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Fachkräftemangel bei Markus Lanz: „Die Rente mit 63 ist ein Unding!“

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Von: Michael Meyns

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Talkrunde mit Markus Lanz im ZDF am 11. Januar 2023.
Talkrunde mit Markus Lanz im ZDF am 11. Januar 2023. © Screenshot ZDF

Mangel an Talkshowmoderatoren gibt es im TV nicht, Mangel an Facharbeitern dafür um so mehr. Dieses Thema diskutierten Markus Lanz und seine Gäste.

Hamburg – Bevor es zum Hauptthema ging, wurde es bei Markus Lanz im ZDF tagespolitisch: Der Beginn der Räumung im Braunkohletagebau von Lützerath. Dass Proteste gegen den Klimawandel grundsätzlich legitim und notwendig sind, da waren sich alle Beteiligten einig, doch nicht nur Hubertus Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales und SPD-Vize, kritisierten die Methoden, mit denen Lützerath zu einem Symbol gemacht werden soll. Bewohnt ist das winzige Dorf längst nicht mehr, alle Bewohner sind weggezogen, hier noch zu protestieren schien auch Antje Höning, Wirtschaftsexpertin der „Rheinischen Post“, unsinnig.

Dass in vielen Medien minutiöse Live-Ticker jeden Aspekt der Räumung beleuchteten, stieß Carlo Masala, Professor für internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, sauer auf. Nicht die einzige Medienkritik, die der aus Italien stammende Politikwissenschaftler vornahm: Auch Friedrich Merz in der gestrigen Lanz-Sendung gemachte Polemik von „Kleinen Paschas“ nahm Masala zum Anlass für eine emotionale Anklage gegen die Einseitigkeit der Diskussion, wenn es um tatsächliche oder angebliche Gewalt von Menschen mit Migrationshintergrund geht. Allzu pauschal argumentieren Politiker wie Merz in solchen Situationen, fordern Abschiebungen, auch wenn die meisten Täter den deutschen Pass haben, und verschlechtern das gesellschaftliche Klima.

Die Rente bei Markus Lanz (ZDF): Die Zahlen sind eindeutig

Ein Klima, das auch in Bezug auf die dringend notwendige Migration von Relevanz ist, die in den nächsten Jahren benötigt wird, denn die Zahlen sind eindeutig: In den nächsten 15 Jahren werden 13 Millionen Menschen in Rente gehen. Eine enorme Menge an jungen Menschen müsste nachwachsen, um sie zu ersetzen, doch woher nehmen? Die deutsche Bevölkerung wird älter, die Geburtenraten bleiben niedrig, die Zuwanderung ebenfalls. „Wir stehen in einem internationalen Wettbewerb“ erklärte Arbeitsmarkt-Ökonom Simon Jäger, Chef des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), bei Markus Lanz im ZDF. Die Hürden für Fachkräfte, nach Deutschland zu ziehen sind immer noch hoch, von der Sprachbarriere ganz abgesehen.

Markus Lanz im ZDFDie Gäste der Sendung vom 11. Januar
Hubertus HeilBundesminister für Arbeit und Soziales und SPD-Vize
Simon JägerArbeitsmarkt-Ökonom
Antje HöningJournalistin
Carlo MasalaPolitikwissenschaftler

Hubertus Heil erklärte, dass selbst ein Ausnutzen aller Potenziale im Inland trotzdem nicht reichen wird, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Wir brauchen eine Willkommenskultur“ betonte Heil bei Markus Lanz im ZDF, doch davon scheint die Bundesrepublik sich immer weiter zu entfernen. Doch viele Probleme sind hausgemacht: 1,3 Millionen Deutsch im Alter 20 und 30 Jahren haben keine Ausbildung. Ein Problem ist ohne Frage, dass immer weniger Menschen sich gegen eine Ausbildung entscheiden, dass in vielen Bereichen des Handwerks Ausbildungsstellen frei bleiben. Ein Missstand, den Heil auf die hübsche Formel: „Wir brauchen nicht nur Master sondern Meister“ brachte.

Markus Lanz (ZDF): Ein Problem der Strukturen

Simon Jäger wollte das nicht so stehen lassen: Er versuchte bei Markus Lanz im ZDF zu erklären, dass das Problem weniger ein realer Fachkräftemangel sei, sondern die verkrusteten Strukturen. Mit besseren Arbeitsbedingungen, höheren Löhnen, attraktiveren Bedingungen, würden Unternehmen Arbeitskräfte finden. Am Problem der alternden Bevölkerung und der Schieflage des Rentensystems ändert das allerdings auch nichts. „Die Rente mit 63 ist ein Unding!“, sagte Antje Höning dazu, eine These, die kaum noch als gewagt zu bezeichnen ist. So früh abschlagsfrei in Rente zu gehen, kann in einem Land mit Fachkräftemangel nicht Standard sein. Da widersprach Hubertus Heil, doch über der Frage, ob nun die Rente mit 64, 65 oder 66 am sinnvollsten sei, ging die Frage ein wenig unter, wie man die dringend benötigte Zuwanderung erreichen kann.

Zur Sendung

Markus Lanz im ZDF. Die Sendung vom 11. Januar 2023 in der ZDF-Mediathek.

Die ist in den letzten Monaten als Nebenaspekt des Kriegs in der Ukraine gestiegen. Viele Flüchtlinge aus der Ukraine sind schon in der deutschen Arbeitswelt integriert, ob und wie lange sie in Deutschland bleiben werden, wird auch vom Fortgang des Krieges abhängen. Carlo Masala analysierte bei Markus Lanz im ZDF, welchen Einfluss die jüngst beschlossene Lieferung von Marder-Panzern haben könnte. Nur bedingt, denn, so Masala: „Dieser Krieg wird diplomatisch enden. Aber die Voraussetzung dafür ist, dass die russische Föderation von ihren Maximalforderungen abrückt.“ Fast ein Jahr herrscht schon Krieg in der Ukraine, die Brutalität der Kämpfe lässt nicht nach, im Gegenteil. Doch ein Ende der Kämpfe ist nicht abzusehen, in Russland könnte eine neue Welle der Zwangsrekrutierung bevorstehen, das Thema Ukraine-Krieg wird die Welt noch lange Zeit beschäftigen. (Michael Meyns)

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