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Markus Lanz diskutiert im ZDF mit Grünen-Politiker Oliver Krischer über Annalena Baerbock.
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Markus Lanz diskutiert im ZDF mit Grünen-Politiker Oliver Krischer über Annalena Baerbock.

TV-Kritik

„Nebelkerzen-Wurfaktion“ - Markus Lanz (ZDF) streitet sich mit Grünen-Politiker über Baerbock

Im ZDF-Talk von Markus Lanz stand die Plagiatsdebatte zu Annalena Baerbocks Buch „Jetzt“ im Zentrum - danach ging es um die Corona-Lage und die Fußball-EM. 

„Finden Sie das seriös?“, wollte Markus Lanz (ZDF) an einer Stelle von Oliver Krischer wissen. Der Grünen-Politiker hatte die undankbare Aufgabe übernommen, sich im aktuell aus dem Ruder laufenden Bundestagswahlkampf der Grünen zu den Plagiatsvorwürfen rund um das Buch „Jetzt“ der Kanzleramtskandidatin Annalena Baerbock zu äußern. Dass Baerbock und/oder ihr Ghostwriter ganze Passagen aus anderen Texten etwa der Deutschen Welle oder der Bundeszentrale für politische Bildung eins zu eins übernommen haben, wollte Krischer mit allerhand Placebos beiseite schieben.

So bezeichnete er das offensichtliche Copy-Paste unter anderem als „Lappalie“ und sprach von einer „Unterstellung“ oder „einzelnen kleinen Sätzen“, die übernommen wurden. Sogar als Markus Lanz anhand zweier Textpassagen klar belegte, dass wortwörtlich abgeschrieben wurde, blieb Krischer bei der Auslegung, die Sätze seien „nicht wortwörtlich, sondern anders“, sprach von „gewissen Parallelitäten“ oder kopierten „Halbsätzen“. 

Markus Lanz (ZDF): Debatte um Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock

Natürlich bohrte der ZDF-Moderator Lanz in der ihm eigenen Weise nach und bezeichnete Krischers wenig stichhaltige Argumentation als „Nebelkerzen-Wurfaktion“: „Glauben Sie das selber, was Sie gerade sagen?“ Krischer versuchte weiterhin, die Vorwürfe durch Weglächeln oder die Aufforderung, man müsse nun über Themen sprechen, auszuhebeln. Wobei dann auch ungünstige Sätze heraussprangen: „Das ist die Annalena Baerbock wie ich sie kenne“. Lanz verwies darauf, dass es bei der Debatte letztlich um Glaubwürdigkeit geht und attestierte dem in seiner Argumentationslinie verstrickten Krischer: „Sie sind ein Meister im Nebelkerzen-Weitwurf.“

Gäste bei Markus Lanz
Oliver KrischerPolitiker (B90/Grüne)
Claudia NeumannKommentatorin
Jana SchroederVirologin
Ulrich SchulteJournalist
Julius van de LaarStrategieberater

Flankiert wurde die Diskussion vom taz-Journalisten Ulrich Schulte und dem Strategieberater Julius van de Laar. Beide stimmten darin überein, dass die Argumentationslinie der Grünen, die Plagiatsvorwürfe von vornherein als nichtig darzustellen, gründlich misslungen ist. Statt die nachgewiesenen Fehler als solche anzuerkennen, vergaloppierten sich die Grünen mit Gegenvorwürfen („Rufmord“, „rechter Propagandakrieg“). Laut Schulte sei die „Verteidigungslinie nicht zu halten“ und die „Krisenkommunikation eine Katastrophe“, was intern offen zugegeben werde.

Die Grünen täten bei der Plagiatsdebatte so, als sei „der blaue Himmel rosa.“ Ähnlich fiel das Urteil des Strategieberaters van de Laar aus, der an die erste Regel der Krisenkommunikation erinnerte: „Wenn du im Loch bist, hör auf zu graben.“ Man hätte die Vorwürfe durch eine Entschuldigung abmoderieren können; stattdessen formten die Falschangaben in Baerbocks Lebenslauf und die Debatte um das Buch nun ein „Narrativ über den Wahlkampf“, das den Grünen zum Nachteil gereiche, analysierte van der Laar. Kein erfreulicher Abend für die Grünen.

Markus Lanz (ZDF) spricht über die Delta-Variante des Coronavirus


Bezüglich der hierzulande recht entspannten Corona-Lage äußerte sich die Virologin Jana Schroeder bei Markus Lanz im ZDF. Laut Schroeder müsse man die Delta-Mutante wegen der höheren Ansteckungsrate ernst nehmen. Die „Superspreader-Variante“ (Markus Lanz) treibe die Inzidenzwerte in Großbritannien in die Höhe. Zugleich räumte Schroeder ein, dass die Hospitalisierungsquote und Sterberate derzeit trotzdem nur minimal ansteige, da Ältere bereits geimpft sind und Jüngere Covid-Erkrankte bis zu ihrem mutmaßlichen Ableben eine längere Wegstrecke absolvieren als Hochbetagte.

Mit dem Verweis auf mögliche Langzeitschäden einer Covid-Erkrankung plädierte Schroeder abermals für eine rasche Durchimpfung der Bevölkerung: „Normalität ist nur mit Immunität möglich.“ Ihrer Einschätzung nach bergen die Impfstoffe weniger Risiken als eine unberechenbare Infektion, denn „Viren können komische Sachen machen.“ Als Markus Lanz wissen wollte, ob die Pandemie nach einem Impfangebot für alle Menschen zumindest politisch beendet sei, holte Schroeder zum populistischen Ausfallschritt aus und klagte, dass Kinder in diesem Szenario scheinbar nicht als Menschen zählen. Ein Satz der Virologin verwunderte in Anbetracht des politischen Umgangs mit der Pandemie: „Ich kenne niemanden, der ausschließlich auf die Inzidenz guckt.“

Thema bei Markus Lanz im ZDF auch die Fußball-EM



Zum Abschluss talkte Markus Lanz im ZDF mit der Sport-Kommentatorin Claudia Neumann, die zuletzt einige Spiele der Fußball-Europameisterschaft kommentiert hat. Es ging vor allem um die vielen politischen Begebenheiten rund um die EM, darunter die Regenbogen-Diskussion. Kritisch besprochen wurde die immer heftigere Kommerzialisierung des Uefa-Turniers. „Geht es nur noch um Geld?“ fragte Lanz. Neumann bestätigte die Einschätzung, wozu der Verweis auf den Austragungsort Katar für die kommende Fußball-Weltmeisterschaft passte. Seitens der neuen Spielergeneration würden „viele Mechanismen hinterfragt“, so Neumann, für eine wirkliche Veränderung müsse der Druck aber letztlich von außen kommen. (Christian Horn)

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