1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Diskussion über Flutkatastrophe – Markus Lanz mit gewagtem Ukraine-Vergleich

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tina Waldeck

Kommentare

Markus Lanz spricht mit seinen Gästen am 14. Juli 2022 über den Jahrestag der Flutkatastrophe.
Markus Lanz spricht mit seinen Gästen am 14. Juli 2022 über den Jahrestag der Flutkatastrophe. © Screenshot ZDF

Bei Markus Lanz im ZDF wird über die Flutkatastrophe vor einem Jahr diskutiert. Vor allem die Warnung der Bevölkerung ist ein Thema.

Hamburg – In der letzten Sendung vor der 4-wöchigen Sommerpause spricht Markus Lanz über den Jahrestag der Flutkatastrophe vom Ahrtal mit seinen Gästen Herbert Reul (CDU-Innenminister in NRW), Peter Wohlleben (Förster und Autor), den Flutopfern Maria und Thomas Dunkel sowie Feuerwehrmann David Fuhrmann. Was bringen Frühwarnsysteme, wenn die Ursachen des „brennenden Klimawandels“ nicht bekämpft werden?

Immer noch liegt Schutt auf der Straße von Dernau, wo David Fuhrmann auch stellvertretender Bürgermeister ist. In Erfstadt steht Maria Dunkel bei jedem Regenfall am Fenster und beobachtet besorgt die Wasserstände, während sich ihr Sohn Thomas durch die „Wiederaufbauhilfe“ quält. „Sie können viel erzählt bekommen“, – die Berichte liefen danach ja medial durchgängig – „aber so richtig begreifen tut man es, wenn man an diesem Krater steht“, erzählt Herbert Reul: Dann sind die Ereignisse plötzlich nicht mehr nur im Fernsehen, „sondern zu Hause“.

Markus Lanz (ZDF) spricht über Flutkatastrophe vom Ahrtal: Menschen sensibilisieren

Schnell kamen Vorwürfe an die Politik, in der Situation nicht angemessen reagiert zu haben. Natürlich ist davor, währenddessen und auch danach „nicht alles glattgelaufen“, relativiert Herbert Reul bei Markus Lanz (ZDF). Doch zumindest im Vorfeld sollten die, die sich mit dem Wetter auskennen, „die Informationen an die Leute bringen, die die Entscheidungen treffen müssen.“ Schnell und verständlich, damit eine Einschätzung erfolgen kann: „Was bedeutet das, was muss ich jetzt machen“, schiebt er die Verantwortung von sich.

Schon ein paar Tage davor gab es Warnungen des europäischen Wetterdienstes, widerspricht Markus Lanz, doch Herbert Reul sieht sich nicht als Wetterfrosch: „Selbst, wenn man halb gute und halb fertige Daten hatte, – die hat keine Socke verstanden.“ Er selbst beschäftigt sich lieber mit den Frühwarnsystemen für solche Katastrophen, um sich mit den geringen Erfolgen zu brüsten: Als er damit anfing, Sirenen zu installieren, „dachten alle, ich habe einen Knall“, doch nun will jede Ortschaft welche haben.

Die Gäste bei Markus Lanz
Herbert ReulCDU-Innenminister in NRW
Peter WohllebenFörster
Maria und Thomas DunkelFlutopfer
David FuhrmannFeuerwehrmann

Schmerzvoll verzieht da nicht nur Peter Wohlleben das Gesicht: Sirenen helfen nichts, wenn der Strom weg ist oder die Umwelt so laut ist, dass sie nicht gehört werden können, erklärt er bei Markus Lanz (ZDF). „Es war nichts Schlagartiges (…), man hätte 24 Stunden Zeit gehabt“, um klarzumachen: „Da kommt was, das habt ihr so noch nicht gesehen.“ Und warum gibt es in Deutschland keine Warnung über die Handys, wie das in anderen Ländern schon längst der Fall ist?

Markus Lanz mit gewagtem Ukraine-Vergleich

Markus Lanz zieht den gewagten Vergleich zu dem Krieg in der Ukraine: „Wenn da Luftalarm ist, dann gibt es Warnungen: Da gibt es Apps.“ Herbert Reul verweist zwar schnell auf die NINA-App, aber betont auch: „Die Leute nehmen die schon nicht mehr ernst.“

Peter Wohlleben sieht auch das anders: Bei einem Ton über die App und einer Botschaft „Achtung Flutwelle“ würden alle reagieren, da ist er sich sicher. Auch der Förster hatte im Vorfeld der Katastrophe über Social Media gewarnt, dass die Böden durch den Regen an ihre Belastungsgrenzen kommen. Ihm war klar, „es gibt ein gewaltiges Hochwasser“. Aber diese Auswirkungen hat er sich nicht vorstellen können: „Dass Menschen sterben werden“, so weit hat er nie gedacht.

Markus Lanz (ZDF): Förster Peter Wohlleben erklärt: Wälder sind normalerweise „wie ein Schwamm“

Wälder sind normalerweise wie „ein Schwamm und saugen auf“, erklärt Peter Wohlleben weiter, aber viele Böden sind durch die ganzen Abholzungen kaputtgegangen. Überall da, wo es Fichtenplantagen oder Kahlschläge gibt, ist das Wasser beschleunigt unterwegs; – wo dagegen „alte, intakte Buchenwälder“ stehen, gibt es einen gesünderen Boden. Auch wenn dieser Unterschied vielleicht nur „50 oder 100 Zentimeter Hochwasser bedeutet hätte: Sind das genau die entscheidenden“, erklärt der Förster bei Markus Lanz (ZDF).

Zur Sendung


Markus Lanz im ZDF. Die Sendung vom 14. Juli 2022 in der ZDF-Mediathek.

Vonseiten der Politik sieht er dabei keinerlei aktive Handlung zu einer wirklichen Verbesserung: In der Region werden auch weiterhin Wälder abgeholzt. Da würde sich Peter Wohlleben wünschen, dass die Menschen „den Wald wieder sich selbst überlassen“, denn nur dann hat das Ökosystem die Chance, sich zu regenerieren: „Es würde eine Linderung bedeutet“, vielleicht nur erst einmal gering, aber „jeder Zentimeter zählt“, um weitere Katastrophen wie im Ahrtal zu vermeiden. „Wir müssen wieder mehr Rücksicht auf das Ökosystem nehmen“, denn: In einer Atmosphäre, in der die Natur nicht leben kann, können wir es auch nicht. (Tina Waldeck)

Auch interessant

Kommentare