Ade, Melone und Schirm: Der britische Schauspieler Patrick Macnee ist gestorben. Auf dem Foto als John Steed an der Seite von Emma Peel (Diana Rigg).
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Ade, Melone und Schirm: Der britische Schauspieler Patrick Macnee ist gestorben. Auf dem Foto als John Steed an der Seite von Emma Peel (Diana Rigg).

Patrick Macnee ist tot

Der Mann, der sich selbst genügte

  • Harald Jähner
    vonHarald Jähner
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Zum Tod von Patrick Macnee, der vor allem der John Steed aus „Mit Schirm, Charme und Melone“ war. Der Brite starb jetzt im Alter von 93 Jahren in Kalifornien.

Nur einmal küsste er sie. Und das nur ganz scheu, und nur in der allerletzten Folge. Das Küssen stand ihm einfach nicht. Und Emma Peel erst recht nicht.

Patrick Macnee war das Inbild eines britischen Gentlemans, aber eben nicht ganz. Wäre es so, die britische Oberschicht wäre längst ausgestorben, so asexuell, ungerührt und unnahbar stolzierte Macnee in der Rolle des John Steed durch die absurdesten Plots, – eine Rolle, mit der er Fernsehgeschichte schrieb und wegen der er wohl unvergesslich bleiben wird.

Chapeau, ein Gentleman!

Von 1961 bis 1969, in insgesamt 161 Episoden spielte Macnee den Agenten John Steed in der britischen TV-Serie „The Avengers“, die unter dem Titel „Mit Schirm, Charme und Melone“ auch die Deutschen vor den Fernsehschirm fesselte. Eine derart schräge, absurde, leichtfüßige und verdreht erotische Krimiserie hatten sie noch nie gesehen. Noch nie eine Karateschläge austeilende Frau, die mit Bösewichten um sich warf und sie mit sarkastischen Kommentaren lächelnd ins Jenseits beförderte, nie einen Mann, der ihr dabei derart nobel assistierte.

Die Drecksarbeit erledigte sie mit Hand- und Fußkanten, während er die stahlverstärkte Krempe der Melone einsetzte, den klingenbewehrten Schirm oder schlicht seine Intelligenz. Mit ihrer Hilfe kombinierte er Kronleuchter, Garagentore, Fensterflügel, Wendeltreppen oder Rasenmäher zu todbringenden Fallen.

Natürlich arbeiteten Emma Peel und John Steed im Dienste ihrer Majestät. Steed offenbar einen Dienstgrad höher, jedenfalls war meist er es, der mit den Worten „Mrs. Peel, wir werden gebraucht!“ die Ansagen machte. Aber so genau wusste man das nicht, wie man ja auch nie genau wusste, um was es überhaupt ging in den Folgen mit genialen Titeln wie: „Tote Männer sind gefährlich“, „Die Milch macht’s“ oder „Therapie des Todes“, Ein ganzes Dorf in Trance versetzt, ein Geheimbund, der seine Feinde mit Hypnose umbringt, ehemalige Offiziere, die in einer Feriensiedlung einen diktatorischen Polizeistaat errichten wollen – so waren die Fälle, die Steed und Peel zu knacken hatten.

Steel blieb dabei immer derselbe, Peel wurde erst von Elizabeth Shepherd verkörpert, bevor die unvergessliche Diana Rigg übernahm. Mit ihren Jump- und Catsuits, den vielen Reißverschlüssen, den Mützen mit Zielscheibenmotiv und ihrer spöttisch-kühlen Intelligenz spukte sie durch die Popkultur der Sechziger Jahre. Neben ihr verblasste Macnee ein wenig, aber auf die denkbar vornehmste Weise.

Nie öffnete er den Knopf seines perfekt sitzenden Jackets. Er war ein Held, weil er stets gut gelaunt über die Reize seiner Partnerin hinwegsah. Ein scheinbar altmodischer, in Wahrheit irritierend moderner Mann, der sich selbst genügt, das Gegenteil der altbackenen Flirtgockel namens James Bond. Patrick Macnee starb mit 93 Jahren in Kalifornien.

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