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TV-Talk mit Markus Lanz im ZDF.
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TV-Talk mit Markus Lanz im ZDF.

TV-Kritik zu Lanz

Markus Lanz (ZDF): Peter Altmaier ringt sichtbar um Fassung

  • Marc Hairapetian
    VonMarc Hairapetian
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Bei Markus Lanz (ZDF) nimmt der scheidende Wirtschaftsminister Altmaier Stellung zum weiteren Corona-Kurs sowie zur Neuaufstellung seiner Partei.

Berlin - „Ein Film muss mit einem Erdbeben beginnen und sich dann langsam steigern.“ So lautete das Erfolgsrezept des US-amerikanischen Filmproduzenten Samuel Goldwyn (1879 - 1974, „Stürmische Höhen“, „Die besten Jahre unseres Lebens“, „Schwere Jungs - leichte Mädchen“). Moderator Markus Lanz hat sich davon bei seiner Talkshow im ZDF am Dienstagabend (09.11.2021) zumindest den ersten Teil zu Herzen genommen. Bei seiner Vorstellung begrüßt er - wie immer - eine „schöne Runde“ voller altbekannter Gesichter.

Diesmal im ZDF dabei: Dr. Carola Holzner, Oberärztin an einem Duisburger Klinikum, Journalistin Claudia Kade, Politikexpertin von der Welt, Autor Frank Schätzing, dessen im April erschienene Kilmawandel-Bibel „Was, wenn wir einfach die Welt retten?“ ganz oben auf der Spiegel-Bestenliste im Bereich „Bestseller Hardcover Sachbuch“ landete, und CDU-Politiker Peter Altmaier.

Markus Lanz (ZDF): Not der Geflüchteten in Belarus Thema

Dem scheidenden Bundeswirtschaftsminister wirft er vor, nachdem er Bilder von Menschen, darunter viele Kinder, an der Grenze von Belarus zu Polen gezeigt hat, die am 8. November„German! German!“, also nicht ganz korrekt „Deutschland! Deutschland!“ skandierten: „Wir machen uns doch erpressbar!“ Recht hat er, wenn er sagt, dass „ein Diktator nach dem anderen“, und er nennt sie auch bei ihren Namen - Recep Tayyip Erdoğan und Aljaksandr Lukaschenka - kleine Kinder vorschiebt, sie systematisch instrumentalisiert und die Noch-Regierung mit offenem Mund einfach bei diesem „zynischen, ekelhaften Spiel“ zuschaut.

Peter Altmaier ringt bei Markus Lanz um Fassung: Die gezeigten Aufnahmen findet er „menschlich auch anrührend“. Als der Moderator sichtlich aufgebracht nachlegt: („Wir haben da eine Verantwortung!“) und auch Claudia Kade wissen möchte „Wo ist denn da Angela Merkel in der ganzen Causa?“, rutscht der schwergewichtige Jurist etwas nervös auf seinem Sitz hin und her: Die Regierung habe alles getan, um Menschen zu helfen und „humanitärer Verantwortung Rechnung zu tragen“. Nicht ganz verkehrt, denn Deutschland hat in den letzten Jahren von zwei Millionen Flüchtlingen zwei Drittel aufgenommen, ein Drittel ist in Skandinavien und den Niederlanden untergekommen.

Beim Thema Belarus ist Markus Lanz (ZDF) richtig in Fahrt

Peter Altmaier nennt Belarus weiterhin traditionell Weißrussland. Nun ist Markus Lanz (ZDF) richtig in Fahrt: „Herr Lukaschenka muss wissen, dass wir dieses Spiel nicht hinnehmen!“ Auf die bürokratisch langen Wege innerhalb der Europäischen Union könne man nicht warten. Zustimmung erhält er von Claudia Kade, die weiß, dass Aljaksandr Lukaschenka nichts machen würde, ohne dass Wladimir Wladimirowitsch Putin seine Hände dabei im Spiel hätte.

Peter Altmaier ist nun d’accord. Man müsse überlegen, ob man die Sanktionen gegen „Weißrussland“ (mit dem Namen „Belarus“ hat er offensichtlich ein Problem) nicht drastisch verschärfen sollte. Und dann wird er im Gegensatz zu seinen weiteren Statements am Abend doch einmal deutlich: „Herr, Lukaschenka ist ein Mafioso!“

Corona-Talk bei Markus Lanz (ZDF): „Wir leben in katastrophenreichen Zeiten“

Köln-Krimi-Schöpfer Frank Schätzing, der vor seinem Durchbruch mit „Der Schwarm“ (2005), in dem eine unbekannte intelligente Lebensform aus der Tiefsee die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht, nur literarischen Insidern bekannt gewesen ist, gelingt mit dem lapidaren Satz „Wir leben in katastrophenreichen Zeiten“ die Überleitung zum Dauerthema der letzten zwei Jahre: Corona. Und wieder muss sich der arme Peter Altmaier stellvertretend für die bald von der Ampel-Koalition abgelöste Bundesregierung Vorwürfe gefallen lassen, vor allem von Claudia Kade und Dr. Carola Holzner.

Die Inzidenzen steigen in Ausmaßen an, die im Sommer noch nicht vermutet werden konnten. Kostenlose Schnelltests einfach abgeschafft. Krankenhäuser voll. Pflegekräfte überlastet. 2G- oder 3G-Regelung? Die laut Markus Lanz „180 Grad-Drehung“ des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn vom Beenden der pandemischen Notlage hin zur allgemeinen Impfpflicht in wenigen Tagen. Wie will man die Covid-19-Pandemie endlich in den Griff bekommen? Peter Altmaier gibt zu, dass sein Parteifreund hier „nicht klar genug“ gewesen sei, im „juristischen Sinne“ aber keinen Fehler gemacht habe, da im Sommer die jetzige Entwicklung noch nicht abzusehen gewesen sei.

Corona bei Markus Lanz (ZDF): Impfquote in Deutschland zu niedrig

Für Dr. Carola Holzner fahren wir in Deutschland „gerade mit Vollgas um die Kurve“, wissentlich, „dass wir die die Kurve nicht kriegen“. Frank Schätzing sieht das Problem darin, dass wir uns in der Corona-Politik ständig korrigieren müssen: „Wir eiern herum!“ Claudia Kade hat aus Reihen der Union „keine flammenden Reden zur Booster-Impfung“ gehört. Dr. Carola Holzner ist für die Diskussion einer Impfpflicht. Peter Altmaier auch, ohne zu benennen, welche Berufsgruppen dazu verpflichtet werden sollten. Für sie ist aber klar, was er nicht ausspricht: Das Pflegepersonal sollte es zum eigenen Schutz und zum Schutz anderer sein. Frankreich sei drastischer, meint Markus Lanz.

Staatspräsident Emmanuel Macron hätte im Juli zu den Krankenschwestern gesagt, dass sie nur noch arbeiten dürften, wenn sie zweimal geimpft wären, „ansonsten gibt es kein Geld!“ Dr. Carola Holzner setzt auf Aufklärung und Überzeugungsarbeit in ihrem Klinikalltag. „Am liebsten hätte ich am Revers Impfdosen hängen“, dann würden sich neun von zehn noch ungeimpften Patienten doch noch dazu bewegen lassen. „Wenn schon impfen, dann nur von Dr. Holzner!“, witzelt Markus Lanz, der 70 Prozent Impfquote für zu niedrig hält. In Dänemark sei man sich inzwischen einig, dass man 91 oder 92 Prozent zum Knockout der Pandemie erreichen müsse.

Bei Markus Lanz wird über Nebenwirkungen von Corona-Impfungen nicht gesprochen

Bei all diesen Aufrufen zum Impfen wird über die zum Teil drastischen Nebenwirkungen leider gar nicht gesprochen, die nun doch keine Einzelfälle sind. Bei zwei Frauen, beide Anfang 30, eine davon Krankenschwester, aus dem Freundeskreis des Verfassers dieser Zeilen war nach zweifacher Vakzinierung der weibliche Zyklus eine Zeitlang völlig durcheinander. Der Autor selbst, der sich mit Biontech impfen ließ, auch deshalb, um wieder am kulturellen Leben teilzunehmen, hat - obwohl ebenfalls zu jung dafür und ohne Vorerkrankung - kurz nach der zweiten Dose Herzprobleme bekommen, was vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) im Charité Campus Virchow-Klinikum dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet wurde. Nach dem Einsetzen von Stents ist aber zum Glück alles wieder so gut wie zuvor.

Markus Lanz im ZDF vom 09.11.2021Die Gäste
Peter AltmaierPolitiker (CDU)
Claudia KadeJournalistin (Die Welt)
Dr. Carola HolznerÄrztin
Frank SchätzingAutor

Die letzten 22 Minuten bis zur Mitternachtsstunde und dem Ende der Sendung im ZDF mit und von Markus Lanz werden dem Klimawandel gewidmet. Doch zuerst wünscht Frank Schätzing Peter Altmaier „einen fröhlichen Unruhestand“. Das Dankeschön gilt in der Tat jemand, der sich mit „Freundlichkeit und Offenheit“ so manchem heiklen Thema gestellt hat - und dabei immer viel einstecken muss. Für den Kommunikationswissenschaftler haben „alle Regierungen zu wenig getan“.

Peter Altmaiers Eingeständnis im ZDF eines „politischen Scheiterns“ diesbezüglich ehre ihn. Die Klimakonferenz in Glasgow habe leider zutage gebracht, „dass die einst in Kyōto und Paris definierten Ziele verfehlt worden sind“. Die Erderwärmung von 1,5 - 2 Grad Celsius sei kaum noch zu verhindern und somit das Schmelzen der Polkappen oder das Verschwinden der Regenwälder. Deutschland habe zu lange in technologischen Stillstand subventioniert statt in innovative Systeme wie Flugwindkraftanlagen.

Markus Lanz attackiert im ZDF Peter Altmaier

Markus Lanz (ZDF) attackiert erneut den seit dem 14. März 2018 als Bundesminister für Wirtschaft und Energie im Kabinett Merkel IV, agierenden Peter Altmaier (seit dem 26. Oktober 2021 übrigens „nur noch“ geschäftsführend). 350 Milliarden Euro seien in die Subventionierung herkömmlicher Energiegewinnung wie Kohlekraftwerke gesteckt worden, aber kein Pfennig in erneuerbare Energien. Hier erweist sich der Gastgeber als inkompetent. Peter Altmaier klärt ihn auf. Dieselbe Summe sei auch in Windräder und andere innovative Systeme geflossen. Deutschland habe aber nicht wie Emmanuel Macron in Minikraftwerke, die frei von Strahlung seien, investiert. Ohne Innovation gäbe es kein „grünes Wirtschaftswunder“, so Frank Schätzing.

Doch das Zauberwort „grüner Wasserstoff“ müsse erst einmal produziert werden. Anstatt „grünen Wasserstoff“ von den Saudis zu importieren, sei es doch sympathischer diesen aus Marokko und Algerien zu beziehen. Saudi-Arabien habe aber das Geld, diese Energieelle selbst zu produzieren, gibt Peter Altmaier zu denken. Bei den beiden anderen Ländern müsse man zuvor Entwicklungshilfe leisten. Richtig einig werden sich Markus Lanz und Peter Altmaier im ZDF heute aber nicht mehr. Deswegen will der smarte Südtiroler den bodenständigen Saarländer erst wieder einladen, „wenn alles vorbei ist“. „Schauen wir mal“, antwortet Peter Altmaier salopp diplomatisch wie einst nur Franz Beckenbauer. Nach dem Erdbeben wird vermutlich erst einmal die Friedenspfeife geraucht. (Marc Hairapetian)

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