Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Epidemiologe Timo Ulrichs (re.) musste sich eine Intervention von Talkmaster Markus Lanz (li.) gefallen lassen.
+
Epidemiologe Timo Ulrichs (re.) musste sich eine Intervention von Talkmaster Markus Lanz (li.) gefallen lassen.

TV-Kritik, ZDF

Corona-Talk bei Markus Lanz (ZDF): Priorisierung beim Impfen „kein Selbstbedienungsladen“

  • Marc Hairapetian
    vonMarc Hairapetian
    schließen

Vor dem Corona-Gipfel lädt Markus Lanz im ZDF zur Diskussion über Öffnungen, Impfstoffe und den Lockdown ein. Auch Donald Trump bekommt seine 20 Minuten.

Hamburg – Donald Trump ist zwar nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten, dennoch heißt es bei „Markus Lanz“ nach wie vor: „America First“. Die ersten 20 Minuten seiner Talkshow gehören mal wieder Elmar Theveßen, dem Leiter des ZDF-Studios in Washington.

Von einer Diskussion mit den anderen Studiogästen in Gestalt von Theologin Dr. Petra Bahr, FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff und Virologe Prof. Timo Ulrichs sowie der ebenfalls zugeschalteten Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) kann nicht die Rede sein. Artig liefert hier der Moderator Stichworte und sein Duzfreund darf über Dinge referieren, die uns aus den Nachrichten schon bekannt sind und hier mehr breit gewalzt als vertieft werden.

Markus Lanz (ZDF): Donald Trumps Comeback in den USA und die Corona-Lage in Deutschland

Bei der alljährlichen CPAC-Konferenz, dem Treffen des konservativen Flügels der Republikaner, untermauerte Ex-Präsident Donald Trump in Orlando seinen Führungsanspruch innerhalb der Partei. Er ließ eine erneute Kandidatur offen und wiederholte die Behauptung des Wahlbetrugs. Nicht nur für Theveßen „eine eindeutige Lüge“. Der Basis war dies egal, feierte sie doch den ersten Auftritt ihres Heilsbringers seit dem 20. Januar frenetisch. Dass der Mann mit der markanten Föhnfrisur und den noch markigeren Sprüchen trotz seiner Wahlniederlage nach wie vor der Alte ist, möchte Markus Lanz im ZDF mit einem Einspieler beweisen: „Eine gute Minute Trump, wie man ihn kennt.“

Und dann folgen gebündelt Kampfansagen und Hetztiraden, wobei das neue Staatsoberhaupt Joe Biden natürlich nicht verschont wird: „In nur einem kurzen Monat haben wir von Amerika zuerst zu Amerika zuletzt gewechselt…!“ Als Trump droht: „Ich werde sie möglicherweise ein drittes Mal schlagen!“, korrigiert Markus Lanz, dass bei einer erneuten Wahl zum Präsidenten in vier Jahren, der Multiunternehmer ja dann die Demokraten nur ein zweites Mal in die Knie gezwungen hätte.

Markus Lanz erinnert im ZDF an den Wahlsieg von Donald Trump über Hillary Clinton

Dieses Lügen beziehungsweise Übertreiben gehe weiter. Die 74,2 Millionen US-Bürger, die ihn 2016 die Wahl gegen Konkurrentin Hillary Clinton gewinnen ließen, habe er mehrfach auf 75 Millionen aufgerundet. „Jemand mit Anstand rundet ab“, weiß Markus Lanz. Kurz darauf rundet er selbst zu Trumps Nachteil auf, als er bei Trumps Umsatzrückgang von 487 Millionen US-Dollar auf 260 Millionen US-Dollar von einer „Halbierung“ spricht. Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Wo bleibt da der Anstand, Herr Markus Lanz?

Das erste Viertel der Sendung brachte also kaum neue Erkenntnisse, außer vielleicht der Einschätzung Theveßens, dass Trump keinen neuen TV-Sender und keine neue Partei gründen wird, weil er dann mit ziemlicher Sicherheit viele potenzielle Wählerstimmen 2024 verlieren würde.

Als Aufnahmen vom nach dem Sturm auf das Kapitol immer noch abgeriegelten Weißen Haus gezeigt werden, sagt der Journalist: „Das ist kein gutes Bild für die Demokratie.“ Doch die Angst vor Attacken von aufgehetzten Trumpisten, ja, sogar vor Terroranschlägen wäre in den USA nach wie vor groß. Mit dem im einstigen Land der unbegrenzten Möglichkeiten mittlerweile zugelassenen Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson gelingt Markus Lanz im ZDF allerdings eine gute Überleitung zum unvermeidlichen Talk über die COVID-19-Pandemie.

Markus Lanz (ZDF) – Diese Gäste waren eingeladen

Elmar TheveßenJournalist, ZDF-Amerikakorrespondent
Alexander Graf LambsdorffPolitiker, FDP
Dr. Petra BahrRegionalbischöfin, Mitglied im Deutschen Ethikrat
Simone LangePolitikerin, SPD
Prof. Timo UlrichsVirologe

Kampf gegen Corona: Markus Lanz (ZDF) über Impfstoffknappheit und den Lockdown

Während in den USA sogar in Supermärkten geimpft wird und in Israel - laut Ärzte Zeitung online - schon jeder zweite ein Vakzin verabreicht bekommen hat, sind es Stand Anfang März bei uns erst magere fünf Prozent. Impfstoff-Lieferschwierigkeiten und Streitigkeiten zwischen der Bundesregierung und der EU sowie Verzögerungen der von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geforderten Massentests sind neben der Angst vor Virus-Mutationen die Hauptgründe dafür, dass sich die Pandemie trotz Lockdowns und Hygiene-Regeln derartig in die Länge zieht.

Im ZDF hat Markus Lanz berechtigte Fragen an seine Gäste zur Entwicklung des Infektionsgeschehens, zu möglichen Spielräumen für Öffnungen und zu anderen Strategien im Kampf gegen das Corona-Virus. Zuerst möchte er aber von Prof. Timo Ulrichs, dem Studiengangsleiter Internationale Not- und Katastrophenhilfe B.A. an der Akkon Hochschule in Berlin wissen, wie er den Impfstoff von Johnson & Johnson bewertet.

Corona-Impfstoffe: Ein Dauerthema bei Markus Lanz (ZDF)

Dieser befindet ihn als äußerst wirksam. Vektorbasierte Impfstoffe gegen Corona seien genauso empfehlenswert wie mRNA-Impfstoffe von beispielsweise BioNTech. Er würde sich sofort damit impfen lassen, wenn er an der Reihe wäre. Ohne diese ausgezeichneten Vakzine hätten wir als Alternative nur noch Lockdown und Abstand halten: „Wir wären genauso hilflos wie bei der spanischen Grippe vor 100 Jahren.“

Für Dr. Petra Bahr, Regionalbischöfin aus Hannover und Mitglied im Deutschen Ethikrat, ist bei Markus Lanz die Priorisierung beim Impfen „kein Selbstbedienungsladen“. Oberbürgermeister, Stadträte oder Manager müssten bei übrig gebliebenen Dosen sicher nicht Lehr- und Pflegekräften vorgezogen werden. Allerdings sollte man das bisherige Organisationsversagen und die typisch deutsche Bürokratie eher thematisieren, als „Impfdrängler“ zu bestrafen.

Markus Lanz (ZDF): Erwartungen an den Corona-Gipfel

Es folgt ein „Moin!“ zu später Stunde aus Flensburg. Oberbürgermeisterin Simone Lange rechtfertigt den harten Lockdown mit - inzwischen wieder aufgehobener - Ausgangssperre in ihrer Stadt. Der Inzidenzwert war im hohen Norden auch wegen der sich schnell verbreitenden Virus-Mutationen auf 193 geschnellt. Mittlerweile liegt er bei 154. Dennoch dürfe jemand der in Flensburg alleine lebt, auch weiterhin eine Kontaktperson treffen, da „es nicht nur um die physische, sondern auch emotionale Gesundheit“ gehe. Als Markus Lanz im ZDF kommunale Testzentren, die es in Dänemark an jeder Ecke geben würde, ins Spiel bringt, berichtet sie stolz, dass sie diese in Flensburg auch seit kurzer Zeit hätten.

Vom laut Lanz „x-ten“ Corona-Gipfel von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten am Mittwoch erwarte sie einiges. Allerdings: „Die Pandemie braucht auch Einigkeit.“ Und dann flüchtet sie sich in Allgemeinplätze: „Wir werden das Virus nur gemeinsam besiegen. Das mag banal klingen.“ Immerhin erkennt sie letzteres selbst. Bei einem längeren Lockdown müsse man die wirtschaftlichen Konsequenzen abfedern. Wenn man hingegen lockert, die Infektionsketten verfolgen können. Da stöhnt Markus Lanz im ZDF mit einem langgezogenen „aaaaaaaah“ regelrecht auf und sagt fast angewidert: „Es soll kein Vorwurf sein, aber wir sind gerade bei ‚Und täglich grüßt das Murmeltier`!“ So lustig wie in der Filmkomödie mit Bill Murray ist die Situation aber diesmal nicht…

Markus Lanz im ZDF: Hätte man die Länder „einfach laufen lassen sollen“?

Der Streit um die kostenlosen Massen-Tests gefährdet bekanntlich Lockerungen. Schon jetzt wissen wir, dass der Lockdown bis mindestens Ende März weitergeht, auch wenn es andere Regeln, vielleicht auch eine neue Inzidenz-Grenze und Teilöffnungen wie die von Buchhandlungen und Blumengeschäften geben soll. „Herr Lambsdorff, warum kriegen wir dies nicht auf die Reihe?“, fragt Markus Lanz den ehemaligen Diplomaten unverblümt. „Ein Kernproblem ist dieser unbedingte Wille zur Geschlossenheit“, antwortet Alexander Sebastian Léonce Freiherr von der Wenge Graf Lambsdorff - so der vollständige Name - erfreulicherweise politisch gar nicht korrekt. Man hätte schon vorher „die Länder einfach laufen lassen sollen, um dann aus deren Fehlern zu lernen“.

Er selbst habe sich im letzten Jahr mit COVID-19 infiziert, es sei ihm seinerzeit wahrlich nicht gut gegangen und er habe auch darunter gelitten (wie so viele andere), dass er zwei Wochen lang in häuslicher Isolation „weggesperrt“ worden sei. Es gehe nicht darum, jetzt den treffenden Ton zu finden, sondern um einen Stufenplan wie ihn seine FDP letzte Woche entwickelt habe. Er zieht einen Zettel hervor und will ihn der Runde im ZDF zeigen.

Markus Lanz barsch: „Den können sie wegstecken!“ Man habe das schon die ganze Woche zur Genüge thematisiert. Das ist der überraschende Moment einer ehrlichen Corona-Müdigkeit beim ZDF-Moderator, der aber absolut nachvollziehbar ist. Gibt es doch seit einem Jahr in seiner Talkshow nur noch die Pandemie und die USA mit (und jetzt nach) Trump als Themen. Und dieser Moment macht die Sendung sehenswerter als die vielen Debatten, die sich mehr und mehr im Kreis drehen.

Markus Lanz in der ZDF-Mediathek

Sendung verpasst? Die Folge vom 02.03.2021, ist in der Mediathek des ZDF zu finden.

Diskussion über Öffnungen im Corona-Lockdown bei Markus Lanz (ZDF)

Markus Lanz hat als Gastgeber im ZDF mit dem Mut zur eigenen Meinung auch recht, wenn er sagt, dass er es „unerträglich“ finde, wenn als Argumentation bei der Öffnung von Friseurläden die „Menschenwürde“ zitiert werde. Dr. Bahr pflichtet ihm bei: „Man kann Inzidenzen mathematisch formulieren, menschliches Verhalten nicht. Warum sind Baumärkte offen, aber Museen zu?“ Nicht nur wirtschaftliche Faktoren seien wichtig, auch kulturelle Orte der Begegnung. Doch in diesem Lande gebe es „keine Reflexion mehr und keine Ekstase“.

Lanz freut sich, dass ausgerechnet eine Bischöfin von „Ekstase“ spricht. Diese Weltnähe macht die 54-jährige Theologin sehr sympathisch. Sie zeigt auch Verständnis für Teenager, „denen es nicht genügt, im Lockdown nur mit den Eltern zu kuscheln“. Graf Lambsdorff, der selbst zwei Kinder hat, findet es im Gegensatz zu älteren Semestern, die mit einem Jahr Lockdown besser umgehen könnten, ebenfalls schlimm, dass derzeit 17-, 18- oder 19-jährige keine Feste mehr feiern könnten: „Sie studieren nur vor dem Rechner. Sie können nicht tanzen. Sie können nicht flirten. Diese Jahre kommen nicht wieder…!“ Dennoch stimmt er mit Prof. Ulrichs überein, dass wir es bisher in der Corona-Pandemie „im Großen und Ganzen besser hingekriegt haben als andere Länder.“ Dem Virologen wäre es auch lieber, wenn die Inzidenzwerte weiter fallen und nicht wieder langsam ansteigen würden.

Markus Lanz im ZDF: Corona-Impfung als Hoffungsschimmer

Den von der Regierung angestrebten Wert konstant unter 35 zu halten, gelte es aber zu überdenken. Wenn ein höherer Wert wie beispielsweise in Schweden und Frankreich sich stabil einpendele, könne man auch damit vorsichtig weitere Lockerungen fahren, unter Berücksichtigung von Massentests und Hygiene-Auflagen. Das bei allen ärgerlichen Verzögerungen in Berlin schon 40 Prozent der über 80-Jährigen geimpft worden seien, sieht er als Hoffnungsschimmer in der Pandemie-Bekämpfung.

Durch die Wirksamkeit der Impfstoffe käme es zu weniger schweren Erkrankungen mit Krankenhausaufenthalten auf der Intensivstation. „Dadurch verliert die Krankheit ihren Horror“, mutmaßt ZDF-Moderator Markus Lanz. „Genau“, bestätigt Prof. Ulrichs, der den Staat bei der „Gesundheitssicherstellung“ noch mehr in die Pflicht nehmen will und für eine planwirtschaftliche Organisation der Krankenhäuser plädiert. „Dass es der Medizin auch darum geht, Geld zu verdienen, bringt die Pandemie mit sich“, gibt Markus Lanz einen bisher wenig erörterten neuen Themenkomplex vor. Doch die Sendezeit ist um. Bei allen Längen diesmal irgendwie schade. (Marc Hairapetian)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare