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Die deutsche Nationalmannschaft und der Kollaps vom dänischen Spieler Eriksen waren am Dienstagabend die Top-Themen bei Markus Lanz (ZDF).
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Die deutsche Nationalmannschaft und der Kollaps vom dänischen Spieler Eriksen waren am Dienstagabend die Top-Themen bei Markus Lanz (ZDF).

TV-Kritik

Markus Lanz im ZDF: SPD und deutsche Nationalmannschaft - die Hoffnung stirbt zuletzt

  • VonMichael Meyns
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Top-Thema bei Markus Lanz (ZDF) war am Dienstagabend (15.06.2021) die EM 2021. Und Olaf Scholz, der keine leichten Diskussionsgegner hatte.

Am Abend, als die Europameisterschaft auch für Deutschland begann, diskutierte Markus Lanz mit seinen Gästen über die Flüchtigkeit von Euphorie – und Fußballmetaphern. Nun, nicht ganz, aber zumindest konnte man das an einem Abend denken, der mit einer knappen, aber hochverdienten Niederlage der deutschen Nationalmannschaft begann, eine Niederlage, die die spielerischen Defizite der besten Kicker des Landes so deutlich vor Augen führte, die jede Euphorie angesichts eines Sommers fast ohne Corona und mit Fußball im Keim erstickte.

Was das Ersticken von Euphorie angeht, könnte die Kanzlerkandidatin der Grünen ein Liedchen singen, auch der Vorgänger von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat seinem Nachfolger vielleicht einige Tipps gegeben, wie ein Wahlkampf nicht zu früh seinen Höhepunkt erreicht.

Markus Lanz (ZDF): Kanzlerkandidat Olaf Scholz wegen Wahlen noch „heiter gelassen“

Entspannt sein schadet vermutlich nicht, „heitere Gelassenheit“ nennt Scholz seinen Versuch, die Dinge laufen und die Hoffnung nicht fahren zu lassen. Vielleicht keine schlechte Taktik, zumindest die Konkurrentin von Links scheint sich selbst zu zerlegen, den Konkurrenten von Rechts an Trägheit zu unterbieten, fällt selbst einem Olaf Scholz schwer, die Hoffnung für die SPD lebt also ebenso wie für die Nationalmannschaft.

Ulrike Herrmann, Redakteurin bei der taz, analysierte den Zustand der Sozialdemokratie, die in den letzten Jahren zunehmend ihre vormalige Hauptklientel verliert: Die Arbeiter. Unter zehn Prozent bei Wahlen in den ostdeutschen Bundesländern, für eine Volkspartei desolat. Ob es reicht, Politik für die zu machen, die sich anstrengen, wie Scholz es formulierte, wird sich im September zeigen.

Zum Spiel der deutschen Mannschaft wollte sich Scholz nicht äußern, es gäbe ohnehin zu viele Bundestrainer in diesem Land betonte er zwar richtig, doch vielleicht sollte er als Mann, der den wichtigsten Job im Land anstrebt, es auch wagen, sich über den zumindest gefühlt zweitwichtigsten zu äußern.

GästeBeruf
Olaf ScholzPolitiker
Ulrike HerrmannJournalistin
Ewald LienenFußballtrainer
Béla RéthySportjournalist
Daniel EngelbrechtEx-Fußballprofi

Fußballtrainer Lienen bei Markus Lanz (ZDF): DFB-Elf spielte zu vorsichtig

Dafür nahm Ewald Lienen, einer der erfahrensten Fußballtrainer des Landes, kein Blatt vor den Mund: Ja, die Spieler haben sich bemüht, sie haben gekämpft, sie haben das mindeste aus ihren Möglichkeiten geholt. Doch die sind augenscheinlich beschränkt: Lienen legte den Finger in die Wunde: Warum spielte Deutschland mit einer vorsichtigen Aufstellung, die eine Unterzahl im Mittelfeld erzeugt und den technisch brillanten Franzosen kaum etwas entgegensetzen konnte.

Doch nicht das Spiel des Abends war fußballerisches Hauptthema, sondern die erschütterten Bildern vom Samstag, als der dänische Spieler Christian Eriksen während des Spiels gegen Finnland kollabierte und nur knapp überlebte. ZDF-Reporter Béla Réthy erlebte die Situation am Mikrofon und musste versuchen, eine Balance zwischen notwendiger Berichterstattung und Voyeurismus zu finden.

Markus Lanz (ZDF): Fußballspiel wurde nicht das erste Mal fortgesetzt, nachdem Spieler kollabiert ist

Vor acht Jahren erlebte Daniel Engelbrecht, ehemaliger Fußballprofi während eines Bundesligaspiels einen Herzstillstand und musste reanimiert werden. Auch er zeigte sich entsetzt über die Entscheidung der Offiziellen, das Spiel noch am Abend fortzusetzen. Besonders empört zeigte sich Ewald Lienen, der die Entscheidung als weiteres Beispiel für die Macht des Kapitals, der jeden Anflug an Menschlichkeit verdrängt.

Nun, dass der Fußball von ähnlich neoliberalen Strukturen beherrscht wird, wie die Politik steht außer Frage. Deutlich besser bezahlt sind Fußball-Profis jedoch, während die ehemalige Hauptklientel der SPD knapsen muss. Auch wenn er als SPD-Generalsekretär eine wichtige Rolle bei Entscheidungen der Schröder-Regierung spielte, ist Olaf Scholz natürlich viel zu souverän, um mögliche eigene Fehlentscheidungen einzugestehen. Zu einem Eigentor reichte es an diesem Abend nicht, dafür hatte am früheren Abend ja bereits Mats Hummels gesorgt. Bleibt abzuwarten, für wen der weitere Verlauf des Turniers noch erfolgreich gestaltet werden kann – für die SPD oder für die Nationalmannschaft. (Michael Meyns)

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