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Dreistigkeit siegt? Bei „elitärer Doppelmoral“ ist sich die Runde bei Markus Lanz einig

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Von: Michael Meyns

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Talk-Markus-Lanz-Eva Quadbeck-Anton Hofreiter-Ferdinand von Schirach
Die Talkrunde bei „Markus Lanz“ (ZDF) am 25.08.2022. © ZDF Mediathek (Screenshot)

Bei Markus Lanz ging es um den Maskenskandal im Regierungsflieger, Cum-Ex und die Energiekrise und darum, wie sich die Werte der Grünen verändert haben.

Berlin – Wie immer wurden bei Markus Lanz im ZDF die Fragen diskutiert, die das Land bewegt und das bedeutet in diesen Tagen auch: Der Maskenskandal im Regierungsflieger. Ein paar Fotos von Journalisten und Spitzenpolitikern, die auf dem Rückflug von Kanada ohne Maske im Flugzeug saßen, reichte aus, um einen Sturm in den sozialen Medien zu entfachen. „Elitäre Doppelmoral“ sei das, heuchlerisch, gerade da ein paar Tage später die Corona-Regeln für den Herbst beschlossen wurden, die Masken im Flugzeug vorschreiben.

Dabei im Flugzeug war Eva Quadbeck stellvertretende Chefredakteurin vom Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Bundeskanzler Olaf Scholz und seinen Vize Robert Habeck nach Kanada begleitet hatte und bei Markus Lanz im ZDF von der Reise berichtete. Sie erläuterte die besonders strengen Regeln an Bord, die für sämtliche Fluggäste einen aktuellen, negativen PCR-Test vorschrieben, also viel strengere Bedingungen als normalerweise. Populistische Empörung sei deswegen fehl am Platz, allerdings gestand auch Quadbeck zu, dass dem Vorbildcharakter der Politik durch die Bilder ein Bärendienst erwiesen wurde.

Talk bei Markus Lanz im ZDF: Lob und Schelte für Bundeskanzler Olaf Scholz

Kein gutes Bild liefert Scholz auch im Cum-Ex-Skandal ab, kann sich in den entsprechenden Untersuchungsausschüssen an wenig bis nichts erinnern, was Bestsellerautor Ferdinand von Schirach bei Markus Lanz im ZDF zu der treffenden Bemerkung inspirierte, dass es wenig glaubwürdig ist, sich immer wieder hinter der Aussage zu verstecken, sich nicht zu erinnern, gleichzeitig aber felsenfest zu behaupten, alles richtig gemacht zu haben. Korrupt ist der Kanzler nicht, da waren sich alle Beteiligten einig, aber warum hat Scholz, warum hat Hamburg auf so viel Geld verzichtet?

Markus Lanz vom 25. August 2022Gäste
Anton Hofreiter (Grüne)Politiker
Eva QuadbeckJournalistin
Ferdinand von SchirachAutor

Lob bekam der Kanzler allerdings für seinen Versuch, in Kanada die Energievorsorge für die nächsten Jahre zu sichern. Ohne Zwischenstopp in Washington flogen Scholz und Habeck nach Kanada und zwar nicht für kurzfristige Lösungen, sondern für langfristige. Allerdings führt der Versuch, sich von russischem Gas zu lösen, auch dazu, dass man durch Fracking erzeugtes Gas aus Kanada kauft. Was sagt Anton Hofreiter dazu, Vertreter des linken Flügels bei den Grünen, der bei der Ämtervergabe der Bundesregierung übergangen wurde. Sollte Hofreiter deswegen einen Groll gegen seine Realo-Kollegen hegen, ließ er sich bei Markus Lanz im ZDF nichts anmerken.

Die Kröten, die die Grünen durch die aktuelle Lage schlucken müssen, akzeptiert Hofreiter, mit wie viel Bauchschmerzen ist schwer zu sagen. Als Beispiel für „die normative Kraft des Faktischen“ bezeichnete Ferdinand von Schirach das Ringen um Werte, die Erkenntnis, dass sich die Grünen und natürlich die Gesellschaft, in der sie sich bewegen, seit ihrer Gründung massiv verändert haben. Aus der einstigen Protestpartei ist eine Partei der bürgerlichen Mitte geworden, dementsprechend haben sich die Werte, für die die Grünen stehen, verschoben.

Markus Lanz im ZDF: Die Werte, für die die Grünen stehen, haben sich verschoben

Hofreiter widersprach bei Markus Lanz im ZDF jedoch zumindest in einem Punkt: Trotz aller aktueller Probleme, den Krieg in der Ukraine, der hohen Inflation, bleibt das fundamentale Ziel Grüner Politik den CO² Ausstoß zu reduzieren, um den Klimawandel zu bekämpfen. Großen Pragmatismus attestierte Eva Quadbeck vor allem auch Wirtschaftsminister Robert Habeck, dessen neuer Politikstil ihn zum beliebtesten Politiker des Landes gemacht hat. „Der Leidtragende“ titelte der Spiegel in seiner letzten Aussage, der Bittgang in Katar dürfte ein früher Tiefpunkt seiner Amtszeit gewesen sein, dem viele Erfolge gegenüberstehen.

Die Gasumlage dürfte eher nicht zu den Höhepunkten zählen, allzu groß ist die Sorge, dass auch Unternehmen davon profitieren könnten, die es nicht brauchen. Und das sind erstaunlich viele Energieversorgunsunternehmen, die an den enorm gestiegenen Gas- und Strompreisen mehr als gut verdienen.

Als Ausgleich sprach Hofreiter vom Plan einer Übergewinnsteuer, die allerdings schwer zu steuern wäre: Denn will man auch Unternehmen wie BionTech abschöpfen, die gerade ebenfalls massive Gewinne einfahren? Große Aufgaben, vor denen die Politik steht, der Gesprächsstoff wird Markus Lanz so bald jedenfalls nicht ausgehen. (Michael Meyns)

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