Zuschauer bleiben doch gleich. Und „an privaten Universitäten“ können sie dann machen, was sie wollen, hakt Karen Pittel nach: ohne Rücksicht auf Verluste? Die Gleichung von Friedrich Merz geht nicht auf. Sie hat kein Problem damit, wenn nicht gegendert wird, aber sie hat ein Problem damit, wenn nun das Gendern wiederum verboten wird. Es gibt immerhin auch „ein Teil der Bevölkerung, der sehr sensibel darauf reagiert“, welche „Bilder mit Sprache weitergegeben werden.“ Niemand soll gezwungen werden, das zu benutzen: Aber niemand soll ebenfalls dazu gezwungen werden, das nicht zu benutzen! „Sprache ist immer etwas Dynamisches“ und sie „wächst durch den Gebrauch von allen.“

Friedrich Merz attackiert das öffentlich-rechtliche Fernsehen

Aber selbst Robin Alexander ist vorsichtig damit, Sprache zu verändern: „Die Leute hassen es“, das ist seine konkrete Erfahrung mit Gendern. Ist es eine Generationenfrage, ein Generationenkonflikt? Auch seine Tochter schreibt ihre WhatsApp-Nachrichten nicht gegendert und „es gibt einfach Dinge in einer Gesellschaft, die unveränderlich sind“, zitiert er den Soziologen Armin Nassehi. Schlafen, Essen, repetitive Muster in der täglichen Banalität: „Man möchte, dass man sich in seiner Sprache zu Hause fühlt.“ Gerade wenn die Gesellschaft unter einem enormen „Veränderungsdruck“ ist, wie augenblicklich. Da „steigt das Bedürfnis, dass sich bestimmte Dinge wie gewohnt anfühlen“ und die Menschen „empfinden das noch stärker“, wenn andere ihnen eine fremde Richtung überstülpen wollen.

Die Regeln der Sprache „macht das Amt für deutsche Sprache“ und laut denen ist „das Gendern mit den Regeln der deutschen Sprache nicht zu vereinbaren“, erklärt Friedrich Merz. „Sie sind doch keine Volkserziehungsanstalt“, wirft er den Moderatoren im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor, die Menschen belehren zu wollen, – und macht doch im politischen nichts anderes: „Es hat doch auch etwas Belehrendes, wenn sie das dann verbieten“, wirft da Markus Lanz auch sofort ein. „Nein“ schüttelt dieser, ganz unschuldig blickend den Kopf, er will und kann das auch gar nicht verbieten. Das macht dann das Amt für deutsche Sprache. Das ist deutscher Humor! Und wenn keine greifbaren Argumente mehr da sind, versucht Friedrich Merz den CDU-Alpha-Mann auszuspielen und weist Markus Lanz mit barschem Ton förmlich an, das Thema zu wechseln, denn die Menschen haben „auch andere Sorgen als das Gendersternchen“. Doch dieser lässt sich in seiner ZDF-Talkshow kollektiv mit der Runde (und anderen) nicht so einfach manipulieren wie ein CDU-Parteitag. (Tina Waldeck)

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