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Markus Lanz ließ in seinem ZDF-Talk über Trump, Lesbos und Clan-Kriminalität diskutieren.
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Markus Lanz ließ in seinem ZDF-Talk über Trump, Lesbos und Clan-Kriminalität diskutieren.

Markus Lanz, ZDF

Markus Lanz im Clinch: „Ach, so läuft das?“ - Aufklärung, Law and Order

  • Marc Hairapetian
    vonMarc Hairapetian
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Markus Lanz im ZDF mit Licht und Schatten beim TV-Talk. War der Themen-Mix vielleicht ein wenig zu viel?

  • Bei Markus Lanz im ZDF wurden unterschiedliche Themen debattiert.
  • US-Wahl 2020, Lesbos und Clan-Kriminalität - ist das zu viel für eine Talkshow?
  • Einige Themen kommen bei Markus Lanz zu kurz.

Auch wenn sich Gäste und Inhalte in einer Talkshow wie „Markus Lanz“ häufig wiederholen, ist zum Glück doch jede Sendung anders. Und das liegt vor allem am Moderator, der wohl je nach eigener Interessenlage schlampig bis ausgezeichnet vorbereitet ist.

Diesmal hat der smarte Südtiroler einen guten Tag beziehungsweise Abend erwischt: Einstiegsfloskeln wie noch in der Sendung vom 26. August geschehen, als Markus Lanz in den ersten vier Minuten gleich sechs (!) Mal seine Freude über die illustre Gesprächsrunde zum Ausdruck brachte, reduziert er diesmal auf ein Minimum und kommt zügig zur Sache. So zügig, dass im Verlauf der streckenweise hitzigen Diskussion mitunter angekündigte Aspekte gar nicht mehr erörtert werden.

Markus Lanz im ZDF: US-Wahl 2020 und Europa in der Krise waren unter anderen die Themen

Allerdings verständlich, schließlich standen gleich drei (gesellschafts)politisch nicht uninteressante Themen wie die US-Wahl 2020 am 3. November, Europa in der Krise und Clan-Kriminalität (nicht nur) in Nordrhein-Westfalen zur Debatte. Unermüdlich hakt er bei seinen Studio- Besuchern - Publizistin Prof. Ulrike Guérot, NRW-Innenminister Herbert Reul und Journalist Olaf Sundermeyer - sowie dem aus den USA zugeschalteten Leiter des ZDF-Studios in Washington Elmer Theveßen, der als hausinterner Dauergast in den letzten dreieinhalb Monaten nun hier schon zum vierten Mal im Wortsinn gefragt war, nach, wenn ihm ihre Aussagen zu schwammig erschienen.

Etwas ungalant heißt es bei Markus Lanz nicht Ladies first: Den Anfang macht Theveßen, den der Sender wahrlich nicht in das vermeintliche Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das seit der Wahl von Donald Trump als US-Präsident im Januar 2017 zu einem „Land der begrenzten Unmöglichkeiten“ mutiert ist, geschickt hat, um darin Urlaub zu machen. „Wohin steuert die Großmacht?“, möchte der Gesprächsleiter wissen.

Anstatt direkt zu antworten, werden erst einmal Einspieler von den verheerenden Waldbränden in Kalifornien und auch solche von Wahlkampf-Veranstaltungen ohne das Tragen von Schutzmasken der dicht beinander stehenden Menschenmassen (Markus Lanz sarkastisch: „Da fliegen die Aerosole besonders gut!“) gezeigt, in denen sich Donald Trump mehr als Showmann denn Politiker produziert.

Markus Lanz im ZDF: Donald Trump hat die Gefahr von Corona verharmlost

Dazu Tonaufnahmen eines Interviews mit Journalisten-Legende Bob Woodward, in denen das Staatsoberhaupt am 7. Februar noch die Gefahren von Covid-19 verharmlost, während er am 19. März eingesteht, dass er Corona herunterspiele, damit keine Panik entstehe. Berechtigter Weise fragt Markus Lanz nach: „Warum macht Woodward, das erst jetzt öffentlich?“ und eben so berechtigter Weise hinterfragt in seiner Antwort Theveßen „die ethische Verantwortung“, die auch Journalisten hätten: „Da kann man die große Frage an ihn haben, hätte er die Menschheit nicht warnen müssen?“ Dies gelte sowohl für Donald Trump als auch Woodward, dessen Helden-Status seit der Aufdeckung des Watergate-Skandals dadurch angekratzt worden sei.

Als Moderator bezieht Markus Lanz Stellung, wenn er sagt: „Hören wir, wie Trump Stimmung macht!“ Theveßen und Guérot befürchten eine „Rote Fata Morgana“, in der Republikaner Donald Trump beim Wahlkampf gegen Demokrat Joe Biden die Briefwahl als gefälscht bezeichnen und nur die direkt in den Wahllokalen abgegebenen Stimmen gelten lassen könnte. „Hälst du Ausschreitungen für möglich?“, fragt Markus Lanz seinen Duz-Freund. Theveßen schließt Massenproteste nicht aus. Übergriffe also bei denen „Autos in die Menge gefahren und Menschen gezielt erschossen“ werden könnten. Allerdings sei ein Bürgerkrieg wie im 19. Jahrhundert auszuschließen…

Bei Markus Lanz (ZDF) wird auch über Lesbos gesprochen

Die eingangs angekündigte Befragung in Pawhuska, der „Hauptstadt der Osagen“ im Reservat in Oklahoma, die Theveßen an „alte Karl-May-Romane erinnert“, fällt allerdings flach, denn Markus Lanz eilt zur Flüchtlingsproblematik auf Lesbos: „Was macht die EU, Herr Reul?“ Der als „schwarzer Sheriff“ für so manche drastische Ansicht (und Maßnahme) berühmt-berüchtigte CDU-Politiker, ein Mann von altem Schrot und Korn, gibt nach einigen Allgemeinplätzen unumwunden zu: „Ich bin kein Prophet“. Ulrike Guérot tadelt Lanz: „Sie verwischen die Themen!“

US-Wahl, Pandemie, Kriminalität, das ist ihr offensichtlich zu viel in einer Talkshow, obgleich sie das „Wegbrechen der Mittelschicht“ nicht nur in den USA für die Krise hauptverantwortlich macht. Markus Lanz lässt sich nicht aus dem Konzept bringen: „Das Thema ist Griechenland! Wo sind die 2,6 Milliarden Euro der EU an Griechenland geblieben?“ Unser „Steuerzahlergeld“!

Für Reul ist nur nicht einer schuld. Er bleibt aber diffus: Bei den Griechen habe es mehrere Regierungswechsel gegeben. Guérot gibt zu denken, dass Griechenland bei nur acht Millionen Einwohnern insgesamt 800.000 Flüchtlinge aufgenommen habe, der Libanon bei einer Bevölkerung von vier Millionen gar eine Million und Deutschland mit 80 Millionen „nur“ ebenfalls eine Million. Und dann ist sie bei ihrem Lieblingsthema, das hier allerdings ins Schwarze trifft: „Welche Werte möchte Europa verteidigen?“ Eine serbischen Menschenrechtlerin habe ihr ein Licht aufgehen lassen: „Die Flüchtlinge kommen, um zu fragen, wer wir sind!“

Markus Lanz im ZDF ist im Clinch mit der Wissenschaftlerin

Markus Lanz mit dem sich Guérot immer wieder fetzt, was die Diskussion lebendig macht, zitiert aus einem Artikel von ihr, indem sie für neue Städte in Europa wie Neu-Aleppo oder Neu-Kabul, wo die Flüchtlinge leben könnten, plädiert habe. „Städte sind besser als Lager“, sagt sie und macht selbstironisch Werbung, indem sie Lanz anlächelt: „Das war eines meiner besten Stücke. Es ist überall super gelaufen!“ Ihr hehres „Wer wollen wir sein?, wenn „wir“ es nicht schaffen 13.000 Flüchtlinge nach dem Brand im Lager Moria auf Lesbos aufzunehmen, attackiert Lanz als „philosophische Frage aus dem Elfenbeinturm“. Momente wie diese geben der manchmal etwas drögen Sendung einen hohen Unterhaltungsfaktor!

„Olaf Sundermeyer schüttelt den Kopf und denkt sich was?“, ist Markus Lanz in Hochform. Fast eingeschüchtert entgegnet dieser: „Nein, nein, ich habe interessiert zugehört“. Und schon ist man beim letzten Gesprächsblock: Clans bei Familien mit Migrationshintergrund, die ihre Angelegenheiten oftmals mit Gewalt regeln, und unsere Angst davor, die laut dem Experten für innere Sicherheit, der sich übrigens gegen ein NPD-Verbot ausspricht, zu einer gesellschaftlichen Spaltung führen könnten. Warum die Politik bei den kriminellen Delikten der türkischen, libanesischen oder syrischen Clans Jahre, ja jahrzehntelang tatenlos zugesehen hätte? Reul der an diesem Abend nur selten konkret wird, hat trotzdem seine zweite ehrliche Antwort parat: „Wir tun uns schwer, Probleme bei der Migration zu benennen. Wir tun uns allgemein schwer, Probleme in der Politik zu benennen.“ Angst zu stigmatisieren und als ausländerfeindlich zu gelten, spiele in diesem Fall sicher eine Rolle. Da ist sich die gesamte Runde ausnahmsweise mal einig.

Aufklärung bei Markus Lanz im ZDF

Sundermeyer klärt auf, dass so mancher Flüchtling auf die schiefe Bahn geriete, wenn er sich anstatt im Oderbrucher Asylantenheim, lieber in Berlin auf der Sonnenallee aufhielte. Er müsse ja nur an einen Tag im Monat seine Anwesenheit nachweisen. „Ach, so läuft das?“, entfährt es Markus Lanz naiv. Sundermeyer und auch Reul mit seiner „Law und Order“-Politik sehen das Problem in zu wenigen sozialen Kontrollen und dass Flüchtlinge nicht arbeiten dürften, was sie quasi erst in die Kriminalität triebe. Bei eingespielten Interviewauszügen, sagt ein junger arabischer Rapper: „Es ist Euer Land. Es sind Eure Gesetze!“ Und ein Clan-Mitglied aus der dritten Generation, das also die deutsche Staatsbürgerschaft und die damit verbundenen Rechte hat, ergänzt: „Wir sind von einem anderen Planeten.“ Als Lanz fragt: „Wie holen wir ihn auf unseren Planeten zurück?“, bringt Ulrike Guérot das Dilemma dieser Sendung und Talkshows im allgemeinen auf den Punkt: „Wer hat denn hier schon ´ne Antwort?“

Ebenfalls unter den Tisch fällt mit nur zwei, drei Sätzen der Berliner Prozess gegen Clan-Chef Abou Chaker, indem Star-Rapper Bushido als Zeuge aussagt. Dafür wirbt Reul für seine Präventionsprogramme. Druck müsse „auf die Truppe ausgeübt“, „Das fröhliche Leben beendet“ und auch mal die mit dem „großen Geld“ vors Gericht gebracht werden. Guérot klingt das eine Spur zu reaktionär. Im historischen Kontext betrachtet, sei das Auffangbecken für Familien immer die Familie selbst gewesen. Und auch Lanz stellt klar: „Nicht jeder Clan ist kriminell.“ Er käme aus Südtirol, da wären alle friedlich gewesen: „Das war hochspannend! Das sollten wir fortsetzen, um von einer Zwischenbilanz zu einer Endbilanz zu gelangen.“ „Wetten, dass..?“ es zu letzterem garantiert nicht kommt? (Von Marc Hairapetian)

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