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Leonhard und Marianne.

„Marianne & Leonard“

„Marianne & Leonard“ im Kino: Dichter und Muse

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Nick Broomfields Dokumentarfilm „Marianne & Leonard“ erzählt die Liebesgeschichte hinter einem berühmten Leonard-Cohen-Song.

Es ist wie in so vielen „Rockumentaries“: Was immer die Filmemacher in neuen Interviews mit Zeitzeugen und Künstlerkollegen in Erfahrung bringen, welcher in Würde ergraute Kollege sich auch immer die Ehre gibt – es reicht nicht heran an den Reiz der Schnipsel aus den Archiven: An Konzertausschnitte, die meist viel zu früh enden, an Höhepunkte früherer Dokumentarfilme, die man lieber an Ort und Stelle in voller Länge sähe.

Der Vorsprung der historischen Zeitgenossenschaft ist auch im obskursten Nachrichtenbild unaufholbar, und er vergrößert sich mit den Jahrzehnten. Filmfan Martin Scorsese, dessen grandiose Dokumentation „Rolling Thunder Revue – A Bob Dylan Story“ fast ein Grund wäre, Netflix zu abonnieren, weiß das natürlich besser als jeder andere: Lieber lässt er seinen Film 142 Minuten dauern als einen grandiosen Auftritt zu früh auszublenden.

Der britische Dokumentarfilmer Nick Broomfield war mal in der Nähe, als der kanadische Dichter Leonard Cohen und seine norwegische Partnerin Marianne Christine Ihlen zum Kern der Künstlerkommune auf der griechischen Insel Hydra zählten. Einige Meter 8mm-Film und zahlreiche Fotos – das bekannteste auf der Rückseite von Cohens zweiter LP „Songs from a Room“ – dokumentieren die Beziehung, die etliche heute klassische Songs inspirierte. Am bekanntesten das Abschiedslied „So Long, Marianne“.

Gerade von ihrem Ehemann, dem Autor Axel Jensen, verlassen, begegnete sie dem stattlichen dunkelhaarigen Kanadier 1960 beim Einkaufen. Einige Jahre blieben beide ein Paar, wobei Marianne wie schon in ihrer früheren Beziehung die Rolle der Muse ausfüllte. In einem raren Konzertausschnitt erklärt Cohen etwas schnoddrig, wie man sich ihren langen Abschied vorzustellen habe. Erst war man sich das ganze Jahr zusammen, dann ein halbes Jahr, dann ein paar Wochen im Jahr. „Und heute sind wir noch einige Tage im Jahr ein Paar“. Zu besonderer Berühmtheit gelangte ein Abschiedsbrief, den er der an Leukämie erkrankten Partnerin nur drei Monate vor dem eigenen Tod sandte. Der Film dokumentiert in einer bewegenden privaten Aufnahme, wie er ihr am Sterbebett vorgelesen wird.

Es ist nicht leicht, dem Musentum biographisch gerecht zu werden. Marianne Ihlen empfand ihre selbstgewählte Aufgabe als erfüllend. Das Verhältnis zwischen Liebe und Bewunderung erlebte sie als harmonisch, und Cohen erzählt an anderer Stelle in einem Interview das Liebe nur ohne Hierarchien möglich sei.

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Auch die Legende, dass ihr der ihr gewidmete Song und der öffentlich gemachte Abschied missfallen habe, scheint ein später Konzertausschnitt zu entkräften: Bei einem späten Auftritt in Oslo sitzt sie als Gast des Sängers in der ersten Reihe und lässt sich das Ständchen sichtlich gefallen.

Aber Cohen war, wie auf einem Albumtitel unmissverständlich mitgeteilt, ein Ladies‘ Man. Einen wunderbaren Eindruck von seiner Anziehungskraft auf Frauen vermittelt ein Ausschnitt aus dem 1974er Tournee-Film „Bird on a Wire“, den man am liebsten an Ort und Stelle bis zu Ende schauen möchte. Da stolpert ein – vom Filmemacher unerkannter – Udo Jürgens mit einer attraktiven Begleitung in seine Garderobe, die Cohen unmissverständliche Angebote macht. Jürgens, dem in diesem Dingen ein ähnlicher Ruf wie Cohen anhaftet, nimmt die offensichtlich überraschende Situation mit kollegialer Heiterkeit.

Der dokumentarische Liebesfilm „Marianne & Leonard: Words of Love“ entgleitet nicht ins Boulevard. Vielmehr gelingt Nick Broomfield, einem Veteranen des britischen Dokumentarfilms, ein erhellendes Zeitbild über wechselnde Konzepte von Liebe und Sexualität.

Nicht nur die gealterten männlichen Protagonisten trauern dabei den sechziger Jahren nach. Auch Marianne bekannte sich zeitweilig zu schnell wechselnden Partnern, zu denen – man hätte auf das Broomfields stolzes Geständnis auch verzichten können – nicht zuletzt der Filmemacher zählte.

Zu den Leidtragenden dieses Lebensstils zählten oft die Kinder. Offen beleuchtet der Film den massiven Drogenkonsum in der Künstlerkommune auf Hydra. Auf der Insel scheint man sich ein Art sonniges Greenwich Village eingerichtet zu haben – und doch hatte der damals ausschließlich schreibend tätige Dichter keine Ahnung von der New Yorker Folk-Szene. Erst als die Sängerin Judy Collins seine Songs aufnahm, wagte sich auch Leonard Cohen als Sänger an die Öffentlichkeit. Der erste Hit trug bereits den Namen seiner nächsten Freundin; „Suzanne“.

Marianne & Leonard: Words of Love. Dokumentarfilm. USA 2019. 119 Min.

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