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Sandra Maischberger

Maischberger, ARD

„maischberger. die woche“: Vergebliche Liebesmüh

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Das Konzept von Sandra Maischbergers renovierter Talkshow will einfach nicht aufgehen.

Wenn es schon so anfängt: Er sei nun Bundestagspräsident und konzentriere sich auf seine Rolle – „auch im Gespräch mit Ihnen. Ich sag's vorweg.“ Da half es Sandra Maischberger auch nicht, dass sie rasch einwarf, sie aber müsse sich ja nicht darauf konzentrieren. Doch Wolfgang Schäuble blieb stur. Die oft gerühmte Fähigkeit der Moderatorin zu geschickter Gesprächsführung wollte bei dem greisen CDU-Politiker partout nicht verfangen.

Sandra Maischberger gut vorbereitet

Die Gastgeberin war gut vorbereitet, brachte allerlei aus Schäubles Biographie aufs Tapet, hielt ihm alte Aussagen vor – vergeblich. Sie griff seinen Satz auf, es sei das beste für das Land, wenn Friedrich Merz CDU-Chef würde: Ob es nun schlechter sei? Das konnte er wohl kaum mit ja beantworten –¬ sinnlose Frage also. Vermutlich wusste Sandra Maischberger das auch, sie versuchte es trotzdem, wie in manch anderen Fällen: vergebliche Liebesmüh

Aber was bringt das dem geneigten Publikum? Einen Mehrwert an Erkenntnis? Der ist von solchen Veranstaltungen, die ja zu recht unter dem Rubrum „Unterhaltung“ laufen (statt unter „Bildung“), kaum zu erwarten. Wenigstens preisen die Verantwortlichen diese Art Sendung nicht mehr ernstlich als Möglichkeit demokratischer Teilhabe an. Stattdessen geht es um Selbsterhaltung der Anstalten (ohne das Bashing von Rechtsaußen am öffentlich-rechtlichen Fernsehen bestätigen zu wollen).

Sandra Maischberger: Talkshow-Gäste sind Stammgäste

Denn das Spekulieren auf einen „Scoop“, also die Nachricht, die im Netz Klicks beschert, ist längst Wesensmerkmal der Talkshows geworden; deshalb müssen ja stets Politiker und andere Prominente eingeladen werden – weshalb der Kreis der Erlauchten auch recht klein ist. Talkshow-Gäste sind Stammgäste. Das gilt für Polit- wie für Medienprofis. Wie oft haben wir im vergangenen Jahr etwa Annalena Baerbock, Norbert Röttgen oder Peter Altmaier gesehen, wie oft Robin Alexander, Wolfram Weimer (eher rechts) oder Markus Feldenkirchen (eher links)?

Und es ist ja nicht etwa so, dass die Damen und Herren aus der Politik durch überraschende Einlassungen oder Positionswechsel aufgefallen wären, die ihre Teilnahme lohnend hätte erscheinen lassen. Während die JournalistInnen so harm- wie meistens folgenlos Bonmots beisteuern dürfen.

„Maischberger. die Woche“: Ein Abend voller Leelauf

Am Mittwoch übernahm das Gabor Steingart, zwecks „Ausgewogenheit“ als rechter Gegenpart zu Ferdos Forudastan eingeladen, der klugen Innenpolitik-Chefin der Süddeutschen Zeitung (die sie nach nur zwei Jahren wieder verlässt). Steingart jedenfalls sonderte dann den Satz ab, Wolfgang Schäuble, den er mal als „Reserve-Kanzler“ tituliert hatte, sei „im besten Trump-Alter“:¬ ein in jeder Beziehung unsinniger Satz, aber ein Garant für Lacher (und Zitier-Fähigkeit...).

Aber Steingart repräsentierte zugleich den plappernden Leerlauf des Abends. Er hatte rollengemäß zu allem und jedem etwas zu sagen und tat das mit der ihm in besonders hohem Maße zuteil gewordenen Eitelkeit („Ich kenne viele Aufsichtsräte“). Auf den billigen Populismus des Handelsblatt-Chefs („Wir haben eine Regierung der eingeschlafenen Füße“) traf zu, was Ferdos Forudastan über den Versuch von Siemens-Chef Joe Kaeser sagte, der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer mit einem Aufsichtsratssitz kaufen wollte: „so schnöde und billig“.

„Maischberger. die Woche“: Ein Auslaufmodell 

Forudastan und Pinar Atalay von den Tagesthemen zeigten, dass auch ohne Floskel-Fetisch über politische Ereignisse gesprochen werden kann, aber das Hähnchen in ihrer Mitte pickte sich eben den Beifall des Publikums heraus. Und als dann Wolfgang Schäuble zum Einzelgespräch kam, konterte er Maischbergers Frage, ob er wirklich „Kanzler der Reserve“ sei, mit der Gegenfrage: „Sie haben da jetzt drei Kommentatoren in der Sendung. Soll ich jetzt die Kommentatoren kommentieren?“ Und so machte der Politiker ein Dilemma der Sendung deutlich. Es geht nicht zusammen. Das Konzept will einfach nicht aufgehen: Zu viele Themen zu kurz abgehandelt, und ein Einzel-Interview, dem die Bindung zum Rest des Abends fehlt. Die Voraussage sei gewagt: Lange wird es „Maischberger. die Woche“ in dieser Form nicht geben...

Zur Sendung

Maischberger, ARD, von Mittwoch, 15. Januar, 22.45 Uhr. Zur Sendung im Netz.

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