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Markus Lanz
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Moderator Markus Lanz. (Screenshot)

TV-Kritik

Markus Lanz: Ein ZDF-Jahresrückblick - natürlich mit Karl Lauterbach

  • VonMichael Meyns
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Beim ZDF-Jahresrückblick von Markus Lanz folgt ein hartes Thema auf das nächste. Das Land hat sich ruhige Weihnachten mehr als verdient. Die TV-Kritik.

Auf einen entspannten Jahresrückblick hatte Markus Lanz gehofft, nun fand er sich – zumindest zu Beginn seiner Sendung „Das Jahr 2021“ – in einer Art ZDF Special zur Corona-Krise wieder. Doch auch andere Themen prägten dieses Seuchenjahr, dem wohl kaum jemand eine Träne nachtrauert.

Thema Corona, Gast Lauterbach, so hieß es oft in diesem Jahr, so war es auch in Markus Lanz Jahresrückblick im ZDF. Der neue Gesundheitsminister wirkte von der Last der Situation geschafft: Am Anfang des Jahres sah die Situation gut aus, aber der Vorsprung wurde verspielt. Schon im Juli warnte das RKI vor dramatisch hohen Zahlen, doch die Politik befand sich im Wahlkampf, mahnende Worte wollte da niemand aussprechen, mit der Folge müssen wir jetzt leben.

Markus Lanz - Das Jahr 2021 (ZDF): Wieder einmal ist Karl Lauterbach zu Gast

Zusätzliches, neues, aber auch bekanntes Problem: Zu wenig Impfstoff. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt machte Karl Lauterbach Inventur und musste feststellen, dass in den nächsten Wochen der Corona-Impfstoff knapp wird. Momentan boostert Deutschland weltmeisterlich, bis zu 1,1 Millionen Impfungen pro Tag sind ein guter Weg, die vierte Welle zu brechen und die Gefahr durch die neue Omikron-Variante gar nicht erst aufkommen zu lassen. Doch so wird es nicht weitergehen, zumindest falls es Lauterbach nicht schafft, irgendwie mehr Dosen aufzutreiben.

„Markus Lanz - Das Jahr 2021“: natürlich mit Karl Lauterbach. (Screenshot)

Alena Buyx, Vorsitzende des Ethikrats, wies auf die besondere Gefahr durch die Omikron-Variante hin, die besonders ansteckend ist und gerade bei noch nicht geboosterten Menschen den Impfschutz aushebeln kann. Auch Buyx bemühte bei Markus Lanz im ZDF das beliebte Bild vom Murmeltier und so ging es zum Corona-Thema dann auch weiter: Ralf Berning war zu Gast, Intensivkrankenpfleger in Bielefeld, der schon einmal bei Lanz von der schwierigen Lage auf den Intensivstationen berichtet hatte und dieses Dauerproblem noch einmal ansprach. CSU-Chef Markus Söder könnte Lauterbach im nächsten Jahr als Lanzscher Lieblingsgast ablösen und betonte wie immer, welche wunderbare Politik Bayern betreibt, welche Bonuszahlungen erfolgt sind, welch hervorragender Staatsmann er ist.

Markus Lanz - Das Jahr 2021 (ZDF): Markus Söder prophezeit der Ampel Risse

Zum Bundeskanzler hat es für Söder bekanntermaßen nicht gereicht, denn auch das passierte in diesem Jahr: Angela Merkel trat ab, ein Nachfolger wurde gesucht, die Union entschied sich für Armin Laschet, dabei war Markus Söder „der Kandidat der Herzen“, wie ihn sein CSU-Generalsekrätar nannte. Bedauern kennt Söder allerdings nicht, zumindest behauptete er das bei Markus Lanz im ZDF, lies sich natürlich nicht aus der Reserve locken und zur Aussage verleiten, dass die Union mit ihm immer noch an der Macht wäre. Auch wenn Söder keinen Bock auf Opposition hatte, findet er sich genau dort wieder, noch dazu ohne einen Bayern im Bundeskandidat. Aber Söder blickt nach vorn und prophezeite der Ampel, dass sie bald Risse zeigen wird und mehr einer Lichtorgel ähneln wird.

Markus Lanz - Das Jahr 2021 (15.12.2021) Gäste der Sendung
Karl LauterbachBundesgesundheitsminister
Alena BuyxVorsitzende des Ethikrats
Ralf BerningIntensiv-Krankenpfleger
Markus SöderVorsitzender der CSU
Elmar TheveßenWashington-Korrespondent des ZDF
Michael FanonePolizist in Washington, D.C.
Gerald Asamoahehemaliger Fußball-Nationalspieler
Carlotta NwajideRuderin
Lars KlingbeilCo-Vorsitzender der SPD
Zarifa Ghafariafghanische Frauenrechtsaktivistin
Jens ArltBrigadegeneral bei der Bundeswehr
Tankred StöbeÄrzte ohne Grenzen
Herbert ReulInnenminister Nordrhein-Westfalen
Cornelia WeigandBürgermeisterin von Altenahr
Dirk SteffensWissenschaftsjournalist

Über den großen Teich ging es dann, an den Anfang des Jahres, zum 6. Januar, als in Washington DC Trump-Anhänger das Kapitol stürmten in der irrigen, geradezu wahnwitzigen Erwartung, die vollkommen korrekt abgelaufene Wahl Joe Bidens zu kippen. Hautnah dabei war der Polizist Michael Fanone, der sich den gewalttätigen Demonstranten entgegenstellte und dabei bewusstlos geschlagen wurde und einen Herzinfarkt erlitt. Nun war er zusammen mit Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent in Washington, bei Markus Lanz im ZDF zu Gast, und beschrieb eindringlich, wie die viel zu wenigen Polizisten von den Demonstranten überrannt wurden. Diverse Verschwörungstheorien kursieren ob dieses Polizeiversagens, die Aufarbeitung läuft noch, erste Prozesse haben schon stattgefunden. Auch Fanone bestätigte den Eindruck, dass zumindest Teile der Proteste organisierter waren, als es angesichts des Chaos im ersten Moment wahrscheinlich erscheint. Theveßen behauptete, dass der Angriff aufs Capitol aus dem Weißen Haus, von Trump selbst gesteuert war, eine These, die in Amerika heiß diskutiert wird. Könnte sie bewiesen werden, würde dies auch verhindern, dass Donald Trump bei der nächsten Präsidentschaftswahl noch einmal antritt, was ansonsten wohl sehr wahrscheinlich erscheint.

Markus Lanz - Das Jahr 2021 (ZDF): Rassismus im Sport und Katastrophe in Afghanisstan

Sport gab es auch. Statt 2020 war 2021 ein großes Sportjahr mit Olympischen Spielen und der Fußball-Europameisterschaft, die man aus deutscher Sicht am liebsten vergessen würde. Wichtiger als der Sport war jedoch der Rassismus, der immer noch und immer wieder dunkelhäutigen Spielern entgegenschlägt. Gerald Asamoah, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, konnte bei Markus Lanz im ZDF aus eigener Erfahrung berichten. Er wusste, wie es den drei englischen Spielern ging, die im EM-Finale Elfmeter verschossen hatten und damit England den langersehnten Titel kosteten. Drei People of Color waren das und postwendend wurden sie in den folgenden Tagen rassistisch beleidigt. Auch die Ruderin Carlotta Nwajide hat Rassismus erfahren, über ihre eigenen Erfahrungen wollte sie jedoch nicht sprechen, sondern lieber über die festsitzenden rassistischen Strukturen, die stets vorhanden sind und sich manchmal auf sehr hässliche Weise zeigen.

Weiter ging es nach Afghanistan, wo der Westen 20 Jahre dem Irrglauben hinterherlief, das Land demokratisieren zu können. Der frisch gekürte US-Präsident Joe Biden beendete das Desaster, doch der überhastete Abzug der internationalen Truppen entwickelten sich zu einem der blamabelsten Momente der NATO-Geschichte. Noch nach dem Truppenabzug war Tankred Stöbe von der NGO „Ärzte ohne Grenzen“ vor Ort und versuchte zu helfen. Bei Markus Lanz im ZDF versuchte er die katastrophale Situation zu beschreiben, das Leid der Zivilbevölkerung, die zurückgelassenen deutschen Hilfskräfte, die wehrlos in die Hände der Taliban fielen.

Markus Lanz - Das Jahr 2021

15. Dezember, 20.15-22.20 im ZDF und abrufbar in der ZDF-Mediathek

Auch die afghanische Kommunalpolitikerin und Frauenrechtlerin Zarifa Ghafari musste das Land verlassen, sie konnte mit ihrer Familie von der Bundeswehr ausgeflogen werden. Nur knapp 5000 Menschen wurden von der Bundeswehr ausgeflogen, warum das keineswegs ein Versagen war, erklärte mit bestimmten, ruhigen Worten der Brigadegeneral Jens Arlt, der auf einer Familienfeier den Anruf bekam und Tage später in das Chaos von Kabul flog. Von Männern, die sich mittels gestohlener Kinder Einlass in die Sicherheitszone zu verschaffen suchten – und dann die Kinder wegwarfen, berichtete Arlt. Eine furchtbare Situation, die für die Menschen vor Ort immer dramatischer wird, doch die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ist längst woanders. Durchaus auch ein Verdienst von Markus Lanz ZDF-Sendung, zumindest für ein paar Minuten noch einmal an Afghanistan zu erinnern.

Markus Lanz - Das Jahr 2021 (ZDF): Keine ausgleichenden Momente im Jahresrückblick

Das war beim letzten Thema nicht nötig, dem verheerenden Hochwasser an der Ahr. Auch hier stellte sich die Frage, warum die Politik so langsam reagierte, ja viel schlimmer: Die angekündigte Gefahr eines Hochwassers ignorierte. „Katastrophen kann man nicht vorhersagen“, hatte NRW Innenminister Herbert Reul gesagt, einen Satz, den er bei Markus Lanz im ZDF nicht zurücknehmen wollte. Dass es ein Hochwasser geben würde, das war klar, aber nicht wo und wie stark, versuchte Reul sich zu erklären. Auch Cornelia Weigand, die Bürgermeisterin von Altenahr, konnte die Katastrophe, die ihre Heimat zerstörte, kaum in Worte fassen. Mehr als drei Mal so hoch wie das letzte „Jahrhunderthochwasser“ von vor ein paar Jahren, stieg der Pegel dieses Mal, über 180 Menschen starben, tausende Häuser und Existenzen zerstört.

Nach zwei Stunden Jahresrückblick mit Markus Lanz im ZDF musste man konstatieren: Ein Vergnügen war dieses Jahr nicht, das wurde in diesen zwei Stunden mehr als deutlich, zumal es keine ausgleichenden, seichten, menschelnden Momente gab, wie sie etwa Günther Jauch gerne in seine Jahresrückblicke einbaute. Ein hartes Thema folgte auf das nächste, Corona, die Krise der amerikanischen Politik, Rassismus, Afghanistan. Es war ein hartes Jahr, ein paar ruhige Weihnachtstage hat sich das Land nun also mehr als verdient. (Michael Meyns)

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