Anne Kim Sarnau verkauft Bastian Pastewka (l.) Arznei. Ole, Fabian Busch, ist besorgt. ZDF/Britta Krehl
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Anne Kim Sarnau verkauft Bastian Pastewka (l.) Arznei. Ole, Fabian Busch, ist besorgt.

Interview

„Manchmal ist man Psychologe, manchmal Kindergärtner“

Der Regisseur Eoin Moore über Traumbesetzungen, schauspielernde Sprengmeister, Krimis und Komödien wie im ZDF-Film „Der Sommer nach dem Abitur“.

Drei ehemalige Schulkameraden treffen sich ein Vierteljahrhundert später, um sozusagen zurück in ihre Jugend zu reisen. Was hat Sie an diesem Plot gereizt?

Ich bin nur fünf Jahre älter als die drei Jungs, die da im Auto sitzen, und die Musik, die die da hören, war auch die Musik meiner Jugend. Allerdings habe ich nicht so sehr auf Madness gestanden, das war ein bisschen wie die falsche Fußballmannschaft.

Wer war dann Ihr Favorit?

Etwas ältere, erwachsenere Musik, Led Zeppelin, die Doors, Pink Floyd, diese Richtung.

Aber die Musik war nicht das Einzige, das Sie dazu bewogen hat, Ja zu dem Projekt zu sagen, oder?

Nein, ich fand die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit spannend, mit den Träumen, die man mal hatte. Unter der Oberfläche des Roadmovies liegt in diesem Film etwas Tragisches. Außerdem hat mich sehr gereizt, mit Bastian Pastewka zu drehen. Ein Kollege hatte sehr von ihm geschwärmt und gemeint: „Wenn Du die Chance hast, mit dem zu arbeiten, dann mach’ das, das macht total Spaß.“ Und da hatte er Recht.

Warum wird unter ehemaligen Schulkameraden so gerne geblufft mit der Karriere, die man vielleicht gar nicht gemacht hat?

Ich persönlich kenne so etwas überhaupt nicht. Meine Kumpels und ich sind da superentspannt. Ich glaube, das liegt eher am Charakter der jeweiligen Person als daran, dass man in einer Klasse war. Im Film gibt es das Konkurrenzdenken eigentlich vor allem bei Alexander, und das liegt an seinem mangelnden Selbstbewusstsein, das in der Lebenskrise, in der er gerade ist, offensichtlich wird.

Pastewka, Busch und Löw – war das für Sie die Idealbesetzung?

Nur Pastewka stand fest, das Drehbuch von „Der Sommer nach dem Abitur“ ist quasi für ihn geschrieben worden. Für die beiden anderen haben wir ein Casting veranstaltet und die absolute Traumbesetzung gefunden.

Mit Pastewka als Star?

Absolut nicht. Pastewka ist ein Profi und gleichzeitig einer der bescheidensten Menschen, die ich kenne. Für ihn war es nur wichtig, dass, wie er es formuliert hat, kein Sprengmeister dabei ist.

Es gibt Sprengmeister unter Schauspielern?

Ja, die gibt es, ich hatte da auch ein paar Erlebnisse. Es gibt Schauspieler, die nicht so gut umgehen können damit, dass sie im Mittelpunkt stehen.

Da frage ich jetzt nicht nach Namen.

(Lacht): Die würde ich Ihnen auch nicht verraten. Es gehört zu unserem Beruf, damit klar zu kommen, manchmal ist man Psychologe, manchmal Kindergärtner. Man muss verstehen, wie die Leute ticken. Und klare Grenzen setzen, dann geht’s.

Sie sind Krimiexperte, in Ihrer Filmografie stehen viele „Tatorte“ und „Polizeirufe“. War das eine besondere Herausforderung, eine Komödie zu drehen? Oder ist für Sie Film gleich Film, egal welches Genre?

Nee, Film ist nicht gleich Film. Komödien brauchen eine andere Filmsprache, ein anderes Licht, einen anderen Schnitt, eine andere Musik. Ein Krimi erzählt sich häufig über Auslassungen. Bei einer Komödie muss man das Ensemble immer im Bild haben, man braucht viel mehr Einstellungen. Aber Humor spielt auch in meinen Krimis eine große Rolle. Das ist ein gutes Mittel, Gefühle zu lockern. Wenn man gerade gelacht hat, fließen im nächsten Moment die Tränen umso schneller. Und umgekehrt.

Sie sind sozusagen der Vater des Rostocker „Polizeirufs“. Wer „Der Sommer nach dem Abitur“ anschaut, dem fällt sofort auf, dass da Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner Gastrollen haben. Das ist doch sicher kein Zufall, oder?

Doch! (Lacht.) Nein, wer mich und mein Werk kennt, weiß, dass ich immer gerne mit denselben Leuten arbeite. Mit Charly beispielsweise bin ich eng befreundet. Ich weiß, was er kann. Wir müssen uns nicht mal treffen, wir besprechen die Szene einfach ein paar Tage vor dem Dreh am Telefon. Das Ganze mit einem mir fremden Schauspieler zu machen, würde den Aufwand verdreifachen.

Der jüngste „Polizeiruf“ mit dem Titel, „Der Tag wird kommen“ endet mit einem innigen Kuss zwischen den beiden Hauptprotagonisten. Die Fans fragen sich: Wie geht’s weiter?

Ich darf natürlich nicht verraten, was da kommt. Ich sitze gerade am übernächsten Drehbuch, die nächste Folge schreibt Florian Oeller, der ja auch „Der Tag wird kommen“ geschrieben hat. Wir sprechen uns ab darüber, was da passiert zwischen den beiden, auf jeden Fall müssen sie mit dieser neuen Situation umgehen. So würde ich das formulieren.

Dass König und Bukow ein Paar werden, schien irgendwie tabu zu sein.

Wir haben auch lange überlegt. Jahrelang hieß es, die beiden dürfen nie zusammenkommen. Aber dann haben wir gedacht: Nee, das ist langweilig. Ich halte viel von Vince Gilligan, dem Autor von „Breaking Bad“, der mal sinngemäß gesagt hat: Man muss sich für seine Figuren das Schlimmste ausdenken. Und dann schaut man, wie sie aus der Situation wieder rauskommen.

Interview: Rudolf Ogiermann

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