Markus Lanz in seiner Talkshow ist am Reden.
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Markus Lanz (ZDF) spricht in seiner Talkshow über Corona und die Polizei.

Talk im ZDF

TV-Kritik: Debatte um Rassismus-Studie bei der Polizei sorgt für kurze Überraschung

  • vonTeresa Schomburg
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„Was machen wir in Deutschland besser?“ will Markus Lanz von seinen Talk-Gästen im ZDF wissen. Am Schluss wird es dann doch kurz spannend - als es um die Debatte um Rassismus-Studie bei der Polizei geht.

  • Im Markus-Lanz-Talk, ZDF, geht es wieder um Corona.
  • Neue Konzepte in Zeiten von Corona seien von Nöten.
  • Schließlich springt Talk-Gast Volker Bouffier Seehofer bei.

Der Herbst ist da. Deutlich zu spüren ist das an diesem Diskussionsabend, an dem Markus Lanz mit seinen Gästen immer wieder um das Thema kreist, das sich in den letzten Sommerwochen in manchen Sendungen sogar ganz aussparen ließ: Corona. Die Zahlen steigen und damit die Sorgen. „Wir können nicht damit rechnen, dass wir ungeschoren davon kommen,“ warnt Virologe Martin Stürmer, der sich dennoch müht, Zuversicht auszustrahlen. „Was machen wir in Deutschland denn besser?“ will Markus Lanz mit Blick auf die Lage in Frankreich und Spanien wissen.

Markus Lanz, ZDF: Deutschland mit niedriger Corona-Grundinfektionsrate

Dass sich die Deutschen im Umgang mit dem Coronavirus so diszipliniert durch Frühling und Sommer bewegten, wie Stürmer sagt, könne ja nicht alles gewesen sein. Zumal andere Länder viel härtere Maßnahmen eingeführt hätten. „Gegen die waren wir doch quasi Fantasialand“, greift Markus Lanz zu Galgenhumor. Die Grundinfektionsrate sei einfach niedriger gewesen als in Frankreich oder Spanien, betont Stürmer, der auch über seine eigene Infektion mit Covid-19 berichtet, sein Geruchs- und Geschmackssinn sei noch immer nicht vollständig wieder hergestellt.

Wie wenig diszipliniert gerade die Gruppe der 20- bis 29-Jährigen, bei denen der Feierwunsch am größten ist, immer wieder mit dem Virus umgeht, zeigen Videoeinspieler aus Hamburg, wo in Szenelokalen wie der „Katze“ im Schanzenviertel Menschen dicht an dicht gedrängt stehen, als hätte es nie eine Pandemie gegeben. Falko Droßmann. Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, berichtet, wie schwer der Umgang mit den Clubbetreibern sei.

Bei Markus Lanz im ZDF werden neue Konzepte zu Corona gefordert

Die einen hielten sich brav an die Auflagen, während den anderen alles völlig egal zu sein scheine. Bußgeld helfe wenig, nur Schließungen, aber alles schließen will niemand. „Da brauchen wir neue Konzepte“, wiederholt Droßmann mantrahaft. Was helfen Zettel voller Kontaktadressen, wenn die Gäste Fantasienamen wie Lucky Luke, Peter Pan oder, wohl wegen Kurzatmigkeit, Darth Vader darauf schrieben? Lustig ist das nicht, denn nur gut 30 Prozent der Kontakte seien für die Gesundheitsbehörden nachverfolgbar gewesen. Könnten elektronische Datenerfassungssysteme über QR-Codes helfen oder wenigstens die Corona-App doch noch als Pflicht zu installieren? Letztlich bleiben alle ratlos.

„Die Polizei sitzt ja auch mit in der Runde“, fällt Markus Lanz ein wenig spät ein. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter Sebastian Fiedler steigt vor allem auf die Bedenken zum Datenschutz ein. „Ich glaube, wir sind nicht ganz ehrlich, wenn es um Datenschutz geht“. Immerhin schicken gerade 20- bis 29-Jährige ohne zu Zögern all ihre Daten über Facebook oder Instagram durchs Netz. Nachdem es dann auch noch um die wieder geöffneten Hamburger Bordelle geht und die Debatte droht, in Schlüpfrigkeiten abzudriften, sorgt Droßmann noch für Lacher mit der Bemerkung, sein Gesundheitsamt habe hier kontrolliert. „Manche Dienstleistungen sind eben nicht möglich, aber auf alles andere möchte ich nicht eingehen, da die CDU anwesend ist.“

Volker Bouffier bei Markus Lanz im ZDF

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der sich bisher darauf beschränken durfte, zu betonen, wie gut man bislang die Corona-Lage in Hessen im Griff habe, rückt nun in den Mittelpunkt: mit Themen, die berühren aber gleichzeitig auch wenig Diskussionsstoff und Angriffsfläche bieten, weil sie einfach zu persönlich sind. Markus Lanz will wissen, wie Bouffier dieses Jahr überstanden habe, in dem sein langjähriger Parteifreund Walter Lübcke ermordet wurde, in dem Hessens Finanzminister Thomas Schäfer Selbstmord beging, der Anschlag auf Hanau das Land erschütterte und Bouffier selbst mit einer Krebsdiagnose zu kämpfen hatte.

Zum Schluss der Sendung gibt es dann doch noch den Hauch einer Kontroverse zwischen Bouffier und Kriminalbeamten-Vertreter Fiedler, der über die rassistische Chatgruppen bei der Polizei in NRW berichten soll. Bouffier springt etwas überraschend Innenminister Seehofer bei und spricht sich ebenfalls gegen Studien über rassistische Tendenzen bei der Polizei aus, weil die Polizei angeblich Vertrauen verdiene. Dabei betont Fiedler, dass es sich hier keinesfalls um Einzelfälle handele und die Chefs der Dienstgruppe teilweise mit im Chat gewesen seien.

Der Mehrwert der Diskussion erschließt sich aber kaum, Bezirksamtsleiter Droßmann aus Hamburg würgt sie schließlich mit Blick auf offenkundige Passwort-Schlampigkeit bei der Polizei mit der bissigen Bemerkung ab, ein Kriminalbeamter, der sein Passwort an den PC-Bildschirm klebt, sei mindestens technisch in den 90er Jahren des letzten Jahrtausends kleben geblieben. Da bleibt Markus Lanz nicht mehr viel übrig, als eilig die Runde zu beschließen und scherzhaft anzudrohen: Demnächst gäbe es eine dreiteilige Talk-Serie über Digitalisierung in Deutschland. Dann hoffentlich wieder mit etwas mehr kreativem Diskussions-Esprit als in dieser Sendung. (Von Teresa Schomburg)

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