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Moderator Markus Lanz im ZDF
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Moderator Markus Lanz während der Sendung.

TV-Kritik

Markus Lanz (ZDF) und Corona-Krise: TV-Moderator verzichtet zur Abwechslung auf Mätzchen

  • vonRüdiger Suchsland
    schließen

Moderator Markus Lanz spricht im ZDF einmal mehr über das Coronavirus. Wie soll man mit den anhaltend hohen Infektionszahlen umgehen? Die TV-Kritik der FR.

  • Erneut wird im ZDF über das Thema Corona diskutiert.
  • Moderator Markus Lanz zeigt spürbares Interesse am Gegenstand seiner Sendung.
  • Neben Corona spricht Lanz zudem über den Kampf um die CDU-Spitze.

Hamburg - „Wir müssen zusammenstehen, und vielleicht sollte mal nicht zuerst auf die eigene Karriere schauen.“ Diese Folge von „Markus Lanz“ hatte einen unbestrittenen Sympathieträger: die bayerische Landrätin Rita Röhrl, deren von ihr verwalteter Landkreis Regen den höchsten Covid-19-Inzidenzwert in ganz Deutschland hat. Es war weniger was Röhrl sagte, als wie sie es tat: Extrem nüchtern und direkt.

Während ihr Ministerpräsident Markus Söder es schafft, sich zum gefühlten Corona-Bekämpfer Nummer 1 aufzuschwingen, und einfach jeden Tag mit irgendeiner Wortmeldung in die Schlagzeilen zu kommen, obwohl Flächenstaat Bayern zusammengenommen immer noch höhere Infektionszahlen hat, als die Metropole Berlin, argumentierte Röhrl ruhig und sachlich, dabei entschieden. Sie sprach klar und unprätentiös: „Ich weiß auch nicht, warum die Zahlen so hoch sind.“

Markus Lanz (ZDF): Nüchterne Antworten zu Corona im TV

Überhaupt war Nüchternheit Trumpf an diesem Abend, an dem es einmal mehr fast nur um Corona gehen musste. Die Gäste Journalistin Eva Quadbeck („Redaktionsnetzwerk Deutschland“), Virologe Jonas Schmidt-Chanasit und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) versuchten jeder auf seine Weise den Fragen von Lanz, der der Versuchung zu aufgeblasenen Dramatisierungsfragen gelegentlich nachgibt, mit Sachlichkeit zu begegnen.

Die Debatte um Masken in der Schule zum Beispiel sei epidemisch einfach nicht so wichtig, erläuterte Schmidt-Chanasit, das seien „rein politische Entscheidungen“. Deshalb sei es egal, dass Schleswig-Holstein Masken fordert, die Hamburger Schulen dagegen nicht. „Ob jetzt ein Grundschüler eine Maske trägt oder nicht, das wird die Pandemie nicht entscheiden.“ Viel, wichtiger sei es, größere enge Zusammenkünfte wie Partys zu verhindern.

Corona in Deutschland: Markus Lanz zeigt im ZDF wirkliches Interesse

Markus Lanz gehört ohne Frage zu den Gewinnern der Pandemie. Nicht weil seine Sendung nun von so viel mehr Leuten gesehen würde, als vorher, sondern weil das Thema Corona ihm eine ganz andere Form von Seriosität gibt. Lanz kann hier, wenn er gut drauf ist, sein Talent zeigen, sachlich, neugierig und investigativ nachzufragen. Er wirkt zumindest so, als habe er wirklich Interesse am Thema. So gelingt es ihm nicht selten, mit seinem Menschel-Format seriöseren und härter nachfragenden Polit-Talk zu machen, als die eigentlich dafür zuständigen Kolleginnen.

Im Gegensatz zu einigen seiner letzten Sendungen verzichtete Lanz am Dienstagabend auch komplett auf Mätzchen, wie das fortwährende Selbstzitat und wiederholte Abspielen vermeintlich besonders geglückter Ausschnitte aus früheren Sendungen. Allen in den ersten drei Dezembersendungen hatte Lanz viermal Ausschnitte anderer Gespräche gezeigt, einen davon sogar zweimal.

ZDF-Moderator Markus Lanz stellt neugierige Fragen

„Was passiert da gerade?“ - es sind solche scheinbar schlichten, aber insistierenden, ehrlich neugierigen Fragen, mit denen Lanz am besten ist. Weder scheint er dann wie Anne Will und Plasberg selber die Antwort bereits zu kennen, noch zieht er sich wie Maybrit Illner auf Ironie und Insiderkennerschaft zurück.

Markus Lanz (ZDF): „Es geht um langfristig niedrige Fallzahlen“

Lanz fragte am Dienstag, die Infektionskurven vor Augen, immer wieder nach: Warum geht die Kurve trotz Lockdown nicht runter, sondern verharrt abgeflacht seit Wochen auf dem gleichen eher hohen Niveau? Ist es gute politische Kommunikation, dass die Regierenden, obwohl das „Wellenbrechen“ erfolgreich war, sich selber widersprechen, und den Lockdown trotzdem verlängern und verschärfen, und noch einmal, sodass kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist? Was passiert, wenn „die Leute“ „mürbe“ werden? „Opfert“ man Weihnachten?

Schmidt-Chanasit: „Es geht hier nicht um Weihnachten, es geht um langfristig niedrige Fallzahlen. Die Pandemie kennt kein Weihnachten.“

Zu den schwer verständlichen Tatsachen gehöre, dass die zweite Infektionswelle Ende Oktober bereits gebrochen wurde. Erst danach gab es den „Wellenbrecher-Shutdown“. Und nach der Ankündigung der Lockdown-Verlängerung seien die Zahlen, so der Virologe, wieder angestiegen.

Virologe bei Markus Lanz (ZDF): „In Sachsen wird der Effekt verpuffen“

Hier hätte man nachfragen können, ob diese Entwicklung nicht belegt, dass bei immer weiteren Verschärfungen die Bereitschaft der Bürger zum Mitmachen verloren geht, und ob man Erfolge nicht auch belohnen muss, um die Menschen bei der Stange zu halten? Wer glaubt, egal, was er oder sie tut, es kämen sowieso keine Lockerungen, hat keinen Grund, mitzumachen.

Dafür kam Eva Quadbeck erstmals ins Spiel, und es kam so etwas wie ein kurzer Streit auf. Der Föderalismus sei schuld, die Menschen könnten die Unterschiede der Maßnahmen nicht verstehen, es brauche Einheitlichkeit.

Schmidt-Chanasit schien ihr da zumindest halb zuzustimmen, indem er auf Sachsen verwies. Die dort gestern verkündete Schließung des Einzelhandels werde nichts bringen: „In Sachsen wird der Effekt verpuffen, weil die Leute über die Grenze in die acht Nachbarländer fahren und dort einkaufen.“

Markus Lanz (ZDF): Warnung vor Kontrollverlust in der Corona-Pandemie

Daniel Günther dagegen widersprach: Man könne den Menschen in Gegenden mit Niedrigst-Inzidentwerten (in Flensburg liege er unter „10“) nicht Maßnahmen aus Super-Hotspot-Gebieten aufbürden. Der Ministerpräsident nutze die Gelegenheit zu einem Seitenhieb auf Markus Söder: Man könne nicht immer bundesweit noch härtere Maßnahmen fordern, nur weil mal selber stark betroffen sei.

Das derzeit recht gute Infektionsbild von Schleswig-Holstein erklärt Günther damit, dass man „vieles, was heute für ganz Deutschland gefordert würde, längst eingeführt habe.“ Zum Beispiel Hotelschließungen.

Quadbeck analysierte demgegenüber die derzeitigen Rituale der Berliner Republik wie die in der Verfassung nicht vorkommende Exekutiv-Runde der Kanzlerin mit allen Ministerpräsidenten, aber am Parlament vorbei. Oder die Quasi-Standleitungen, mit denen Journalisten von Teilnehmern dieser Exekutiv-Runde in Echtzeit über die neuesten Beschlüsse und den Stand der Debatte informiert werden. Auch Daniel Günther gab zu: „Wenn ich aus der Runde herauskomme, kennen meine Mitarbeiter schon das Ergebnis aus dem Liveticker“. Quadbeck sieht hier nicht nur missratene Kommunikation, sondern einen Kontrollverlust der Handelnden.

Markus Lanz (ZDF): Von Corona zur Frage um den CDU-Vorsitz

Dann ging die Diskussion doch noch von Corona weg und führte auf ein anderes Dauerthema dieses Jahres: Den Kampf um den CDU-Vorsitz. Dass Daniel Günther dabei für Armin Laschet eintritt, ist kein Geheimnis. Ob er nicht eigentlich Jens Spahn als Vorsitzenden möchte, wollte Lanz wissen. Da kam er aber in Günthers Floskelwald nicht weit.

Hier sekundierte Quadbeck nun dem CDU-Politiker: Den Zeitpunkt zur Kandidatur habe Spahn verpasst. Aber wirklich zufrieden seien die CDU-Mitglieder mit keinem der drei Kandidaten. (Rüdiger Suchsland)  

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